Montag, 2. November 2026

falsch abgebogen in die Melancholie

„Schau mal, unbeleuchtete aber angeleuchtete Weihnachtsbeleuchtung.“ (Des is a duggerla wordredundand? Anm. d. imag. Redaktion)

„Warum sitzt du hier draußen? Ist wieder nicht aufgesperrt?“ – „Nein, aber so allein im großen, dunklen Saloon…“ – „Und wie geht’s?“ – „Wasserrohrbruch. Auf dem Nachbargrundstück. Stellte sich aber raus: Ist bei uns. Aber Wasser läuft bei uns – also aus dem Hahn – noch völlig normal. Sehr mysteriös. Und die Stadtwerke sind auf dem Grundstück nicht zuständig, die können nur ein Pflaster draufmachen...“

„Apropos Pflaster: Ein Kollege ist mit dem E-Scooter vom Teer aufs Kopfsteinpflaster gefahren und hat dann angeblich erst mal nichts mehr gesehen, weil ihm durch die Vibrationen die Augen ins Innere gerollt sind.“ (Echt jetzt? Ist das unser aktuelles journalistisches Niveau? „Der Freund eines Bekannten eines Verwandten hatte ein Problem, das vom Wortlaut her eine entfernte Ähnlichkeit hat“? Anm. d. Red.) – „Ja, bei Astronaut:innen im Weltall fehlt auch die ständige Vibration von uns umherhetzenden Affen, habe ich gelesen.“ (Waren das nicht Augapfel-Verformungen und Blutumverteilung? Aber egal. Und: Siehste, der spinnt Themen auch freestyle weiter. Ich dokumentiere das nur. Anm. d. Prot.)

„Erika, du alter Pappkarton! Nicht knurren, das war nett gemeint.“

Was nahtlos zu Vergleichen zwischen Verpackungsmaterial, Hunden, Kindern und Kühen führt: „Sie ist kleiner, aber frisst mehr Gras.“ – „Und was war das jetzt mit dem Geheimtierausweis? Das hab ich nicht ganz verstanden… Erika, pfui.“ – „Ja, Doppel Null Ed von Schleck.“

Und obwohl wir nicht in Rotthalmünster sind, ist auch Karl Auer wieder bei unserem Treffen dabei: „Ich bin schlecht im Kürzen. Bei Geschichten.“ – „Ich auch. In Mathematik.“

„Ich fang mal mit dem Vorlesen meiner Kurzgeschichte an, solange noch so wenig Kritiker:innen da sind, das ergibt dann logischerweise ja automatisch quantitativ weniger Kritik.“ – „Du bist ein Feigling, Jogi. Aber wenn ich vorher noch diese deine unqualitative Betrachtungsweise unserer Kritik kritisieren darf…“ – „Ja, und den Text vorab unter dem – auch noch selbstschulterklopfenden! – Deckmäntelchen des ‚Text zum Mitlesen‘ in den Chat zu stellen… ‚ganz unvordrängelnderweise‘ … smarter Move, wenn auch sozial völlig inakzeptabel…“ – „Und hieß es nicht im Vorfeld ‚High Noon / Honey Moon / im KuKuQck-Salooon: Themenabend über den Verfall der nordamerikanischen Kultur?“ – „Das war nur ein Wortspiel, wenn auch aus gegebenen Anlässen…“ – „Und was war das mit der Biennale und dem Kloster?“ – „Naja, Matthias erwähnte, dass er noch Anregungen für seinen Gedichtzyklus über Klöster entgegennimmt. Und dass er – der er nicht nur Wortkünstler sondern auch wortloser bildlicher Künstler ist, siehe leerstelle.org – halt auf die Biennale fährt.“ – „Und dort ausstellt?“ – „Traue ich ihm zu, weiß ich aber nicht. ‚Matthias Schwab Biennale‘ verortet ihn oder einen Doppelgaenger sowohl bei der ‚Biennale Cinema‘ im Sound-Team als auch bei der ‚Biennale Zeichnung‘ … mit der Feuer-Performance ‚die wärmebrücke – disappearing into light‘ hat er sich jedenfalls aus Ansbach verabschiedet…“ – „Sein Lobgesang auf ‚soziales Plastik‘ ist aber heutzutage nicht mehr zeitgemäß, bei den ganzen Umweltproblemen…“ – „Schaberedneck!“

„Die Ich-Erzählerin, also die Galeristin, ist dement?“ – „Nein, der Kunde. Sie hat nur Sorge, es zu werden.“ – „Aber ihm merkt man die Demenz gar nicht an, außer dem ‚äh‘ beim Namen, er wirkt vernünftiger als sein Umfeld…“ – „Ja, das soll ja gerade der Witz sein, oder ein Teil des Witzes…“ (Hauptsache, Du erzählst nicht wieder den einzigen Witz, den du kennst… ich finde Witze, die mit einem Flugzeugabsturz beginnen, nicht gut. Auch wenn ein Affe darin vorkommt. Anm. d. Red.) – (Versucht nicht, danach zu suchen. Zumindest mit KI. Die generiert daraus unlustiges. Anm. d. Prot.)

„Die Protagonist:innen habe ich klar vor Augen, sie sind alle lebendig … bis auf Jason, den Fahrer: wird der wirklich benötigt?“ – „Naja, in echt gibt es ihn, aber ich verstehe, was du meinst… gerade bei Kurzgeschichten muss man Personal sparen, wo man kann…“

„Und der Titel ‚Fade to grey, go’?” – „Öh… genau wie ‚Kunde. Stamm. Verfall‘ noch ein reiner Arbeitstitel…“ – „Ja, aber was bedeutet der?“ – „Naja, für das Lied solltest du alt genug sein … und ‚grey goo‘ ist ein pessimistischer Begriff aus der Nanotechnologie, und grau sind die Gehirnzellen und die Haare beim Altern, und ‚Go‘ heißt es geht in die Richtung… naja, das ist ein unausgegorenes Vermanschen, ich gebe es ja zu. Zufrieden?“ – „Wir vermerken im Vernehmungsprotokoll ‚bricht zusammen und gesteht‘…“ - „Oder du nimmst ‚(Yet Another) Shades Of Grey‘… denn das kann ja auch Abstufungen der Demenz beschreiben…“ – „Ne, DER Titel ist noch auf Jahre verbrannt.“ – „Stimmt, das hatte ich ganz vergessen…“

„Schreibst du eigentlich grad Steno?“ – „I wish.“ 

„In der Geschichte steckt sowohl Erzähl- als auch Kommentarkomik. Aber das muss man natürlich sauber dosieren, zumal bei diesem ernsten Thema.“ – „Na, aber alle kümmern sich um ihn wie um eine streunende Katze. Das Setting soll bitte so bleiben!“ –– „Und der tanzende Junge?“ – „Auch echt, aber auf einem Supermarktparkplatz. Aber ich dachte mir damals: Na warte, dereinst verwurschte ich dich in einer Geschichte ...“ – „Jeder nach seiner Façon. Also ich sammle ja Wortschöpfungen meiner Geschwister, wie Gwütz und Hochwinter.“ – „Lustig, ich habe mir letzthin auch ein Wort zur gelegentlichen Neuverwendung notiert: ‚tiefenaggressiv‘“. – „Aber noch mal zum Titel: Gab’s da nicht was mit Honig im Kopf?“ – „Chuck Norris kaut Bienen.“ – „Oder haut Bienen? So oder so nicht mehr zeitgemäß angesichts des chemie- und politikinduzierten Bienensterbens. ‚Chuck Norris trinkt jährlich exakt die Jahresproduktion Glyphosat aus‘ wäre besser.“ – „Apropos Chuck Norris und apropos wer liest als nächstes: Schlagt euch, da ist nichts dabei, denn ich hab nichts dabei.“

„Ich kann doch nicht immer vorlesen, wenn ich da bin!“ – „Naja, besser, als wenn du versuchst vorzulesen, wenn du nicht da bist.“ – „Dann lese ich, und zwar den Anfang meines Romans, das erspart auch Erklärungen. Da habe ich mich in den Roman reingeschrieben“. – „Und wie lautet der Arbeitstitel, Marleen?“ – „‘Die verlorene Zeit‘. Aber das kann logischerweise nicht bleiben.“ – „Pyramiden, Lotterie, Glücksritter und Panzer müssen noch in den Titel.“

„Ein melancholischer philosophischer Einstieg: Was hätte aus der südalbanischen Stadt Saranda werden können… von der alternativen Zukunft in die imaginäre, betrauerte Vergangenheit… das ‚Paradise Lost‘ mit Olivenhainen und Orangenblüten… gefällt mir!“ – „Oder wie dann nebenbei Informationen über Vico, den Protagonisten, einfließen … ‚sie hätten ihm die Trauer aufgrund der sprachlichen Hürden nicht vermitteln können‘… und das verbindende ‚ich habe einst versucht, in eurem Land zu leben…‘“ – „Und natürlich das ‚auch er war der Zukunft nachgelaufen, deren Eintreffen jetzt betrauert wurde‘, und die Worte in einer klaren, strebsamen Traumsprache dafür: Emerging Markets, Investor Confidence und anderes Blingbling…“ - „Sein Streben wird jedenfalls klar und realistisch beschrieben: ‚wenn du dein Land nicht verlässt, wirst du als Dörfler die mentale Dorfstraße nie los.“ (Ich habe dabei jetzt die Stimmen von Whitney Houston und Christopher Lambert im Kopf: I’m every street… und es kann nur eine geben. Anm. d. Prot.) – (Oh du hopfenverlorenes Kind deiner Zeit... hättest Du mal lieber den vorgelesenen Satz „Albanien stand unter dem Eindruck verlorener, aufzuholender Zeit“ erwähnt… denn da hast du den Arbeitstitel. Anm. d. Red.) „Und alle warnen ihn vor dem Land: Vorsicht, dort herrscht Blutrache statt Bücherlesen. Und die steuern auf den nächsten Bürgerkrieg zu“. – „Na, wenigstens letzteres war ja dann prophetisch korrekt…“ – „Du hast vorhin so die ‘frisch improvisierten Banken‘ im Nebensatz erwähnt, aber das verrät doch eigentlich alles über das damalige strukturelle Problem! Und strukturelle Probleme klingen erst mal nach irgendwas in der Schublade, aber dann springen sie irgendwann raus und zerstören alles.“ – „Sehr bildlich. Das wäre doch eine Erzählperspektive, aus der Sicht des strukturellen Problems…“ – „Die Bankkatastrophe war also totales soziales Vertrauen bei maximaler Xenophobie. Tut mir leid, da gesellt sich bei aller Empathie auch ein zumindest partielles ‚g‘schiehd euch gscheid recht‘ dazu, eben wegen dem X-Faktor…“

„Das ist die beste Beschreibung für das Vico-Glücksrittertum, zeitenübergreifend…“ – „Aber ist das atmosphärisch genug? Ich fühle mich in die Stadt geworfen, die dann aber nicht für die Sinne beschrieben wird.... und die alternativen Zukünfte und so … sind das nicht wiederholte … äh … Redundanzen? Die sich gegenseitig die Bühne streitig machen?“ – „Nein, das ist einfach Thema mit Variation. Und beim Schwenk zu Vico dann kein Auftritt einer Person, sondern eine Charakterisierung. Dieses Herantasten kann dir beim Schreiben maximierte Klarheit geben, aber ist die beim Lesen benötigt?“ (Der Frage schließe ich mich für deine Protocollagen an. Anm. d. Red.) – „Naja, bei bisherigen Test-Lesungen in verschiedenen Kreisen sagt mindestens immer jeweils ein Mann: ‚der ist wie ich!‘ Diese getroffenen Nerven will ich also verständlicherweise drinlassen…“

