Montag, 5. Oktober 2026

Warum schreibt ihr steinerne Eier

 „Wohin des Weges, Fremde?“
„Zum Salooon!“
„Und wer seid ihr?“
„Wortwerk.“
„Die Autorengruppe? Kennt ihr Stefan Winter?“
„Öh … natürlich. Eine lebende Legende!“

Oder anders angefangen: Der Alghorhythmys empfy… empfiehlt mir ja dauernd falsche Stefane als Online-… wie heißt das andere Ende von Followern? „Fellows“? „Following“? Wenn man mehrfach sich ähnelnde Buchstabenkombinationen tippt, verschwimmt das alles … „Fallout“ … „Auszubaldowernde“ … hat ja irgendwie Stalking-Vibes. Hm. Dieser andersartige Ansatz entartet gerade. Nochmal: „Mein“ Algo empfiehlt mir bei Soc.Med. dauernd Stefane, die nur genauso heißen wie die literarischen Stefane – whatamitalkingabout? Siehe dazu die Protocollagen davor –, aber nichts mit ihnen zu tun haben.

Während die kommittete Kommmitarbeiterin*) 
 … – die uns …
 …… –– die wir im künstlichen? Kunstlichten? künstler-i(s)chen Spektrum verortet sind –– ……  
 …betreut – 
den ECHTEN Stefan W. kennt, die Legende!

(Worst introduction sentence ever! I sentence you to … Anm. d. Redaktion) (Moment, noch die Fußnote: *) die mitkommt / uns zum Salooon begleitet und geleitet als Schlüssel(gewalt)figur … so, etzadla. Anm. d. Protocollavisagisten)

„Heuert die neue Cyberbehörde wirklich Science-Fiction-Autoren an, damit die auf unbekannte Angriffsvektoren kommen? Falls nicht, könnte aus diesem Missverständnis zumindest eine gute Storyline erwachsen…“ – „Werd erwachsen, höhö.“ – „Vor dem Sterben? Rentiert sich das? Und ich will nach meinem Tod in den Aschenbechern des Kitkat-Clubs verstreut werden, über den wir letztens sprachen.“ – „Ist notiert. Und wir schreiben ein Buch darüber.“ – „Oder will ich lieber eine Strip-Beerdigung?“ (Das passt auch zur „Ruhm um jeden Preis“-Diskussion weiter unten. Anm. d. Red.)

Neu dabei: Tymur! „Unser Literaturspürhund Erika wollte gleich zu Dir … ein gutes Zeichen.“

Und natürlich dabei, wenn auch nicht neu (wobei: ein bisschen schon noch irgendwie. Anm. d. gut aber dennoch gealterten Prot.) : die KI. Als Gesprächspartner, aber eher in der Retrospektive, also als Thema: „ich nutze sieihnes ja als Sparringspartner:in beim Schreiben, und dann habe ich zwischendurch was recherchiert, keine Ahnung, irgendwas Richtung ‚Unsere Galgenpalme hat Blattläuse, und das und das hat nicht gewirkt‘, und die Antwort war dann: ‚Das ist ein genialer Anfang für eine Kurzgeschichte!‘“ – „Das ist lustig, das stimmt. Und wiederum selbst eine gute Geschichte. Aber da man die unangebrachte Permalobhudelei auch abstellen kann – die ja gerne zu so fancy Symptomen wie Sycophancy, Dislexikonalität und Hybris führt –, wird es irgendwann einen Begriff für das Peinlichkeitsgefühl geben, wenn man die KI in einer Gruppe auf laut hat – oder das Ergebnis vorliest – und die Lobhudelei ist dann deutlich erkennbar für alle noch NICHT abgestellt… Fremdschämen2.0!“ – „Ja, wie bei dysdigitalen Leuten, die als Modernisierungsbegriff gerne überall ‚2.0‘ dranhängen.“

„Und Du wohnst also auf oder in einer Burg?“ – „Ja, mit Einschränkungen.“ – „Das glaube ich!“ – „Nein, damit meine ich keine Plumpsklos und Wasser aus dem Ziehbrunnen. Aber erstens sind da mehrere Wohneinheiten und zweitens ist da nichts mehr mit malerischen Burgzinnen egal ob disneylike oder authentisch. Authentisch bedeutet leider, dass alte Gemäuer früher auch oft als Steinbruch dienten. Wir wohnen also eher im Geist einer Burg, einer Ruine.“ (Das könnte eine interessante atypische Burg-Geist-Geschichte ergeben… Anm. d. Prot.)