„Die Beschreibung hat mich irritierter zurückgelassen als wenn sie nicht erfolgt wäre.“ – „Aber Dein Einstieg ist gut. Die Zeiten haben sich geändert, früher waren fünfzig Seiten langatmiger Einstieg nichts ungewöhnliches.“ – „Manche lesen auch nach Masse, über dreihundert Seiten müssen es sein...“ – „Schinken, wem Schinken gebührt. Platz, Erika, es ging um Bücher.“ - „Der Schinkenautor ist der gleiche Autor, den ich meine!“ – „Ich kann nur ‚alle tot‘-Bücher, ich töte Protagonist:innen aus Langeweile beziehungsweise um Langeweile beim Publikum vorzubeugen. Aber einer davon könnte auf dem Weg zu Rotlichtviertel und Ärger ja an einer Streuobstwiese innehalten und philosophisch-poetische Gedanken haben.“ – „Ich distanziere mich von bzw. verbitte mir die Schubladisierung ‚blumige Lyrik‘!“

„Mir ist da einiges noch nicht klar: Was ist die Motivation der Erzählstimme? Wie ist das Verhältnis der Erzählstimme zur Hauptperson?“ – „woher soll ich das wissen? Ich bin nur die Autorin!“ – „Also eine Art übergeordneter Erzähler, nicht als eigene Figur geoutet? Interessant.“

„Was ist die Glücksritteretikette? Aber entscheidender ist ja ein Identifikationsangebot, was wollen die Lesenden: sicher keine Story eines erfolgreichen BWL’ers. Und das sage ich als Ex-BWL-Student und pensionierter Jugend-Glücksritter.“ – „Aber wir wollen auch kein Vorführen einer Person.“ – „Na, ich habe noch Hoffnung, dass er sein Glück findet.“ – „Naja, sie hat die letzten Male schon von Scheitern und Bürgerkrieg und Evakuierung vorgelesen, also … außerdem grinst sie schon wieder, und dann weißt du als Protagonist: oh, oh …“ - „Aber der Knilch könnte auch wider Erwarten erfolgreich sein…“ – „Moment, verstehe ich die aktuelle Diskussion richtig: Du forderst die Autorin zur Rebellion gegen die Erzählerin auf?“ – „Naja…“ – „Vollknilch, Knilchbart, Knilchbrötchen…“ – „Sei still und hör zu.“

„Also mich hat der Beginn, die Perspektive der Stadt sozusagen, an ‚die unsichtbaren Städte‘ von Calvino erinnert, an die Rahmenerzählung am Anfang…“ – „Witzig, das war mein Leitstern, mein Türöffner, als ich mit dem ersten Anlauf, dicht beim Protagonisten zu bleiben, gescheitert bin…“ – (restliche Runde sprachlos). „Wow. Punktlandung beim Feedback.“ – „Jedenfalls sehr aktuell, die brennenden Autos. Aber damit würde ich nicht gleich loslegen.“

„Eine Kernfrage des Romans ist ja die sicher weiterhin von vielen Menschen in Albanien gestellte Frage: ‚wo sind wir falsch abgebogen‘?“

„Die maximale konzeptionelle Klarheiten führen an den Anfang.“ – „Äh?“ – „Den Anfang eines Textes sollte man eher erst am Schluss schreiben.“ – „Oder für dich als Hausaufgabe: eine neue Version von hinten nach vorne schreiben. Dann merkst du, was sich ändert, und welche bisherigen Absätze und Szenen gut und wichtig waren.“ – „Und laut vorlesen, dein Baby.“ – „Und ‚Show‘ und ‚Tell‘ nebeneinander, um Reibung zu erzeugen.“ 

„Modern Albania“ war auch ein sehr hilfreiches Buch: Einblicke eines Politikers, der die Zeit begleitet und auch viele Interviews geführt hat, so wie ich auch. Die Erklärungen der Leute stimmen und stimmen nicht… jedenfalls sind viele eingeflossen in meinen Roman.“ – „Also keine Erzählstimme, sondern ein Bündel, ein Chor.“ – „Genau, ein Bündel an Theorien und Vergegenwärtigungen. Aber wie wäre es, wenn der gealterte Vico die Erzählstimme über die Passagen von Susanne ist, und umgekehrt?“ – „Überkreuz? Ein spannender Ansatz, probiere ich mal!“

„Und der Protagonist steigt kurz vor dem Bürgerkrieg auch in das Schneeballsystem ein und scheitert wie die anderen. Er träumt den gleichen Traum und scheitert sozusagen im Namen der Stadt.“ – „Er gehört dann trotz des X-Wortes dazu.“ – „Jedenfalls hast du da schon einen halben Bestseller!“ – „Ohne Anfang. Na, danke. Ein ganzer Bestseller wäre mir lieber. Aber ich weiß, es war als Kompliment gedacht, Paul, also danke… Aber wir haben noch Zeit für einen anderen Text…“ – „Das ist für mich eine großartige Gelegenheit, die Schnauze zu halten.“

„Ich hätte noch ein Gedicht…“ – „Sehr schön, Antonia! Leg los!“ – „Und ich frage mich und euch, ob das Latein am Anfang und am Ende stört…“ – „‘ab initio usque ad finem‘…“ – „Was? Ich verstehe nur Alpha und Omega…“ – „Das hieß ‚vom Anfang bis zum Ende‘ auf Lateinisch, weil Anfang und Ende ja auf Latein… ach Kinders, muss ich meine Scherze immer erklären?“ („ad finem Latinum meum quoque pervenio“ … „am Ende bin ich auch mit meinem Latein am Ende“ … Anm. d. Prot.) – (Verkaufe nicht immer gesuchmaschinte Erkenntnisse als Geistesblitze, Mister Asterix Latinum! Anm. d. Red.)

„Auch wenn das nicht deine Frage an uns war: ‚in dir wird es früh dunkel‘ für die Melancholie ist schon mal ein starker Einstieg! Und dann die Verhaltensregeln nach mittelalterlicher Leere, was zu vermeiden und was zu verspeisen ist…“ 

(Und dass die Beschwörungsformel am Schluss des Textes ‚nimm die Lehre mit dir, lass die Form zurück‘ bedeutet, musste ich mir auch erst online zusammensuchen, auch, dass das sehr gut zu Saturn passt, der ja nicht nur für Schwermut steht, sondern auch Kontemplation und Gelehrsamkeit… Anm. d. Prot.) – (Tja: nimm die Lehre mit dir … oder mit Cicero: „memoria est quasi thesaurus omnium rerum“: „Das Gedächtnis ist gleichsam die Schatzkammer aller Dinge.“ … aber vor allem in deinem Fall gilt: vergiss sie nicht wieder! „Memoria tua quasi vas perforatum est“ … dein Gehirn ist wie ein löchriges Gefäß… Anm. d. Red.)

„Und wenn du schon fremdwörterst – konjugiert: du wirst gefremdwörtert haben - dann bitte auch für Dose, Gefrierfach und Display lateinische Begriffe!

Dose: Pyxis Conservatoria oder Vasculum Metallicum … 

Gefrierfach: Loculus Congelatorius oder Compartimentum Glaciale … 

Display: Tabula Electronica oder Index Luminosus … 

ich weiß gar nicht was die Kinder alle haben. So schwer verständlich klingt diese tote Sprache doch gar nicht!“ („Loculus Congelatorius“ klingt iwie nach 00 unter 0 Grad, also Arsch abfrieren… Anm. d. Prot.)

„Auch wenn der Gruppendruck hier gerade steigt: Ich stehe zu meinem ‚renunzierenden Veto gegen das Latinuum!“ – „Das klingt sehr lateinisch…“ – „Ja, das ist ein sehr anspruchsvolles Banausentum….“

„Du setzt in deinem Text ja einige Humorker, also Humor-Marker…“ 

Kalle Auer again: „Wenn du Saturn anrufst, musst du lateinisch sprechen, sonst heißt es: kein Anschluss unter dieser Nummer. (für GenZ/Alpha: „Diese Nummer ist uns nicht bekannt.“ Anm. d. Prot.) – „Oder wie wäre es mit etwas Schein-Latein?“ – „Oh ja, wie bei Terry Pratchett!“ – „Oder der bekannte Fülltext Lore Ipsum!“ – „Hic est pisspotum!“ - „Kinder, bitte. Diese Mitschrift wird publiziert. Was sollen die Leute von unseren Runden denken…“ – „Vielleicht: ‚sie waren ernsthaft darum bemüht, Spaß zu haben‘?“ 

„Die Aufzählung der althergebrachten Heilrezepte gegen Melancholie ist jedenfalls cool! Wobei ich jemanden kenne, der sich mit roter Bete vergiftet hat.“ – „Ach komm, das sind doch antivegetative… oder so … Verschwurbelungstheorien.“ – „Ne, stimmt schon, Säuglinge sollen zum Beispiel kein nitratreiches Gemüse wie Rote Beete bekommen.“ – „Ach, dein Bekannter war ein Baby? Jedenfalls stimmt mich das melancholisch.“ – „Also, ich mag melancholische Babys.“ – „Wie sagt man eigentlich einem menschlichen Baby, dass es die Geisel des Planeten ist? Also eine davon, wegen Umweltzerstörung und so …“ - „Ich traue mich wetten, unsere Besprechungen dienen später mal als Beispiel dafür, was passiert, wenn man ohne Pausen durcharbeitet.“

„Das Bildungslatein zu gendern ist eine alte römisch-katholische Tradition.“ – „Naja, wenn jemand nicht, dann die!“ – „Ach was. Das war ein politisch motivierter Scherz.“ - „Ich hatte auch überlegt, die Verwendung des Lateinischen im Text durch ironische Satzzeichen zu brechen?“ – „Ja! Zum Beispiel ein Ausrufezeichen in Anführungszeichen!“ 

„Ich fühle mit dir … du hast viel Zeit in die Formulierungen investiert, bist aber weit davon entfernt, zufrieden mit deinem Text zu sein...“ – „Eine Empfehlung an dieser Stelle: Einfach – natürlich in einer Kopie – alphabetisch (what? „Alphabestialisch“ ist für die Autokorrektur/-ergänzung ein normales Wort? Anm. d. Prot.) oder anderweitig den Text dekonstruieren, ohne Rücksicht auf Verluste. So was hilft in diesem festgefahrenen Zustand.“ – „Hab ich gleich mal stellvertretend gemacht. He, cool...

Dauer Dampf Dusche, Display dunkel …

Galle galvanisch gedünstet…“

„Das hieß ‚galgant‘…“ – „Naja, jetzt aber mal Butter bei die Fische. ‚Dekonstruieren‘ heißt nur ‚noch ergänzende Einblicke‘ … der Text ist ja insgesamt schon toll: Die Aufzählung von Ernährungs-Do’s und -Don’ts, jeweils genau bis zu dem Punkt, kurz bevor dem erwachsenen Zuhörer die Augen glasig werden und Kinder anfangen, herumzurutschen… dann der Wechsel zu allgemeinen Verhaltensregeln, immer noch mittelalterlich formuliert, und dann der Schwenk in die Moderne…“ - „Du generierst hier gerade das neure Genre ‚literarischer Rettungsring‘.“ – „Das ist doch genau mein Punkt: Da gibt es nix zu retten. Das ist jetzt blöd formuliert. Will sagen: der Text funktioniert doch bereits äußerst gut?“ 

„Worüber lachst du, Coralie?“ – „Wenn man einen Satz wie ‚es ist herrlich‘ durch etliche Sprachen übersetzt, wird er zu ‚alles gut‘ … deutsch, afrikanisch, italienisch, chinesisch, englisch … hörst du mir zu, Mama?“ – „Immer.“ – (daraufhin folgte ein Lachflash, der zumindest partiell sicherlich familiäres Insiderwissen erfordert Anm. d. Prot.) – „Außerdem wäre bei der Auflistung der Sprachen diese Detailtiefe nicht nötig gewesen, wir haben die Idee auch so verstanden. Eine wichtige Lektion für dich als Autorin!“ – „Außerdem hätte man die Kette deutlich verkürzen können, einmal fränkisch ‚bassd scho‘ dazwischen…“– „Und wie heißt es in der italienischen Übersetzung?“ – „Vielleicht ‚er ist schön‘ … oder ‚al dente‘…“ – „Also: ‚er ist lecker‘? Hm…“

(Fade Out zu Diskussion über T-Shirts/Kalendern/Tassen mit derb veränderten Zweithälften von Sätzen, à la „Träume nicht dein Leben… halt‘s Maul“ Anm. d. Prot.) – (Fabuliere nicht in deinen Mitschriften, gib ab. Anm. d. Red.)

„Ist Klavierbegleitung bei Wortwerk zulässig?“ – „Unterlegt, beim Vorlesen von Texten… warum nicht? Oder wie bei Sebastian Wermkes Hörspiel ‚Der Bienenkönig‘… warum? Willst du das mal machen? Hier auf der Bühne im Salooon steht ja auch ein Klavier, ich glaube, das ist echt, keine Deko…“ – „Ich lern’s gerade.“ – „Sag ich auch immer: ‚Ich lärm’s.‘“ – „Das heißt Üben im Akkord, höhö.“ – „Mit einem ‚Konzert für die linke Hand‘ anfangen, die Brandmauer zur rechten, und dann die Erkenntnis: Oh Gott, da kommt ja auch noch was zu bewältigendes.“ – „Seeehr metaphoresk.“

„‘Na gut‘ als Fazit. Was heißt das auf lateinisch? Tutto bene? Ach ne, das ist italienisch… und auch nicht korrekt…“

Und ein weiteres Fade Out: Der Protocollagist Al(e)tbert wird veralbert. „Und ich schreibe über die Runde ‚größtenteils harmlos bzw. harmonisch.‘ Aber nein: Skandale! Und komme dann groß raus mit den Proto-Leaks, sobald Coralie und Marleen ihren Durchbruch haben!“ – „Sehr moviemäßig … ‚ich weiß, was du letzten Sommer getan hast‘… bzw. politikmäßig, wie die Strauß-Tochter, mit dem ‚ich habe seine Akten über euch!‘“ – „Naja, SEINE (Stasi-)Akte haben seine Anhänger ja brav vernichtet, damit der verklärte Ruf nicht durch die Realität beschädigt wird…“

„Die beiden Hunde hießen ‚Terror‘ und ‚Waldi‘, kein Witz…“ – „Das schreit doch nach zumindest einer Kurzgeschichte, vielleicht einem Remake von Susi und Strolch?“ – „Der hieß im Original ‚The Lady And The Tramp‘…“ – „Und ‚The Lady And The Trump‘ ist das Zeichentrick-Remake der Melania-Dokumentation? Ein Melancholania Mockumentary? Baut dir die KI ja ratzfatz…“ – „Das Lied ‘That’s Why The Lady Is A Tramp‘ gab es jedenfalls vor dem Zeichentrickfilm…“ – „Ich sag nur ‚That’s Why The Lady Is A Punk‘ von bzw. über Nina Hagen…“

„Groß. Klein. Colt. Kalt. Kult. KI killt Kelten.“ - „What? Houston, wir verlieren sie…“ – „Und plötzlich klappt das Opernhaus weg…“ – „Ich glaube, da werden intertextuell Ebenen vermischt…“ – „Aber das stand zum Zeitpunkt des Abtippens in einem Chat…“

„Renn doch nicht so!“ – „Mein Arzt hat das so schön erklärt: Hohes Blutfett vom plaquebildenden Typ ist schlecht, genetisch bedingt und durch Ernährung wenig zu beeinflussen. Aber durch Sport werden die Fett-Kugeln ‚fluffig‘ und docken nicht mehr an…“

„Und was ist der Unterschied zwischen Sozialismus und Kommunismus?“ – „Kind, du stellst Fragen! Die tote Sprache Latein und dann tote, also utopische und real scheinbar nicht umsetzbare Gesellschaftsideen… aber gut: Sozialismus war als gerechter Weg gedacht und der klassenlose Kommunismus mit Gemeinschaftseigentum und dem Überflüssigmachen von Nationalstaaten als eigentliches Ziel…“

„Künftige Generationen von literaturwissenschaftlichen Historikern werden hysterisch werden beim Fund der Protocollagen.“ – „Danke, aber: you wish!“

PS: Aus der Reihe „Begrüßung in allen Sprachen dieser Welt“ böte sich diesmal natürlich Steno an, oder Duployan-Glyphen (einen der wenigen Stenodialekte, den es als Unicode gibt), aber noch passender wäre eigentlich Tironisch, eine antike römische Kurzschrift. Leider auch nicht unicodisiert. Oder Latein, wo „Salvete omnes, laetus sum vos hic convenisse“ scheinbar Freude über die Niederkunft, nein, Zusammenkunft ausdrückt. (Genau: „Wie schön, dass wir alle geboren sind!“ Anm. d. Prot.) – (Du wirst lachen: Das ist ein Liedtitel von Hannes Wader und würde auf Latein heißen: „Quam iucundum est omnes natos esse“, wobei „omnes in lucem editos esse“, also „das Licht der Welt erblickt haben“ noch etwas lyrischer wäre… Anm. d. Red.) – (Eigentlich das Licht der Sonne, aber lassen wir das… Anm. d. Prot.)

PSPS: Angesichts der Halloween-Demos von Gen Z (warum waren da nicht eigentlich alle Generationen auf der Straße?) für mehr Mitbestimmung, funktionierende Schulen, bezahlbaren Wohnraum, konsequenten Umweltschutz seien an dieser Stelle zwei schöne, hochgehaltene Plakate zitiert: „who needs halloween, when all the monsters are in positions of power“ und natürlich „jetzt können wir herausfinden, was wir anstelle unserer Großeltern getan hätten. Nein zu rechten Parteien““! Und auch wenn ich gefühlt der einzige mit diesen Hashtags bin, ich will es nur künftigen Generationen „beweisen“ können, dass ich stets dagegen war: #rücktrittreiche #reicherücktritt



Freitag, 23. Oktober 2026

Schoeoeoeoen



 „Braver alter Knusperkeks“, sagt der Mainschiffer im Zeitungsinterview über seine Fähre. (wo bleibt der Folgeartikel „jetzt spricht die/a Fähre!“ im Four-Letter-Blatt? Anm. d. Protocollagisten) Sind wir Underground Train Rider im Vergleich dazu zu ungerecht zu unseren Transportmitteln, nur weil ab und zu Störungen? „Nothing but a(n under)ground dog“…

„Heissa! Lasst uns hier mittig eine Schneise schlagen, für den freien Blick des Fotografen!“ – „Hast du jetzt endlich einen Platz gefunden? Kennst du das von Hunden, die sich erst mal im Kreis drehen, bevor sie sich niederlassen?“

„Ich habe bei Freunden keine Skrupel, mich selbst einzuladen… nur bei Fremden.“ – „Das ist dann unfair den Freunden gegenüber, oder? Aber was anderes: wollte die Schlossbesitzerin nicht was schicken? Vielleicht haben die da kein DSL, nur Postkutsche…“

„Schreiben ist einsam, Poesie gemeinsam, also die Lesung“ (das war im Original von der Moderatorin aber nicht gereimt! Anm. d. imag. Redaktion)

„Liebe Leute, dies ist nicht der Anfang! Dies ist noch nicht die Anmoderation! Ich plaudere nur ein bisschen aus dem Nähkästchen. (Da würde jetzt auch das „wer denkt mitten im Strom noch an die Quelle“ von weiter unten gut passen. Anm. d. Prot.) Der Satz ‚Poesie ist schön‘ auf dem Flyer war anfangs nur ein Platzhalter und Gegenstand intensiver, geradezu unschöner, haha, Diskussionen. ‚Sie ist nicht immer schön und muss das auch nicht sein‘, so oder ähnlich war die Antwort von Chrys. Aber stimmt schon: Attraktivitätsstereotype, Pretty Privilege, Lookismus, Kalokagathia, Beauty-Is-Beastly-Effekt, Ageism, you name it. Also einigen wir uns auf ‘Poesie KANN schön’.” Jetzt aber zur offiziellen Moderation: Der Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die Interessenvertretung aller Autorinnen und Autoren in ver.di, Regionalgruppe Mittelfranken, begrüßt Sie zur Lyrik-Jahreslesung 2026 …. Boah, war das ein langer Text.  Jedenfalls geht es um Schreiben als Beruf. Um Brot! In Zeiten der Kulturförderkrise. Übrigens Kudos an den Kuno,  dass sie uns hier ein Quartier bieten.“

„Welche tolle Frau moderiert denn heute?“ – „Danke für den Zwischenruf, dass ich diese Frage nicht selbst stellen muss! Das Thema Platzhalter bzw. Vertretung haben wir jahreszeiten-krankheitsbedingt sowohl bei der Moderatorin als auch Autoren. Ich bin Iwona Lompart und vertrete Anna Hofmann und richte hiermit auch deren Grüße aus. Jetzt aber zu unserem ersten Vortragenden, Chrys Schloyer, sehr experimentierfreudig, sowohl in seinen zwischen Lyrik und Gaming changierenden Texten, als auch in der Vortragsform, indem er Sprachklänge durch Musik beziehungsweise elektronischer Klangkunst ergänzt. Nein, sag nichts, wenn Du Einspruch gegen meine Formulierungen einlegen willst, dann bitte per E-Mail. (da wäre jetzt ein ‚Moment, mein Handy meldet eine eingehende Nachricht‘ witzig gewesen.  Anm. d. Prot.) Ach ja, und neben den Thematiken ‚planetare Grenzen‘ und Genderambiguität(stoleranz) setzt er den hässlichen Themen der Realität die Schönheit der Poesie entgegen.“ – „Ahaaa! Also doch!“ (Tumult im Saal. Nein, Scherz. Aber die KI schreibt: „Schloyer nutzt poetische Mittel, um soziale Härte oder politische Spannungen nicht nur abzubilden, sondern ihnen eine ästhetische Qualität zu verleihen. Realität nicht beschönigen, aber transformieren, sodass sie anders wahrgenommen werden kann. Und Schönheit nicht als dekorativen Zusatz, sondern als Form der Erkenntnis: Poesie macht Übersehenes und Verdrängtes sichtbar, die Schönheit entsteht aus der genauen Beobachtung, nicht aus dem Ausblenden des Unangenehmen.“ Anm. d. Prot.)(Na toll. Jetzt ist der ganze Text wegen irgendwelcher Wasserzeichen als ‚enthält KI‘ geflaggt. Sehr unschön. Und die Formulierungen hat sie vermutlich von seiner Website gezogen, also war die Nutzung unnötig? Und höchst umweltschädlich? Und das dir, dem ‚schützt die Affen!‘-Geldgeber und ‚weg mit dem Palmöl‘-überall-einfließen-Lasser? Anm. d. Red.)