„Frank hat in seinem Projekt ja das Problem, dass echte politische Ereignisse vielleicht seine Romanereignisse überholen werden. Mir passiert in meinem SF-Roman witzigerweise das gleiche: Nicht wegen der Raumschiffe und dem drei Meter großen Affen aus dem Genlabor, der als optimierter Kampfpilot maßgeschneidert wurde. Sondern weil er ja in dieser fernen Zukunft irgendwann ‚durch KI arbeitslos werden soll.‘ ‚Werden‘, nicht von Beginn an sein! Aber leider wird es ja höchstwahrscheinlich schon in viel näherer Zukunft so sein, dass es keine Kampfflugzeuge mehr gibt … oder menschliche Beteiligung in dieser.“ – „Mal abgesehen davon, dass Du aus rein persönlichen Motiven dem Aussterben des Sterbens menschlicher Soldaten nachtrauerst: Also musst Du so eine Art historische SF machen? Oder wie heißt das? ‚Alternative Realitäten / Entwicklungen? Alternativ-historische Retro-Was-Wäre-Wenn-SF?‘“ – „Ja, vielleicht auch so eine Art Steampunk… aber in die Richtung soll es eigentlich gar nicht gehen…“ – „Bei mir machen Protagonist:innen ja manchmal auch, was sie wollen… aber dass die komplette Projekt-Ebene sagt: ‚nö‘… das ist noch härter. Du hast mein vollstes Mitgefühl…“ – „Danke… falls das nicht oberbös‘ sarkastisch gemeint war.“

„Warum haben gerade die Italiener den albanischen Bürgerkrieg beendet?“ – „Naja, sie waren nicht nur am direktesten von Flüchtlingswellen betroffen, sie hatten da schon immer Einfluss…“ – „Du meinst, sie hielten das Land schon immer wieder mal gerne besetzt.“ – „Ja, so ungefähr.“ – „Sweet home albania… dann hast Du also dort gelebt und auch die Sprache gelernt, und zwar besser als Deine Protagonistin?“ – „Ja, mit der KI. Präsenzkurse waren keine zu finden. Und das zweite empfehlenswerte ‚KI‘ zum Lernen von Sprachen sind KInderbücher…“ 

„Ich schreibe alle Genres bis auf Romance.“ – „Angesichts der breiten Zustimmung in der Runde: Brauchen wir also eine anonyme Untergruppe für Romance-Autor:innen? Nicht dass man uns mangelnde Neutralität vorwirft…“

„Ich bin von exzessivem Kampfsport zu exzessivem Lesen und Slammen übergegangen.“ – „Ja, auch eine Art Kampfsport, letzteres…“ – „Und ich habe Gedichte als eine Art Gefühlsprotokolle geschrieben, auch zur Verarbeitung traumatischer Kriegserlebnisse. Alles andere als auf Formen achtend, das ist mehr ein Steinbruch…“ – „Das muss nicht schlecht sein! Ich selbst setze auch gerne einen Schwerpunkt auf den Klang…“ (Insert Kurzaufflammen Diskussion „Atypische Zeilenumbrüche bereichern Lyrik nahezu automatisch“ Here… Anm. d. Prot.)(Du Member der Atypisch Unanonymen Denglisch Lovers, Du… Anm. d. Red.) – „Witzigerweise gibt es so literarische Übungen, die man machen kann, und das führte in meinem Fall zu den stärksten Texten … Eins war im urbanen Umfeld, am Anfang: Ich, rausschauend aus dem Auto. Am Ende die Stadtperspektive: Sieht das Ich im Auto nicht mehr.“ – „Wow. Very much Zen-Vibes. Das buddhistische Konzept der Auflösung des Ichs mal schnell in eine literarische Fingerübung gepackt. Wir wollen dich nicht drängen, aber nächstes Mal traust du dich vielleicht, vorzulesen!“ – „Der arme Sammy aus meinem Roman hat nicht mal einen Ich-Erzähler, der wird in der Du-Perspektive erzählt.“

„Substack ist Bloggen mit Community. Man erreicht da schon mehr Publikum. Und patreon-mäßig kann man auch Spendenbuttons einbauen.“ – „Oder dieses … wie heißen diese digitalen Dinger, wo man quasi einen einmaligen Link auf ein Kunstwerk kauft? Irgendwas mit Pilzen … genau: NFTs?“ – „Auch nur eine Art Schneeballsystem, aber jeder nach seiner Façon…“