„Übrigens: wenn er joggt, ist er für seine Kolleg:innen nicht erreichbar.“ - „Too much internal information, Iwona.“ - „Und er holt mit der Soundtechnik die technikaffinen Unpoetischen ab. Sehr gut. Bitte sehr, Chrys.“ - „Danke. Aber es ist weniger die Technik als der Sound… meine Elektroakustik ist im Endeffekt auch nur ein zufallsaffines Musikinstrument. Aber da unsere Gehirne evolutionsbedingt überall Muster suchen, entsteht zwangsläufig Kopfkino oder eine mentale Steinbruchtätigkeit, auch in meinem eigenen Schriftstellerhirnzentrum, was dann wiederum zu Texten wie in ‚Mars/Venus‘ führt.“

„Apropos Kontextsuche: wie am Flyer erkennbar: lassen Sie sich nie in Schwarz-Weiß fotografieren… die betreffenden Kollegen sind die, die erkrankt sind.“ – „Ja, die KI baut Dir aus dieser Schwarzmalerei da jetzt in Minuten eine fix- und fertige Verschwörungstheorie mit Website, Chatgruppen, Name, Logo, Dachorganisation und Spendenaufrufen.“

Schlag auf Schlag
schlagartig Schlager Art Kunst?
Maschine Mensch Musik Schnitt-\/
stelle {} I/O_U. I’m Out. All In.
wer wem - wen missachtend - wessen Warnung windel
weich ins Gesicht schlug, seinerzeitwonochzeit
interessiert die auf dem trockenen
/im Brunnen mit Badewanne ausgeschütteten Enkel) nicht
(fassungslose Blicke zwischen imaginären Justitiar und Red.)
„Dazwischen noch eine sachdienliche Erklärung: Das absurd tödliche am Mars, den der moderne Unclelon Scrooge ja so gerne terraformen (das Wort klingt wie diese merchandise-listige und -lastige Spielzeugauto-TV-Serie für kleine Kinder Anm. d. Prot.) möchte – ich muss da immer an den Astronom (stimmt, die können auch zur Erde viel sagen, ist ja im Endeffekt auch nur ein Planet um eine Sonne… Anm. d. Prot.) Neil deGrasse Tyson und sein Zitat denken: ‚bevor wir darüber reden, andere Planeten zu terraformen, sollten wir erst beweisen, dass wir fähig sind, unseren eigenen zu erhalten‘ – ist ja nicht die Strahlung oder der steril-toxische Staub, sondern die Atmosphäre, die quasi Vakuum ist… und ohne den Druck der Luftteilchen kocht Wasser sehr schnell, und tja, was liegt uns im Blut? Genau…“

Fieberkurven und das sehr schöne wenn auch gleichzeitig hässliche Wort „Sieche“… und die Hitzetoten in den Porschesitzen. „Ein pralles Bild, nicht wahr? Aber genug zum Thema Schönheit. Nahtlos passend: Neuromantische Naturkulissenruinen.“ -  „Die menschliche oder ‚Putten‘-Zentrifuge auf dem Jahrmarkt … so ein klasse Bild für das sinnfreie Herumschleudern der Menschenmassen!“ – „Im Kontrast zum Dazwischen-Herumschlendern der Beobachter.“ – „Ja … and the winner of climate crisis isssss or arrrre: ‚Hinterhof-Neu-Weinbauern‘! Forget Bitcoin… so was von krass und oberböse! Äh, ich meine ‚das crazy, wild, tuff, lit, dope, slay‘… ähem…“ – „Lass gut sein, alter Mann. Im schriftlichen hast du dein simples Suchen-und-Ersetzen-Verjüngungsplugin, um andere zu täuschen, aber im Gespräch klappt das halt nicht oder noch nicht in Echtzeit.“ – „Schnell ablenken: was war das mit dem ‚Zerteilen und um 180 Grad versetzt zusammenbauen? Und ‚Churchills Gorilla‘? Ist das ein bekannter Begriff? Ich finde online nichts dazu, nur Trekking in Uganda…“ – „Tu das Handy weg.“ – „Wusstest du übrigens, dass außer den Deutschen niemand das Wort ‚Handy‘ verwendet?“

„Die Zeit im Blick…“ – „Die Moderatorin hatte so eine schöne Formulierung … dass die Zeit fließt aber wir gerade den Luxus der Zeit haben also noch genug davon da ist, oder so… ist das eine polnische Redewendung die sie quasi direkt ins Deutsche übertragen hat?“ – „Hm… finde auch dazu nichts passendes… auch wenn das hier erwähnte ‚wer denkt mitten im Strom noch an die Quelle‘ äußerst poetisch ist, auch wenn es nicht zum Thema passt…“ – „Ich formuliere um: Tu Dein Smartphone/Mobiltelefon wegtun! Sonst bekommst du ghettomäßig meine oberböse Bügeleisenfaust zu spüren!“

„Unentschlossene, bei der Abstimmung zu ‚noch mal Text oder Sound
 einfach doppelt die Hand heben!“ – „Was quasi-zwangsläufig zu einer Kombination aus beidem führt…“ (Ja, ja, alles hängt mit allem zusammen… wie war das Cramersche Zitat mit dem Hühnchenrupfen nein Arschhaarrupfen das weit entfernt zu Tränen im Auge führt? Anm. d. Prot.) - (Mir und dem Künstler wäre wahrscheinlich lieber zu erfahren, welche Kopfkinobilder während des Zuhörens entstanden… Anm. d. Red.)

„Dann stoßen wir an auf abwesende Freunde, nein, wir bitten ihre Geister auf die Bühne. Nein, das klingt jetzt auch seltsam. Da sie noch leben, ist ja auch keine Seance (komm‘da der Abbôzdrohf an den Schluss, wie bei Bijohnsi? Anm. d. Prót.) nötig, nur Aushilfshirn, -kehlkopf, -stimmbänder, in Form von Michael.“

Während Iwona die Autoren und ihre Werke vorstellt, hält Michael wie ein Flugbegleiter diese – also die Werke, nicht die Autoren, die sind ja nicht da – hoch. (Verstehe: Heranziehen und Poesie einatmen, erst dann helfen Sie anderen… Anm. d. Prot.)

„Fabians Streichholzbriefe – nein, Streichholz-Gedichte, kurz und hell aufflammend -  sind zu 100% verkauft.“ – „Eher ‚nachwirkende Glutnester‘, wie der pegnesisch-blümerante Pfingstroserich Birnmeyer es mal ausgedrückt hat, denn er kombiniert – lakonisch-cool - Minimalismus mit völliger Angstfreiheit vor den großen Themen.“ – „Als Ersatzbank-Vorleser habe ich neben den vorgegebenen auch noch eins ausgewählt, da ich mich auch mal in einer ähnlichen Situation befand, nämlich das auf der Rückseite, das Ersatzeltern aus der Flimmerkiste in den Raum stellt.“

„Axels Gedichtband-Cover ist handgeschrieben, also quasi automatisch signiert. Und wenn er als Fotograf unterwegs ist, ist er wie Chrys beim Joggen: nicht ansprechbar. Gesichtserkennung aus. Die Wälder hinter tschechischen Grenzen sind übrigens sein ‚Zauberland‘, wie er sagt.“

„Ich glaube eher, das Meer ist sein Zauberland … Scherben des Meeresspiegels, der Horizont durch Augenlider … oder so, Geheimnisse, Engramme aus Sediment... aber vor allem das Ergebnis seiner maritimen ‚Archäologie‘ geht mir nicht mehr aus dem Kopf: Die Ozeane als Gedächtnis, das alles Versunkene behält…“ – „Na, und einen Basar als ‚Labyrinth der Fehlaromen‘ zu bezeichnen, das beschwört das Bild herauf … zumindest bei allen, die schon mal auf einem waren.“ – „War ich noch nie, kenne ich nur aus der Flimmerkiste. Aber mir gefiel in diesem Zusammenhang der Kreuzritterwellenglanz oder wie das hieß, dieser Zeitsprung, oder der Hund, dessen Bellen den Wind abschnitt.“

„Elendige Grüße von Fabian! Oder müsste es ‚elende Grüße‘ oder ‚Grüße aus dem Elend‘ heißen?“ – „Schwere Krankheit macht aus jedem Quartier ein persönliches Elendsviertel.“ – „Oder mehr.“ – „Seine Texte über das in Zigarettenlängen und Jahreszeitenzeichen gemessene Lebenszeitvergehen machen mich auch ganz elend, ehe dann der mentale Pushback? Backkick? Pushup? Pickup? Nickleback? Flashback? kommt und man sich wie Morpheus aus der Asche erhebt.“ – „Ich sehe schon, Ignoranz ist deine persönliche Form der Lebensbejahung.“ – „Jau! Aber es war ja auch nicht alles schlecht im Sinne von düster.“ – „Vor hundert Jahren? Oder im Mittelalter?“ – „Har. Har. In den eben vorgelesenen Gedichten! Er hatte ja auch maritimes, wie die gemeinsame Containerschiffskrandladungslichtreflexbeobachtung und das darauffolgende Tänzchen. Ich fände es übrigens mal cool, wenn bei einer Lesung mittendrin, wie bei einem Hotelbar-es-hat-nicht-für-den-großen-Musikstar-Durchbruch-gereicht- Musikprogramm-allein-oder-zu-Zweitunterhalter, ein oder zwei meist silbriger Bärchen mit hartem B. anfingen – das ist jetzt Konjunktiv, nicht Präteritum oder Prävalenz – zu schwofen.“ – „Ich merke dass ich geistig-rezipi..tiv…erend anfange, die beiden Autoren zu vermischen, weil Michael beide vorgelesen hat. Wusstest Du, dass sein Nachname ‚Sohn des Piotr‘, also des Felsen Petrus, bedeutet? Zusammen mit dem Vornamen doppelt heilig, fast so gut wie mein Georg Martin Florian.“ – „Ja, ja. Fabians Gedicht über das Mittelmeer, die Honigtropfen, Amulette, Feigenbaldachine und Mauersegler weckt jedenfalls Fernweh.“ – „Aber Mauersegler und Honig gibt es doch auch hier? Aua! Gewalt heißt, keine Argumente mehr zu haben! Mir gefiel halt einfach das andere besser, das mit dem Wind spielt mit Vorhang, Vorhang spielt mit Sonnenstrahlen, Sonnenstrahlen spielen mit Gesicht, Gesicht spielt mit Hypohirnhormondingens.“ (Anm. d. Just.: Jetzt reicht’s. Ich konnte mich vorhin schon bei der Nachdichtung bei Chrys Schloyer kaum zurückhalten, daher spätestens jetzt der Legal Disclaimer: Echte und imaginierte Mandanten, Dialoge und Gedanken in diesem Text geben in allerkeinster Weise die tatsächlichen realen Satzbausteine der Lyrik der tatsächlichen realen vorgelesenen Autoren wieder. Die Bananalität entstand erst im Nacherzählen. Diese Erkenntnis ist banal, aber juristisch und niveaubeurteilungstechnisch wichtig.) „Das ‚einfach sich glücklich schauen‘ hämmert jedenfalls Hammervibes raus!“ (DAS – apostrophierte - war jetzt endlich korrekt zitiert. Anm. d. Just.) – „Pause!“