„Keiner versteht mich und meine Krypto-Lyrik.“ – „Am besten einfach irgendwo verwahren, bis der Kurs hochgeht.“ – „Nein, ‚Krypto‘ im Sinne von unverständlich, unerklärt, nicht im Sinne von Blockchain… ach so. Harhar.“ – „Warum nicht beides kombinieren? Siehe die ebengenannten NFTs.“ – „Ja, wie der eine Typ aus Ghana, mit seinen Kürbisbildern.“ – „Also schnappen wir uns einfach ein anderes Obst und machen das nach?“ – „Ist das nicht ein Gemüse?“ – „Kulinarisch oft ja, aber botanisch nicht.“ – „Du Nerd.“ – „Oder Pilze! Die sind ja übrigens weder Fauna noch Flora.“ – „Ich wiederhole: Du Nerd. Setz lieber schon mal das Krypto-Wallet auf.“ – „Und dann heißt es: es ist angerichtet, das Gericht, das Gedicht, das Malheur.“ – „Das wäre auch ein guter Gruppenname gewesen.“ – „Und das Logo eine umgefärbte verschimmelpilzte Birne vor dem Geist einer zinnenlosen Burgruine.“

Nach dieser das-war-in-etwa-eine-Vorstellungsrunde sorgt Tymurs ja eigentlich simple Frage nach dem Warum in Form von „Warum schreibt ihr?“ für die Fortsetzung von Diskussionen und Einblicken, bevor wir überhaupt zum Vorlesen von Texten kommen: „Bei uns in der Familie war das Schreiben irgendwie immer präsent… zum Beispiel auch gemeinsam verfasste Fortsetzungsgeschichten in Adventskalendern. Und als da nach dem Vorlesen einmal beeindruckte Stille herrschte, dachte ich mir als Elfjährige: ‚Jo. Diese Art von Einfluss will ich gerne weiter haben, von der mentalen Flucht aus dem drögen Schulalltag mal ganz zu schweigen.‘ Später – nach einigen gewonnenen Wettbewerben – kam dann noch dazu, dass Schriftstellerin ein hervorragendes Alibi dafür ist, seltsam zu sein. Und mittlerweile brauche ich diese Alibifunktion nicht mehr, ich bin gesetzt genug, also emotional unabhängig genug von den Reaktionen meines Umfelds, aber der Roman ist noch da. Also mache ich ihn weiter.“

„Oh wow. Bei mir war es die Geheimidentität, die Bereicherung des Selbstwertgefühls. Naja, dann Schülerzeitung, Lehramtsstudium, Roman, zur Lyrikwurst…“ (vielleicht solltest Du Deine Mitschriften – die übrigens partiell eine Rückentwicklung zu einer Kombination aus Keilschrift und Hieroglyphen sind, und das ist eine definitive Beleidigung für diese beiden –künftig vorher noch mal mit den Erinnerungen über Gesagtes der Sprechenden abgleichen? Anm. d. Red.) (Hahaaa! Selber verschwurbelte Formulierungen! Anm. d. Prot.)

„Ich bin atypisch feministisch – aber da gibt es ja auch viele Spielarten.“

„Erika knurrschelt schon wieder. Dabei hatte sie heute schon so viele Streicheleinheiten, dass ihr Fell langsam wie das eines Lieblingsteddys abgewetzt sein müsste.“

Nun denn: Ab nach Albanien, zum Ausbruch des Lotterieaufstandes! „Bei der Lesung in Erlangen hatten wir ja den Berg aus Mänteln, der ein gemütliches Kinderlager ist. Der Berg aus Decken bei Dir erzeugte wiederum ein negatives Gefühl, da er die Protagonistin beengt…“ – „Krass, dieses hautnahe Miterleben des Bürgerkrieges, und wie soziale Mechanismen angesichts extremer Situationen hohldrehen: Tee, Sofa, Maschinengewehr-Feuer vor den Fenstern… und die Gastgeberin servierte dazu Appetithäppchen: ‚Das ist nur Protest.‘ Und dann laufen sie wie Lemminge zum Feuer.“ – „Ich bin kein Biologe, aber das machen sie glaube ich nicht.“ – „Die Stelle ‚sie schossen in den Himmel, als würden sie den Diktator posthum dort vermuten‘ ist spitze!“ – „Aber vor allem, dass die Protagonistin sich nicht vorrangig durch die Sprachbarriere ausgeschlossen fühlt, sondern durch die fehlenden Vorkenntnisse über die vorausgegangenen Ereignisse, die zu dieser Entladung von Gewalt geführt haben.“

„Als Expats längere Zeit im Ausland leben: wenn man das ohne Geld, ohne feste Ideen macht, ist man automatisch offen für das jeweilige Land, und bildet nicht einfach eine Diaspora-Gesellschaft die sich nicht wirklich auf das Land einlässt.“

„Interessant, dieses beabsichtigte Durcheinander von Erlebten und von Rückblicken…“ – „Wirkt wie Katastrophentourismus.“ – „Und egal wo die Besatzung oder Besetzung des Buchs gerade herumläuft, dauernd sehen sie das Meer ohne H und den Kiesstrand, das stört mich… und gibt es da ein anderes Wort für Kiesel?“ – „Also die Suchmaschine schlägt Baumarkt-Angebote für Grobkies vor… oder Schotter und Wacker...“ – „und wenn man dann in den KI-Modus geht und nach literarischem Bezug fragt, kommt ‚Felsgeschmeide‘ oder ‚Monsterkiesel‘ oder ‚steinerne Eier‘…“ – „Tja, die KI ist halt überwiegend toxisch männlich angefüttert.“

„An dieser einen Stelle hast Du mich misstrauisch gemacht, als Du beim Vorlesen gelacht hast.“ – „Ich sag’s ja: das macht sie immer, wenn ihre Protagonist:innen in Schwierigkeiten geraten.“ – „Die allwissende, aber sadistische Erzählerin.“ – „Vielleicht liegt es daran, dass meine Protagonistin die Heldenreise oder halt die Weiterentwicklung verweigert hat…“ - „Was ich nicht verstehe: Kann man eine Lauchstange wirklich mit einem Schnellfeuergewehr verwechseln?“ – „Einem verbogenen und getarnten vielleicht…“

Daraufhin von den – don’t try this at home! – Schneeball- und Pyramidensystemen Albaniens weiter zum Nürnberger/Langwasserer/Paulanischen Pyramidensystem in ferner Zukunft! „Wie erklärt man ein plottwistiges, tiefenverschachteltes Projekt in wenigen Sätzen…“ – „Tja, Chrys, das ist eine gute Übung, der Elevator Pitch muss strandkieselglattgeschliffen und sofort verfügbar sein, wenn man auf der Straße angesprochen oder nachts geweckt und zum Radiointerview geschleift wird…“ – „Und dann muss man auch aus Sicht des Literaturbetriebs argumentieren…“ – „Ah, das muss dann dieser berühmte ‚Advocatus Diaboli‘ sein…“

„Bevor Sie anfangen: Ist das ein E-Reader?“ – „Ein E-Writer … oder E-Raser. Und obwohl es sozial akzeptiert wäre, bin ich Ihnen nicht böse, dass Sie dauernd wieder das gegenseitig angebotene und angenommene ‚Du‘ zurücknehmen, Du Schlingel Du.“ – „In welchem Roman war das, wo sie eigentlich erst beim Sex zum ‚Du‘ übergehen?“

„Moment, habe ich das richtig verstanden: Das Motto könnte also ‚Toxy Desoxy Hornoxy‘ lauten: toxisch männliche Kleinganoven in sauerstoff-unterversorgten Regionen, von denen einer die Protagonistin also sich selbst vergiften will, wie sie wahnwitzigerweise glaubt – logisch: hier natürlich Grüße an Kurt Gödel! – … und gleichzeitig lehnt sie die gesellschaftlich gelehrte Verschwörungstheorie, nämlich dass es Aliens gibt die eine Art Airbnb auf Planetenbasis mit uns veranstalten wollen, drastisch ab, quasi ‚Klar! Deine Mudda!‘-mäßig.“ – „Ja, viel mehr muss man als Backgroundinfo zur Handlung nicht wissen, bevor ich anfange zu lesen. Ach halt: der Kampf am Anfang ist noch erwähnenswert.“ 