„Du bist halt ein Weiterspinner. Muss oder kann oder darf oder soll es auch geben.“ – „Ja, ich sage auch immer: ‚es könnte auch der Haus-, Straßen-, Viertel-, Orts-Trottel sein, der dein Kind von der Straße pflückt, während der 18-Tonner-Betreiber selig sekundenschläft. Oder auch nicht, der muss ja nicht mal schlafen, Massenträgheit ist ja so oder so ‘ne Bitch. Aber was Deine Musik betrifft: Die uns angeborene Mustersuche läuft da oft ins Leere, und das magst Du ja, weil kopfkinoanregend, aber ich möchterte da gerne mehr Struktur und das Herausziehen oder Loopen von Passagen … aber dann bestünde die Gefahr der Hittauglichkeit und damit automatisch einhergehend mehr Aufdrängen und weniger Anregung oder Forderung des Hirns… das ist vertrackt… dancing in the bib…“

„Sabine hyperkreaktiv… Nürnberger Mittagslesungen, Philosophische Stunde, Philopoesie …“ -  „Und was ist bei PoeDU mit ‚Altersgrenze‘ gemeint? Ach so, keine nach unten…“ – „‘Kniebeuge des Windes‘ und ‚Herz. Augen. Lampe‘ klingen allein schon als Titel schwer der Poesie verdächtig.“

„Nicht zuletzt durch die Ehe mit einem Fotografen kamen die Bilder in mein Leben und meine Werke.“ – „He, in diesem Gedicht kommt sogar die Wurzelbauerstraße vor, wo wir gerade sind!“ – „‘Kondensstreifen breiten sich aus wie Verschwörungstheorien‘ … yes!“ – „Während Kondensmilch nur in der Verdampfungspraxis entsteht… aua!“ – „Sabbel ned, hör zu! Sie spricht auch gerade darüber, dass Lauschen anders als Zuhören ein beglückender Vorgang ist!“

„Man sieht bei der Gestaltung des Buches: Ich habe versucht, mittels eingeschobener Haikus und ihrem strengen 7-5-7 Jahrzehnte meiner Lyrik zu sortieren.“

„Du passt schon wieder nicht auf!“ – "Das Zahlenmuster hat mich inspiriert, ich begutachte gerade ein HaiKI … 'Six Seven rauscht durch Netze / Boeing dreht Zeit ein / Ziffern schweben ohne Grenzen' … aber ich will die konkreten Namen nicht … dann kommt es mit 'Meme trägt alte Wunden /  schweigt durch die Nacht / Zeit rinnt schwer durch leere Wege', und auch dieser Mansch berührt Saiten in mir... aber ich frage mich, ob da manche Zeilen 1:1 aus den 'Trainingsdaten' also Menschenhirnen stammen … aua!" - "Der zweite Hieb war für die Verwendung des Teufelswerkzeugs, und zwar zum Erzeugen, nicht nur Diskutieren Deiner Ideen! Das ist eine Brandmauer für Kreative!“

„Das Projekt HERZAUGENLAMPE … die Künstlerin Walli Popp hat gefragt, ob sie aus einem meiner Gedichte eine Collage machen darf. Ich habe mich selbst überrascht, indem ich ‚Ja‘ gesagt habe. Es läuft auch in die andere Richtung, ich habe auch schon Gedichte über ihre Collagen gemacht… beziehungsweise ist das ganze Buch ein Wechselspiel. (Ich habe das Gefühl, dass ich diese Collagistin mal kennenlernen muss. Anm. d. Protocollagisten) Und gestaltet hat es Achim Weinberg, manchen vielleicht ein Begriff mit seiner Lockenwickler-Kunst. Nein, er ist nicht Hairstylist. Aber er geht mit seinem Planet Rainbow – Baumaterial: eben Lockenwickler - gerade durch die Decke. Er arbeitet jetzt auch direkt mit einem Hersteller zusammen. Aber weiter im Text…“ (Lustig: ich hatte erst „Haartrockner“, also Föne, verstanden und dachte noch: Boah, das wird materialtechnisch teuer,  wenn das tausende verbaut sind … Anm. d. Prot.)

„Menno. Die starken Bilder rauschen so schnell durch… mir fehlt das langsamer Abspielen, das Wiederholen, die Untertitel… gibt es die Lesung später auf YouTube? Ich glaube, das ‚Formen warmer Arme zu einer Kette‘ hat mich angesprochen… aber auch die erwähnte Hassliebe zu Stadtplänen. Aber nanu, da kam doch schon wieder die Schönheit vor? Die Frage zieht sich wohl durch die Lesung?“ – „Das war nicht geplant, glaube ich… mir gefällt ‚Wolken planen Ausbrüche‘ sehr … oder funkt da wieder mein nerdiger Hinterkopf, mit ‚AIgenten wollen IN die Cloud ausbrechen‘?“ – „Wer weiß, vielleicht brechen sie sogar irgendwann aus dieser aus… aber wie immer viben mich ganz andere Sätze an als dich, etwa die über die unnostalgischen Kindertage-Erinnerungen… und wir ertrinken nie zweimal im gleichen Fluss, weil alles im Fluss ist.“ – „Manchmal habe ich das Gefühl, auch bei Lyrik-Lesungen sollten Türsteher ungeeignetes Publikum aussieben…“ - „‘Das wahre Haar aus Zimt‘ hätte auch in Axels türkisches Fernweh-Gedicht gepasst.“ – „Na, und die olfaktorischen Parallelen von Hundsrose und Hundehaufen! Oder das ‚für andere schmutzig schämen‘… und das Goldnagelscherchen geht an …!“ – „Die Schlussnote, den Vorfahren nachzufolgen … aber erst noch Mutmacherin sein zu wollen… Chapeau!“

„Jetzt Michael as himself! Polnish Vibes in Tandem on the Stage!” – “Ja, dem Land der Kindheit bleibt man natürlich verbunden.“ - „Er macht gern Naturbeobachtungen in der Nürnberger Stadt.“ (erstauntes Getuschel im Publikum) „Echt jetzt? Aber sicher nicht in der Innenstadt, oder?“ - „Das Bühnenbild muss geändert werden.“ – „Das wäre doch auch ein Buchtitel, oder?“

„Er übersetzt nicht nur Sprache, sondern auch Welten. Und er geht auf Brasilienweltreise.“ – „Ich schließe mich meinem Vor-Vor-Redner an: Zu viel Detailinfo an den falschen Stellen, Iwona.“ – „Ich wollte damit sagen: in seinen also deinen Texten spiegelt sich die Begeisterung für die Vielfalt der Welt.“ – „Na, das sind jetzt eine Menge Vorschusslorbeeren.“ (Applaus.) „Noch nicht! Ich bin noch nicht fertig! Geschweige denn, dass ich angefangen hätte. Lyrik ist ja kondensierte Lebenserfahrung, und im Buch ‚Agape‘ geht es um die Formen der Liebe und die Quest danach. Dazu begeben wir uns in Bamberger Cafés… ich saß dort und dachte beim Zuhören ‚na, das wird ein Erinnerungsprotokollgedicht.“ (So ähnlich wie meine Protocollagen! Anm. d. Prot.) - (Ich muss dem Justitiar recht geben: Hoffen wir mal, dass Du nie vor Gericht als Zeuge aussagen musst. Denn den letzten Satz hat er – also der Autor – nicht gesagt, sondern vorgelesen… Seite 17 im Gedichtband. Anm. d. Red.) – (Gesagt, gelesen, getan … wo ist der Unterschied. Oder um weiterzuzitieren: „Entschuldigung, Entschuldigung.“ Und was war das mit dem Verb „es krummt“? Das hat mir irgendwie gefallen… „Herr Krummbiegel biegt das gekrummte Croissant a.k.a. Krummfetthörnchen bis zum Verkrümeln auf… ja, ja, ich sehe den erhobenen Finger des Justitiars…“ Anm. d. Prot.) „Und was war das? Der mit dem ‚abwaschbaren Penner-Tattoo‘ hat verführerisch gelächelt?“ – „Dann gugg halt in dein Wischkästla, das war sicher ein Scherz mit Henna und Ei…“ – „Genau! Für die Unentschlossenen: Tattoos aus Henna sind ungelasert entfernbar. Oder man nimmt Klebefolien oder ‚semi-permanente Bio-Tattoos‘…“ – „Na, ich weiß nicht … ‘Verführerisch rubbelten sie sich gegenseitig aus der bedruckten Plaste‘ … dann lieber diese Dings, was hast du grad vorgelesen, diese semi-veganen Permafrustboden-Abdrücke? Mit der beidhändig geführten Second-Hand-Nadel eingeritzt…“ – „‘Ich ritze gern‘, das wäre – bäm! - ein Hingucker, als Schaufenster-Aufkleber für ein Tattoo-Studio…“ – „Der zweite Zyklus seiner vorgelesenen Gedichte, die Physis im Lauf der Jahrzehnte, war noch viel mehr bäm, finde ich… ‚das Leben ist zu kurz für weniger‘… bäm! ‚Ich wünschte, ich hätte meinen von meinem Ich ablenkenden Körper nicht geformt‘ … bäm! Und das Thema des Abends, Schönheit, lässt grüßen. ‚Ich sehe viele Spiegel und in jedem anders aus, und bei Selfies zeige ich nur die beste Version‘ … bäm! ‚Lustschmerz, Lebensschmerz, Schmerzensangst‘ …“ – „Ja, ja, ‚bäm‘. Ich fand das mit dem ‚liebsten Lieblings-Liebesgedicht‘ am schönsten, dass das bedichtete Paar letztes Jahr geheiratet hat! Das macht den Wert der Kultur mal ganz konkret greifbar!“ – „Du meinst das, wo die Gemeinsamkeit die Zeit verändert und Bleibendes schafft? Ja, das geht gebämt wie geritzt ins Ohr … das muss ich daheim noch mal nachlesen…“

„Ich finde auch spannend, wie jede mir bekannte Lyrikerin oder Poet nicht nur mit dem Bildhaften, sondern auch konkreten Bildwelten in Berührung kommt: Sabine mit Fotografien und Collagen, Tobias mit begehbaren Gedichten, und Michael mit seinen Gedichten über bekannte Gemälde … ich fand schön, oh, Entschuldigung, schon wieder dieses Wort, dass er uns diese sehr persönlichen Sichten als Premiere vorgelesen hat. Man fühlt sich als Publikum da gleich speziell und gewürdigt…“ – „Ich hätte da allerdings gerne so ‚Kunst für Dummies‘-mäßig die Bilder im Hintergrund projiziert gehabt, oder als Großdruck vor den Tisch gestellt. ‚Mein Täubchen! Picasso‘ hatte ich optisch nicht parat… die Dienstmagd und das Verkosten der Kostbarkeitskette schon … und was er dazu gedichtdacht hat, ‚niedere Arbeit: ich ruhe in meinem Tun. Nichts ist vergeblich‘,  hat mich sehr angesprochen. Vielleicht hänge ich das Gedicht über meinen Schreibtisch oder schreibe es in das Formular des jährlichen Mitarbeitergesprächs.“ – „Naja, solange Kunst berührt, sind die Details der Reaktionen egal, denke ich, oder, Michael?“ – „Oder was war das andere? Vanmeer? Vermeer? Van Gogh?“ – „Vielleicht Van Diesel? Van Dame? Van Soffdewall?“ – „Unschönes Dummies-Bashing! Pfui! Ich meine jedenfalls das mit dem ‚Das karge Zimmer, das mich menschlich, würdig macht‘!“ – „Das Zitat hängst Du dir auch ins Zimmer? In das notorisch vollgestellte? Mich wundert, dass Du nicht ‚mir Bart und Schmutz vom Gesicht zu ritzen‘ zitiert hast…“