„Brueche Luee, der Blick der Wahrheit, das Misstrauen von Danaern gegenüber Geschenken wie etwa Steckenpferden und glutheißer Rache. Und wahrlich sprach sie: ich traue dir Torfnase auch nicht! So. Basta! Und fernerhin begab es sich, dass die Bekloppte mit dem behämmerten Mörderhammer den Krabbelgeräuschen des Bots ein Ende bereitete, den Vorschlag zur Güte, den Vorschlaghammer wegzulegen, brüsk zurückweisend. Aber vor allem schallt es ultra, wenn Gedanken überschallschnell körperlos karrusseln… ach ja, ein breites Kreuz, da ist mehr Platz für die Probleme der Welt, lieber Atlas. Die Wahnvorstellung des Schauspielers und die Unwilligkeit der Leserschaft.“ (Anm. d. imag. Justititiars: Keiner dieser Sätze in direkter Rede hat tatsächliche Ähnlichkeiten oder gar Übereinstimmungen mit dem Gesagten echter Autorenpersönlichkeiten) (Moooment. Aber Anwesende werden einzelne Fragmente wiedererkennern! Anm. d. Prot.)

„Sind wir schon beim Feedback? Also: Die Gedankengänge der Protagonistin sind atypisch distanziert, geradezu irrational für eine bedrohliche Lage. Ein körperloses Gedankenkarussell mit willfährig willkürlichen Bildern, die einen als Zuhörer zurückreißen und permanent, in Wellen, die Erwartungen brechen. Deswegen musste ich der Erzählung, dem Erzählstrang weiter folgen.“ – „Puh. Bevor Du den letzten Satz gesagt hast, hatte ich noch gedacht, Du formulierst eine Kritik. Aber dann ist das wohl Lob?“ – „Erika schnarcht, aber das ist jetzt auch keine Kritik. Sie ist nur müde.“ – „Genau! Ich bin auch voll neugierig! Dysto-SF ist ja eigentlich so gar nicht mein Genre, aber da will ich jetzt wissen, wie es weitergeht!“ - „Cool auch das Setting einer Art historischen SF… mit Gameboy als letzten Schrei vor der Dystopie…“ – „So ähnlich also wie bei meinem SF-Projekt, aber aus anderen Gründen.“ – „Mittelalter (p)easy back to the future SF.“ – „Was?“ – „Ich glaube ich bin auch müde…“

„Und ich hab wieder was für meine Metaebenen-Sammlung: ‘abgedroschene Phrasen ist selbst eine so abgedroschene Formulierung‘… aber ich wollte noch sagen, dass mir beim Mitlesen der alten Version eine deutliche Verbesserung auffällt.“ – „Und die Vermarktung… tja… ist halt kein Ekel-Darkroom äh -DarkRom, wo einem im Nachgang bewusst wird, dass man das Gefühl der Überforderung verwechselt hat mit Literatur oder Spannung…“ – „Oje. So jung und schon so desillusioniert…“ – „Je weniger Lesende, desto mehr Literatur für jeden“ (Du meinst, „desto mehr ist es Literatur“… Deine Mitschrift wird wieder zunehmend unzuverlässig gegen Ende… zum Glück a) ist Deine Leserschaft das von Dir gewohnt und b) hält sie das für ein gezieltes Stilmittel Deinerseits. Anm. d. Red.)(Ach wie gut dass niemand weiß, dass ich mir runzlig Stil verbeiß! Anm. d. Prot.)(wo waren wir? Ach ja:) „Je weniger Lesende, desto mehr ist es Literatur.“ – „Naja, dieses ganze E-Lit, U-Lit, E-Music, U-Music, U2-Music … und Serien sind der neue Roman.“ – „Iwo. Sie waren eine Zeitlang das Komplexe, Anspruchsvolle, besser auserzählt als 90-Minüter oder selbst 120-Minüter-Filme… aber mittlerweile herrscht da auch Mutlosigkeit… und auch den Verlagen fehlen die Kuratorsteher…“ – „Trauerst Du etwa der alten Zeit nach?“ – „Teilweise schon. Heute ist es nur noch Marketing mit totgerittenen Pferden…“ – „Todesrittpferdehalter verdienen den Untergang, jawohl!“ – „Äh … ja. Wobei Du das passend zum Thema sehr düster und dark formuliert hast … aber es ist ja wirklich traurig für uns Schreibende, dass alle nur noch DarkRom lesen.“ – „Es gibt ja auch nur noch DarkRom, also kann man nur noch das lesen!“ – „Man kann aber auch alte Bücher lesen! Tymur hat sich ja auch intensiv mit Goethe und Schiller beschäftigt, und so weit muss man gar nicht zurückgehen… die KI sagt dass es Dark Romance erst seit den frühen Nuller-Jahren (Double Oh Seven? Anm. d. Prot.) dieses Jahrhunderts gibt…“ – „Aber dann lies auch weiter: Schwarze Romantik a.k.a. Schauerromantik ist eine Strömung vom Ende des 18. Jahrhunderts. Und nu?“ – „Jedenfalls ist das Autorendasein brotlos, lieber Tymur. Außer Du kennst Dich als Mathematiker und Physiker mit NFTs aus oder hast als jugendlicher Influencer oder BookToker schon Zehn hoch X Follower.“ – „BookToker sind die neuen Buchmacher, höhö… früher waren das die mit den Pferden…“