„Und am Schluss hat er wrestlermäßig seinen ‚Finishing Move‘ gemacht, seinen ‚Signature Dish‘ aufgetischt, und als Dichter das Gedicht ‚Lesung eines Dichters‘ vorgelesen. Das ‚er hatte Haare, aber keine Frisur‘ wäre wohl mein Signature Dingens. Also bin ich folglich Dichter.“ – „Du bist ja nicht ganz dicht. Niemand hat die Absicht, ein Gedicht zu errichten!“ – „Bei ‚Signature‘ muss ich an Kult-Sätze wie ‚Reis, Baby‘, ‚Kunst oder weg‘ oder ‚ein Klavier (ad lib)‘ denken. Wenn du in den allgemeinen Sprachgebrauch eingehst, hast du es als Wortsinnschaffender … äh, geschafft!“

„Oh. Der Gewidmete ist verschwunden. Das ist ja eine fiese Form des Lyriker-Ghostings…“ – „Vielleicht hat ihm die Widmung zu lange gedauert. Du hast ja quasi ein komplettes neues Gedicht auf die erste Seite geschrieben…“

(Und meine Meta-Sammlung wächst auch wieder, beim Blättern in Axel Görlachs Buch finde ich die Beschreibung verschiedener Arten des Lachens, auch des „Lachens über das Lachen“ … und muss darüber lachen, aber nur kurz, um nicht in die Kategorie „für andere verstörendes da scheinbar grundloses Auflachen“ zu fallen …Anm. d. Prot.) – (Zumal dein schnaubendes Lachen oft nicht „grunzlos“ ist… so Miss-Undercover-mäßig … Anm. d. Red.)

„Die Knotenemergenz beim Abbau von Seilen oder Kabeln…“ – „Frank ist der freie Wind, aber weiß er es?“ – „Die Welt zu beschreiben: Auf einem Blatt Papier oder durch Beschriftung der Gegenstände der Welt?“ – „Na, das ist wie bei der Pseudo-Trennung Mensch und Natur: Ein Blatt Papier ist doch auch Teil der Welt…“ – „Stolper vor lauter Verabschiedung nicht über den aufgeklappten Koffer!“ – „Ja, und dann noch haltsuchend den Tisch mit dem Equipment mit umreißen. Das wäre typisch ich, so wie in Spanien, wo ich die windumgestoßene leere Plastikflasche vorm Fall auf den Boden bewahrt habe und dabei die Gläser runtergedonnert.“ – „Wobei, das mit dem Koffer: Der Künstler steigt hinein, und dann fährt da die Versenkung, ich glaube das heißt bei Theaterbühnen so, samt ihm nach unten, und dann klappt der Koffer zu…“ – „Und Affe tot. Ja, verstehe. Hat was. Aber etwas aufwändig, die nötigen Betonarbeiten hier im Kuno…“

Und nach wertschätzenden Versicherungen der Augenhöhe von Kunst, Künstlerschaft und Publikum ein Fade Out mit einem herantretenden Instrumentalkünstler, der sich – außer für Wortklänge – auch für die freie Klangkunst interessiert…

PS: Aus der Reihe „Hallo in allen Sprachen dieser Welt“, diesmal bietet sich natürlich Polnisch an (vielleicht denke ich wegen der Vans nächstes Mal an Niederländisch Anm. d. Prot.):

„Co na sercu, to na języku“ – Was im Herzen ist, ist auf der Zunge. (Naja, das gilt in Norddeutschland und Franken ja nicht so ganz unbedingt... oder zumindest nicht unmittelbar... des dauerd. Anm. d. Red.) – (Na gut. Danke, dass Du immer sofort absolut unfriesisch-unfränkisch frank und frei Kritik äußerst... dann nehmen wir halt "Wasza obecność rozjaśnia pomieszczenie / rozświetla pokój, bo jesteście jak promień słońca w pochmurny dzień" … das soll heißen "Eure Anwesenheit erhellt den Raum, denn ihr seid wie ein Sonnenstrahl an einem bewölkten Tag". Anm. d. Prot.) – (Aber da sind wir beim Thema "maschinelle Übersetzung", was beim manuellen Übersetzer Michael sicher enorm gut ankommt. Anm. d. Red.)

PSPS: Hoffen wir, dass die Proteste hierzulande friedlich – aber deutlich hör- und sichtbar! - bleiben … aber wen wundern sie, angesichts geradezu asozialer, kalter, klimaschädigender, gesellschaftszusammenhaltschädigender (ausländerfeindlichkeitsbegünstigender) Politik?



Donnerstag, 22. Oktober 2026

Jahreslesung des VS - Poesieklänge

Was kann Poesie? Unter den fünf Gegenwarts-lyriker*innen, die morgen Antworten auf diese Frage geben, sind auch Michael und Chrys von Wortwerk.

Freitag, 23. Oktober um 19 Uhr im KuNo, dem Kulturladen Nord in der Wurzelbauerstraße in Nürnberg!



Montag, 5. Oktober 2026

Warum schreibt ihr steinerne Eier

 „Wohin des Weges, Fremde?“
„Zum Salooon!“
„Und wer seid ihr?“
„Wortwerk.“
„Die Autorengruppe? Kennt ihr Stefan Winter?“
„Öh … natürlich. Eine lebende Legende!“

Oder anders angefangen: Der Alghorhythmys empfy… empfiehlt mir ja dauernd falsche Stefane als Online-… wie heißt das andere Ende von Followern? „Fellows“? „Following“? Wenn man mehrfach sich ähnelnde Buchstabenkombinationen tippt, verschwimmt das alles … „Fallout“ … „Auszubaldowernde“ … hat ja irgendwie Stalking-Vibes. Hm. Dieser andersartige Ansatz entartet gerade. Nochmal: „Mein“ Algo empfiehlt mir bei Soc.Med. dauernd Stefane, die nur genauso heißen wie die literarischen Stefane – whatamitalkingabout? Siehe dazu die Protocollagen davor –, aber nichts mit ihnen zu tun haben.

Während die kommittete Kommmitarbeiterin*) 
 … – die uns …
 …… –– die wir im künstlichen? Kunstlichten? künstler-i(s)chen Spektrum verortet sind –– ……  
 …betreut – 
den ECHTEN Stefan W. kennt, die Legende!

(Worst introduction sentence ever! I sentence you to … Anm. d. Redaktion) (Moment, noch die Fußnote: *) die mitkommt / uns zum Salooon begleitet und geleitet als Schlüssel(gewalt)figur … so, etzadla. Anm. d. Protocollavisagisten)

„Heuert die neue Cyberbehörde wirklich Science-Fiction-Autoren an, damit die auf unbekannte Angriffsvektoren kommen? Falls nicht, könnte aus diesem Missverständnis zumindest eine gute Storyline erwachsen…“ – „Werd erwachsen, höhö.“ – „Vor dem Sterben? Rentiert sich das? Und ich will nach meinem Tod in den Aschenbechern des Kitkat-Clubs verstreut werden, über den wir letztens sprachen.“ – „Ist notiert. Und wir schreiben ein Buch darüber.“ – „Oder will ich lieber eine Strip-Beerdigung?“ (Das passt auch zur „Ruhm um jeden Preis“-Diskussion weiter unten. Anm. d. Red.)

Neu dabei: Tymur! „Unser Literaturspürhund Erika wollte gleich zu Dir … ein gutes Zeichen.“

Und natürlich dabei, wenn auch nicht neu (wobei: ein bisschen schon noch irgendwie. Anm. d. gut aber dennoch gealterten Prot.) : die KI. Als Gesprächspartner, aber eher in der Retrospektive, also als Thema: „ich nutze sieihnes ja als Sparringspartner:in beim Schreiben, und dann habe ich zwischendurch was recherchiert, keine Ahnung, irgendwas Richtung ‚Unsere Galgenpalme hat Blattläuse, und das und das hat nicht gewirkt‘, und die Antwort war dann: ‚Das ist ein genialer Anfang für eine Kurzgeschichte!‘“ – „Das ist lustig, das stimmt. Und wiederum selbst eine gute Geschichte. Aber da man die unangebrachte Permalobhudelei auch abstellen kann – die ja gerne zu so fancy Symptomen wie Sycophancy, Dislexikonalität und Hybris führt –, wird es irgendwann einen Begriff für das Peinlichkeitsgefühl geben, wenn man die KI in einer Gruppe auf laut hat – oder das Ergebnis vorliest – und die Lobhudelei ist dann deutlich erkennbar für alle noch NICHT abgestellt… Fremdschämen2.0!“ – „Ja, wie bei dysdigitalen Leuten, die als Modernisierungsbegriff gerne überall ‚2.0‘ dranhängen.“

„Und Du wohnst also auf oder in einer Burg?“ – „Ja, mit Einschränkungen.“ – „Das glaube ich!“ – „Nein, damit meine ich keine Plumpsklos und Wasser aus dem Ziehbrunnen. Aber erstens sind da mehrere Wohneinheiten und zweitens ist da nichts mehr mit malerischen Burgzinnen egal ob disneylike oder authentisch. Authentisch bedeutet leider, dass alte Gemäuer früher auch oft als Steinbruch dienten. Wir wohnen also eher im Geist einer Burg, einer Ruine.“ (Das könnte eine interessante atypische Burg-Geist-Geschichte ergeben… Anm. d. Prot.)

„Frank hat in seinem Projekt ja das Problem, dass echte politische Ereignisse vielleicht seine Romanereignisse überholen werden. Mir passiert in meinem SF-Roman witzigerweise das gleiche: Nicht wegen der Raumschiffe und dem drei Meter großen Affen aus dem Genlabor, der als optimierter Kampfpilot maßgeschneidert wurde. Sondern weil er ja in dieser fernen Zukunft irgendwann ‚durch KI arbeitslos werden soll.‘ ‚Werden‘, nicht von Beginn an sein! Aber leider wird es ja höchstwahrscheinlich schon in viel näherer Zukunft so sein, dass es keine Kampfflugzeuge mehr gibt … oder menschliche Beteiligung in dieser.“ – „Mal abgesehen davon, dass Du aus rein persönlichen Motiven dem Aussterben des Sterbens menschlicher Soldaten nachtrauerst: Also musst Du so eine Art historische SF machen? Oder wie heißt das? ‚Alternative Realitäten / Entwicklungen? Alternativ-historische Retro-Was-Wäre-Wenn-SF?‘“ – „Ja, vielleicht auch so eine Art Steampunk… aber in die Richtung soll es eigentlich gar nicht gehen…“ – „Bei mir machen Protagonist:innen ja manchmal auch, was sie wollen… aber dass die komplette Projekt-Ebene sagt: ‚nö‘… das ist noch härter. Du hast mein vollstes Mitgefühl…“ – „Danke… falls das nicht oberbös‘ sarkastisch gemeint war.“

„Warum haben gerade die Italiener den albanischen Bürgerkrieg beendet?“ – „Naja, sie waren nicht nur am direktesten von Flüchtlingswellen betroffen, sie hatten da schon immer Einfluss…“ – „Du meinst, sie hielten das Land schon immer wieder mal gerne besetzt.“ – „Ja, so ungefähr.“ – „Sweet home albania… dann hast Du also dort gelebt und auch die Sprache gelernt, und zwar besser als Deine Protagonistin?“ – „Ja, mit der KI. Präsenzkurse waren keine zu finden. Und das zweite empfehlenswerte ‚KI‘ zum Lernen von Sprachen sind KInderbücher…“ 

„Ich schreibe alle Genres bis auf Romance.“ – „Angesichts der breiten Zustimmung in der Runde: Brauchen wir also eine anonyme Untergruppe für Romance-Autor:innen? Nicht dass man uns mangelnde Neutralität vorwirft…“

„Ich bin von exzessivem Kampfsport zu exzessivem Lesen und Slammen übergegangen.“ – „Ja, auch eine Art Kampfsport, letzteres…“ – „Und ich habe Gedichte als eine Art Gefühlsprotokolle geschrieben, auch zur Verarbeitung traumatischer Kriegserlebnisse. Alles andere als auf Formen achtend, das ist mehr ein Steinbruch…“ – „Das muss nicht schlecht sein! Ich selbst setze auch gerne einen Schwerpunkt auf den Klang…“ (Insert Kurzaufflammen Diskussion „Atypische Zeilenumbrüche bereichern Lyrik nahezu automatisch“ Here… Anm. d. Prot.)(Du Member der Atypisch Unanonymen Denglisch Lovers, Du… Anm. d. Red.) – „Witzigerweise gibt es so literarische Übungen, die man machen kann, und das führte in meinem Fall zu den stärksten Texten … Eins war im urbanen Umfeld, am Anfang: Ich, rausschauend aus dem Auto. Am Ende die Stadtperspektive: Sieht das Ich im Auto nicht mehr.“ – „Wow. Very much Zen-Vibes. Das buddhistische Konzept der Auflösung des Ichs mal schnell in eine literarische Fingerübung gepackt. Wir wollen dich nicht drängen, aber nächstes Mal traust du dich vielleicht, vorzulesen!“ – „Der arme Sammy aus meinem Roman hat nicht mal einen Ich-Erzähler, der wird in der Du-Perspektive erzählt.“

„Substack ist Bloggen mit Community. Man erreicht da schon mehr Publikum. Und patreon-mäßig kann man auch Spendenbuttons einbauen.“ – „Oder dieses … wie heißen diese digitalen Dinger, wo man quasi einen einmaligen Link auf ein Kunstwerk kauft? Irgendwas mit Pilzen … genau: NFTs?“ – „Auch nur eine Art Schneeballsystem, aber jeder nach seiner Façon…“

„Keiner versteht mich und meine Krypto-Lyrik.“ – „Am besten einfach irgendwo verwahren, bis der Kurs hochgeht.“ – „Nein, ‚Krypto‘ im Sinne von unverständlich, unerklärt, nicht im Sinne von Blockchain… ach so. Harhar.“ – „Warum nicht beides kombinieren? Siehe die ebengenannten NFTs.“ – „Ja, wie der eine Typ aus Ghana, mit seinen Kürbisbildern.“ – „Also schnappen wir uns einfach ein anderes Obst und machen das nach?“ – „Ist das nicht ein Gemüse?“ – „Kulinarisch oft ja, aber botanisch nicht.“ – „Du Nerd.“ – „Oder Pilze! Die sind ja übrigens weder Fauna noch Flora.“ – „Ich wiederhole: Du Nerd. Setz lieber schon mal das Krypto-Wallet auf.“ – „Und dann heißt es: es ist angerichtet, das Gericht, das Gedicht, das Malheur.“ – „Das wäre auch ein guter Gruppenname gewesen.“ – „Und das Logo eine umgefärbte verschimmelpilzte Birne vor dem Geist einer zinnenlosen Burgruine.“

Nach dieser das-war-in-etwa-eine-Vorstellungsrunde sorgt Tymurs ja eigentlich simple Frage nach dem Warum in Form von „Warum schreibt ihr?“ für die Fortsetzung von Diskussionen und Einblicken, bevor wir überhaupt zum Vorlesen von Texten kommen: „Bei uns in der Familie war das Schreiben irgendwie immer präsent… zum Beispiel auch gemeinsam verfasste Fortsetzungsgeschichten in Adventskalendern. Und als da nach dem Vorlesen einmal beeindruckte Stille herrschte, dachte ich mir als Elfjährige: ‚Jo. Diese Art von Einfluss will ich gerne weiter haben, von der mentalen Flucht aus dem drögen Schulalltag mal ganz zu schweigen.‘ Später – nach einigen gewonnenen Wettbewerben – kam dann noch dazu, dass Schriftstellerin ein hervorragendes Alibi dafür ist, seltsam zu sein. Und mittlerweile brauche ich diese Alibifunktion nicht mehr, ich bin gesetzt genug, also emotional unabhängig genug von den Reaktionen meines Umfelds, aber der Roman ist noch da. Also mache ich ihn weiter.“

„Oh wow. Bei mir war es die Geheimidentität, die Bereicherung des Selbstwertgefühls. Naja, dann Schülerzeitung, Lehramtsstudium, Roman, zur Lyrikwurst…“ (vielleicht solltest Du Deine Mitschriften – die übrigens partiell eine Rückentwicklung zu einer Kombination aus Keilschrift und Hieroglyphen sind, und das ist eine definitive Beleidigung für diese beiden –künftig vorher noch mal mit den Erinnerungen über Gesagtes der Sprechenden abgleichen? Anm. d. Red.) (Hahaaa! Selber verschwurbelte Formulierungen! Anm. d. Prot.)

„Ich bin atypisch feministisch – aber da gibt es ja auch viele Spielarten.“

„Erika knurrschelt schon wieder. Dabei hatte sie heute schon so viele Streicheleinheiten, dass ihr Fell langsam wie das eines Lieblingsteddys abgewetzt sein müsste.“

Nun denn: Ab nach Albanien, zum Ausbruch des Lotterieaufstandes! „Bei der Lesung in Erlangen hatten wir ja den Berg aus Mänteln, der ein gemütliches Kinderlager ist. Der Berg aus Decken bei Dir erzeugte wiederum ein negatives Gefühl, da er die Protagonistin beengt…“ – „Krass, dieses hautnahe Miterleben des Bürgerkrieges, und wie soziale Mechanismen angesichts extremer Situationen hohldrehen: Tee, Sofa, Maschinengewehr-Feuer vor den Fenstern… und die Gastgeberin servierte dazu Appetithäppchen: ‚Das ist nur Protest.‘ Und dann laufen sie wie Lemminge zum Feuer.“ – „Ich bin kein Biologe, aber das machen sie glaube ich nicht.“ – „Die Stelle ‚sie schossen in den Himmel, als würden sie den Diktator posthum dort vermuten‘ ist spitze!“ – „Aber vor allem, dass die Protagonistin sich nicht vorrangig durch die Sprachbarriere ausgeschlossen fühlt, sondern durch die fehlenden Vorkenntnisse über die vorausgegangenen Ereignisse, die zu dieser Entladung von Gewalt geführt haben.“

„Als Expats längere Zeit im Ausland leben: wenn man das ohne Geld, ohne feste Ideen macht, ist man automatisch offen für das jeweilige Land, und bildet nicht einfach eine Diaspora-Gesellschaft die sich nicht wirklich auf das Land einlässt.“

„Interessant, dieses beabsichtigte Durcheinander von Erlebten und von Rückblicken…“ – „Wirkt wie Katastrophentourismus.“ – „Und egal wo die Besatzung oder Besetzung des Buchs gerade herumläuft, dauernd sehen sie das Meer ohne H und den Kiesstrand, das stört mich… und gibt es da ein anderes Wort für Kiesel?“ – „Also die Suchmaschine schlägt Baumarkt-Angebote für Grobkies vor… oder Schotter und Wacker...“ – „und wenn man dann in den KI-Modus geht und nach literarischem Bezug fragt, kommt ‚Felsgeschmeide‘ oder ‚Monsterkiesel‘ oder ‚steinerne Eier‘…“ – „Tja, die KI ist halt überwiegend toxisch männlich angefüttert.“

„An dieser einen Stelle hast Du mich misstrauisch gemacht, als Du beim Vorlesen gelacht hast.“ – „Ich sag’s ja: das macht sie immer, wenn ihre Protagonist:innen in Schwierigkeiten geraten.“ – „Die allwissende, aber sadistische Erzählerin.“ – „Vielleicht liegt es daran, dass meine Protagonistin die Heldenreise oder halt die Weiterentwicklung verweigert hat…“ - „Was ich nicht verstehe: Kann man eine Lauchstange wirklich mit einem Schnellfeuergewehr verwechseln?“ – „Einem verbogenen und getarnten vielleicht…“

Daraufhin von den – don’t try this at home! – Schneeball- und Pyramidensystemen Albaniens weiter zum Nürnberger/Langwasserer/Paulanischen Pyramidensystem in ferner Zukunft! „Wie erklärt man ein plottwistiges, tiefenverschachteltes Projekt in wenigen Sätzen…“ – „Tja, Chrys, das ist eine gute Übung, der Elevator Pitch muss strandkieselglattgeschliffen und sofort verfügbar sein, wenn man auf der Straße angesprochen oder nachts geweckt und zum Radiointerview geschleift wird…“ – „Und dann muss man auch aus Sicht des Literaturbetriebs argumentieren…“ – „Ah, das muss dann dieser berühmte ‚Advocatus Diaboli‘ sein…“

„Bevor Sie anfangen: Ist das ein E-Reader?“ – „Ein E-Writer … oder E-Raser. Und obwohl es sozial akzeptiert wäre, bin ich Ihnen nicht böse, dass Sie dauernd wieder das gegenseitig angebotene und angenommene ‚Du‘ zurücknehmen, Du Schlingel Du.“ – „In welchem Roman war das, wo sie eigentlich erst beim Sex zum ‚Du‘ übergehen?“

„Moment, habe ich das richtig verstanden: Das Motto könnte also ‚Toxy Desoxy Hornoxy‘ lauten: toxisch männliche Kleinganoven in sauerstoff-unterversorgten Regionen, von denen einer die Protagonistin also sich selbst vergiften will, wie sie wahnwitzigerweise glaubt – logisch: hier natürlich Grüße an Kurt Gödel! – … und gleichzeitig lehnt sie die gesellschaftlich gelehrte Verschwörungstheorie, nämlich dass es Aliens gibt die eine Art Airbnb auf Planetenbasis mit uns veranstalten wollen, drastisch ab, quasi ‚Klar! Deine Mudda!‘-mäßig.“ – „Ja, viel mehr muss man als Backgroundinfo zur Handlung nicht wissen, bevor ich anfange zu lesen. Ach halt: der Kampf am Anfang ist noch erwähnenswert.“ 

„Brueche Luee, der Blick der Wahrheit, das Misstrauen von Danaern gegenüber Geschenken wie etwa Steckenpferden und glutheißer Rache. Und wahrlich sprach sie: ich traue dir Torfnase auch nicht! So. Basta! Und fernerhin begab es sich, dass die Bekloppte mit dem behämmerten Mörderhammer den Krabbelgeräuschen des Bots ein Ende bereitete, den Vorschlag zur Güte, den Vorschlaghammer wegzulegen, brüsk zurückweisend. Aber vor allem schallt es ultra, wenn Gedanken überschallschnell körperlos karrusseln… ach ja, ein breites Kreuz, da ist mehr Platz für die Probleme der Welt, lieber Atlas. Die Wahnvorstellung des Schauspielers und die Unwilligkeit der Leserschaft.“ (Anm. d. imag. Justititiars: Keiner dieser Sätze in direkter Rede hat tatsächliche Ähnlichkeiten oder gar Übereinstimmungen mit dem Gesagten echter Autorenpersönlichkeiten) (Moooment. Aber Anwesende werden einzelne Fragmente wiedererkennern! Anm. d. Prot.)