„Oder sich medienwirksam nackt auf den Reichstag legen.“ – „Mache ich nicht. Würde ich ja, wenn ich glauben würde, dass es etwas bringt.“ – „Ach Leute, was sind das für Bad Vibes. Aber stimmt schon, als Autor:in kannst Du noch versuchen, Dich an Stipendien entlangzuhangeln, aber da musst Du schon erste Erfolge vorweisen…“ – „Und dann ist Band 3 nicht erfolgreich und zack! Bist Du weg vom Ruhmesfenster.“ – „Ich sag ja, voll die Dark Vibes… darf man angesichts Adolfs Vorlieben noch unverdüsterten Geistes Wagner hören? Gibt es U-/E-Sprache… und auch Beethoven und Goethe waren mal rebellisch, wild und neu… oder denk an die Stones…“

(Die Diskussion ging dann über zum Bauen neuer Welten versus dem Spiegeln der Gesellschaft Anm. d. Prot.) „Ich empfände es NICHT als Kritik, dass ich der Gesellschaft den Spiegel vorhalte.“ – „Naja, dann ist man schnell in der Schublade ‚Zeitgeist‘/‘Trend‘…“ – „Deine Kritik ist also mein Lob und umgekehrt.“ – „Spiegeln bedeutet nicht auseinandersetzen! Und Spiegeln ist nicht individuell!“ – „Doch, wohl! Gerade eben!“ – „Na gut, dann sei du ein individueller Spiegel, und ich vermeide ein allgemeinplatziger Spiegel zu sein.“ – „Ich nehme euch gerade eher als patzige Spiegel wahr. He, keine schlafenden Kampfkuschelhunde wecken!“ – „Apropos Diskurs: In Etzelwang müsste man mal Deinen queeren Roman vorlesen. Das wäre dann monatelang das Gesprächsthema in der Krabbelgruppe. Oder Kirchengemeinde. Oder Landfrauengruppe.“ – „Genau! Na los! Trau Dich!“

„Und wieder werden wir rausgeworfen. Wenn er uns einsperrt, gehen wir halt durchs Fenster raus. Ach halt: Mir ist gar nicht aufgefallen, dass der Raum hier vergittert ist. Das wäre jemand mit Justizvollzugsanstaltserfahrung(sfeld der Sinne) wohl NICHT passiert.“ 

„Hat Dein Heavy-Metal-Riff als Klingelton mit emotionaler Einstellung gegenüber anrufenden Familienmitgliedern zu tun?“ – „Nein, das ist mein genereller Klingelton. In einem Haushalt mit Kindern und Hund musste es der lauteste und durchdringendste sein.“

Und wie quasi schon immer zum Schluss der Seinbruch (sollte „Steinbruch“ heißen, klingt aber auch voll lyrysch und fylosophysch. Anm. d. Prot.) des Uneinsortierten:

 - „In der geschlossenen. Gesellschaft.“
 - „Der Friseur, der nicht aus seiner Haut kann und mir Flaneur durch die Schaufensterscheibe hindurch einen abschätzenden Blick auf den Strubbelkopf wirft.“
 - „Um Gottes WLAN!“
 - „Den Klimakollaps wahrzunehmen ist kein Privileg, glaub mir.“  
 - „Das Beantworten ungestellter Fragen, der Themennachlauf und der hörbare Mensch.“

Und wie immer ganz zum Schluss die eigentliche Begrüßung-vermischt-mit-typischen-Redewendungen, angesichts Tymurs erstem Besuch in der Gruppe bietet sich natürlich ukrainisch an: 

"Не мій цирк, не мої мавпи" – (Dein Romanprojekt ist) nicht mein Zirkus, nicht meine Affen... sprich: nicht mein Problem. Sprich: Fertigstellen musst Du ihn selber.