„Sind wir schon beim Feedback? Also: Die Gedankengänge der Protagonistin sind atypisch distanziert, geradezu irrational für eine bedrohliche Lage. Ein körperloses Gedankenkarussell mit willfährig willkürlichen Bildern, die einen als Zuhörer zurückreißen und permanent, in Wellen, die Erwartungen brechen. Deswegen musste ich der Erzählung, dem Erzählstrang weiter folgen.“ – „Puh. Bevor Du den letzten Satz gesagt hast, hatte ich noch gedacht, Du formulierst eine Kritik. Aber dann ist das wohl Lob?“ – „Erika schnarcht, aber das ist jetzt auch keine Kritik. Sie ist nur müde.“ – „Genau! Ich bin auch voll neugierig! Dysto-SF ist ja eigentlich so gar nicht mein Genre, aber da will ich jetzt wissen, wie es weitergeht!“ - „Cool auch das Setting einer Art historischen SF… mit Gameboy als letzten Schrei vor der Dystopie…“ – „So ähnlich also wie bei meinem SF-Projekt, aber aus anderen Gründen.“ – „Mittelalter (p)easy back to the future SF.“ – „Was?“ – „Ich glaube ich bin auch müde…“

„Und ich hab wieder was für meine Metaebenen-Sammlung: ‘abgedroschene Phrasen ist selbst eine so abgedroschene Formulierung‘… aber ich wollte noch sagen, dass mir beim Mitlesen der alten Version eine deutliche Verbesserung auffällt.“ – „Und die Vermarktung… tja… ist halt kein Ekel-Darkroom äh -DarkRom, wo einem im Nachgang bewusst wird, dass man das Gefühl der Überforderung verwechselt hat mit Literatur oder Spannung…“ – „Oje. So jung und schon so desillusioniert…“ – „Je weniger Lesende, desto mehr Literatur für jeden“ (Du meinst, „desto mehr ist es Literatur“… Deine Mitschrift wird wieder zunehmend unzuverlässig gegen Ende… zum Glück a) ist Deine Leserschaft das von Dir gewohnt und b) hält sie das für ein gezieltes Stilmittel Deinerseits. Anm. d. Red.)(Ach wie gut dass niemand weiß, dass ich mir runzlig Stil verbeiß! Anm. d. Prot.)(wo waren wir? Ach ja:) „Je weniger Lesende, desto mehr ist es Literatur.“ – „Naja, dieses ganze E-Lit, U-Lit, E-Music, U-Music, U2-Music … und Serien sind der neue Roman.“ – „Iwo. Sie waren eine Zeitlang das Komplexe, Anspruchsvolle, besser auserzählt als 90-Minüter oder selbst 120-Minüter-Filme… aber mittlerweile herrscht da auch Mutlosigkeit… und auch den Verlagen fehlen die Kuratorsteher…“ – „Trauerst Du etwa der alten Zeit nach?“ – „Teilweise schon. Heute ist es nur noch Marketing mit totgerittenen Pferden…“ – „Todesrittpferdehalter verdienen den Untergang, jawohl!“ – „Äh … ja. Wobei Du das passend zum Thema sehr düster und dark formuliert hast … aber es ist ja wirklich traurig für uns Schreibende, dass alle nur noch DarkRom lesen.“ – „Es gibt ja auch nur noch DarkRom, also kann man nur noch das lesen!“ – „Man kann aber auch alte Bücher lesen! Tymur hat sich ja auch intensiv mit Goethe und Schiller beschäftigt, und so weit muss man gar nicht zurückgehen… die KI sagt dass es Dark Romance erst seit den frühen Nuller-Jahren (Double Oh Seven? Anm. d. Prot.) dieses Jahrhunderts gibt…“ – „Aber dann lies auch weiter: Schwarze Romantik a.k.a. Schauerromantik ist eine Strömung vom Ende des 18. Jahrhunderts. Und nu?“ – „Jedenfalls ist das Autorendasein brotlos, lieber Tymur. Außer Du kennst Dich als Mathematiker und Physiker mit NFTs aus oder hast als jugendlicher Influencer oder BookToker schon Zehn hoch X Follower.“ – „BookToker sind die neuen Buchmacher, höhö… früher waren das die mit den Pferden…“

„Oder sich medienwirksam nackt auf den Reichstag legen.“ – „Mache ich nicht. Würde ich ja, wenn ich glauben würde, dass es etwas bringt.“ – „Ach Leute, was sind das für Bad Vibes. Aber stimmt schon, als Autor:in kannst Du noch versuchen, Dich an Stipendien entlangzuhangeln, aber da musst Du schon erste Erfolge vorweisen…“ – „Und dann ist Band 3 nicht erfolgreich und zack! Bist Du weg vom Ruhmesfenster.“ – „Ich sag ja, voll die Dark Vibes… darf man angesichts Adolfs Vorlieben noch unverdüsterten Geistes Wagner hören? Gibt es U-/E-Sprache… und auch Beethoven und Goethe waren mal rebellisch, wild und neu… oder denk an die Stones…“

(Die Diskussion ging dann über zum Bauen neuer Welten versus dem Spiegeln der Gesellschaft Anm. d. Prot.) „Ich empfände es NICHT als Kritik, dass ich der Gesellschaft den Spiegel vorhalte.“ – „Naja, dann ist man schnell in der Schublade ‚Zeitgeist‘/‘Trend‘…“ – „Deine Kritik ist also mein Lob und umgekehrt.“ – „Spiegeln bedeutet nicht auseinandersetzen! Und Spiegeln ist nicht individuell!“ – „Doch, wohl! Gerade eben!“ – „Na gut, dann sei du ein individueller Spiegel, und ich vermeide ein allgemeinplatziger Spiegel zu sein.“ – „Ich nehme euch gerade eher als patzige Spiegel wahr. He, keine schlafenden Kampfkuschelhunde wecken!“ – „Apropos Diskurs: In Etzelwang müsste man mal Deinen queeren Roman vorlesen. Das wäre dann monatelang das Gesprächsthema in der Krabbelgruppe. Oder Kirchengemeinde. Oder Landfrauengruppe.“ – „Genau! Na los! Trau Dich!“

„Und wieder werden wir rausgeworfen. Wenn er uns einsperrt, gehen wir halt durchs Fenster raus. Ach halt: Mir ist gar nicht aufgefallen, dass der Raum hier vergittert ist. Das wäre jemand mit Justizvollzugsanstaltserfahrung(sfeld der Sinne) wohl NICHT passiert.“ 

„Hat Dein Heavy-Metal-Riff als Klingelton mit emotionaler Einstellung gegenüber anrufenden Familienmitgliedern zu tun?“ – „Nein, das ist mein genereller Klingelton. In einem Haushalt mit Kindern und Hund musste es der lauteste und durchdringendste sein.“

Und wie quasi schon immer zum Schluss der Seinbruch (sollte „Steinbruch“ heißen, klingt aber auch voll lyrysch und fylosophysch. Anm. d. Prot.) des Uneinsortierten:

 - „In der geschlossenen. Gesellschaft.“
 - „Der Friseur, der nicht aus seiner Haut kann und mir Flaneur durch die Schaufensterscheibe hindurch einen abschätzenden Blick auf den Strubbelkopf wirft.“
 - „Um Gottes WLAN!“
 - „Den Klimakollaps wahrzunehmen ist kein Privileg, glaub mir.“  
 - „Das Beantworten ungestellter Fragen, der Themennachlauf und der hörbare Mensch.“

Und wie immer ganz zum Schluss die eigentliche Begrüßung-vermischt-mit-typischen-Redewendungen, angesichts Tymurs erstem Besuch in der Gruppe bietet sich natürlich ukrainisch an: 

"Не мій цирк, не мої мавпи" – (Dein Romanprojekt ist) nicht mein Zirkus, nicht meine Affen... sprich: nicht mein Problem. Sprich: Fertigstellen musst Du ihn selber.

Denn: Під лежачий камінь вода не тече – unter einem liegenden Stein(ernen Ei) fließt kein Wasser ... sprich: komm aus dem Quark, in den Fluss! Aber: in dieser Runde helfen wir natürlich immer gerne dabei!

(Die Formulierung mit dem Fluss und den Steinen in einer Runde von Schriftsteller:innen besprechen wir - angesichts Virginias Todesart - gelegentlich noch mal. Anm. d. Red.)

Und die Aspekte Übertreibung, Selbstironie und Bildhaftigkeit sind im ukrainischen Humor ja reich gesät:

„Я аж розквітнув(ла), як кімнатна пальма. Зуб даю.“ – "Ich bin richtig aufgeblüht, wie eine Zimmerpalme. Doch, echt: Ich gebe meinen Zahn, sprich: ischwör!"

„Я так зрадів(ла), що аж злякав(ла) себе.“ – Ich hab mich so gefreut, dass ich mich selbst erschreckt habe.

„Ну все, тепер я офіційно щасливий(а).“ – So, jetzt bin ich offiziell glücklich.

Hausaufgabe: Eine Kurzgeschichte oder ein Gedicht, wo einer der Sätze vorkommt!

Und selbst aus der lyrischen "Alltagssprache" ergibt sich quasi automatisch ein Gedicht (natürlich mit zusätzlichen Zeilenumbrüchen versehen Anm. d. Prot.):

Ваш візит
 залишив тепло
у моїй душі. Моє серце 
таке легке 
 після 
ваших слів. Ваша присутність як 
 промінчик сонця 

Euer Besuch
 hat Wärme
in meiner Seele hinterlassen. Mein Herz
fühlt sich so 
 leicht nach
euren Worten. Eure Anwesenheit ist 
 wie ein Sonnenstrahl.

Dem gibt es nichts hinzuzufügen, außer natürlich der Forderung nach konsequenter Bekämpfung des Demokratieschwundes und des Klimakollapses, letzteres z.B. durch konsequentes und sonderfinanziertes Vorantreiben der Energiewende mittels Netzausbau, Bau von Energiespeichern und die Entlassung fossilschwafeldampfender Politiker:innen! Wir sind bei zwei Drittel Anteil von Erneuerbaren und die Lobbtussy baut Gaskraftwerke!

Liebe Grüße Jogi