Denn: Під лежачий камінь вода не тече – unter einem liegenden Stein(ernen Ei) fließt kein Wasser ... sprich: komm aus dem Quark, in den Fluss! Aber: in dieser Runde helfen wir natürlich immer gerne dabei!

(Die Formulierung mit dem Fluss und den Steinen in einer Runde von Schriftsteller:innen besprechen wir - angesichts Virginias Todesart - gelegentlich noch mal. Anm. d. Red.)

Und die Aspekte Übertreibung, Selbstironie und Bildhaftigkeit sind im ukrainischen Humor ja reich gesät:

„Я аж розквітнув(ла), як кімнатна пальма. Зуб даю.“ – "Ich bin richtig aufgeblüht, wie eine Zimmerpalme. Doch, echt: Ich gebe meinen Zahn, sprich: ischwör!"

„Я так зрадів(ла), що аж злякав(ла) себе.“ – Ich hab mich so gefreut, dass ich mich selbst erschreckt habe.

„Ну все, тепер я офіційно щасливий(а).“ – So, jetzt bin ich offiziell glücklich.

Hausaufgabe: Eine Kurzgeschichte oder ein Gedicht, wo einer der Sätze vorkommt!

Und selbst aus der lyrischen "Alltagssprache" ergibt sich quasi automatisch ein Gedicht (natürlich mit zusätzlichen Zeilenumbrüchen versehen Anm. d. Prot.):

Ваш візит
 залишив тепло
у моїй душі. Моє серце 
таке легке 
 після 
ваших слів. Ваша присутність як 
 промінчик сонця 

Euer Besuch
 hat Wärme
in meiner Seele hinterlassen. Mein Herz
fühlt sich so 
 leicht nach
euren Worten. Eure Anwesenheit ist 
 wie ein Sonnenstrahl.

Dem gibt es nichts hinzuzufügen, außer natürlich der Forderung nach konsequenter Bekämpfung des Demokratieschwundes und des Klimakollapses, letzteres z.B. durch konsequentes und sonderfinanziertes Vorantreiben der Energiewende mittels Netzausbau, Bau von Energiespeichern und die Entlassung fossilschwafeldampfender Politiker:innen! Wir sind bei zwei Drittel Anteil von Erneuerbaren und die Lobbtussy baut Gaskraftwerke!

Liebe Grüße Jogi






Mittwoch, 16. September 2026

Aliens qua Maronensuppe Behaglichkeit vermitteln

 „Außerhalb der vertrauten Mauern der eigenen Stadt, in der Fremde, rollte er wie ein Kiesel die verlassenen Straßen herunter…“ – wieso kommt mir gerade, auf dem Weg zur Lesung „Störfunk“ von Wortwerk Erlangen, dieses (sicher wieder nicht korrekt zitierte! Anm. d. imaginären Redaktion) Zitat aus Bettinas und Günters Buch in den Sinn, obwohl mir die Stadt noch halbwegs vertraut ist? (außerdem war der heutige Ohr- oder Hirnwurm aus diesem Buch ein Satz über Jugenderinnerungen: „Schmuseblues war damals (sozial akzeptiertes) Petting (statt Pershing) im Stehen“ … das sehe ich doch an Deinen Hirnmuster-Scans. Anm. d. Red.)

„Dies ist die Haltestelle der Verdammten!“ Ich sage nichts, denke im Weitergehen nur „Äh… das hier ist keine Haltestelle!“ und „Komisch, immer an der gleichen Stelle zwischen Bahnhof und E-Werk, wo die vermutlich Philosophie-Dauerstudenten im wenn dann mittlerweile fast dreistelligem Semester (Nicht unbedingt. Es gibt auch Senioren-Studiengänge. Anm. d. Red.) solche – auf das erste Hören tiefgründige – Sätze ablassen.“ Folgegedanke: „wie war das mit den falschen Haltestellen vor Seniorenresidenzen mit Dementen? Wo man sie wieder einsammeln kann?“ Alptraum-Blaupause: „aufgrund Orts-Unkenntnis dort zu sitzen und dann mit eingesammelt zu werden.“

„Aus Etzelwang? Wow … das klingt wie ein Ort aus alten Sagen. Und ganz schön weite Anreise!“ – „Es geht gleich los. Ich verteile mich mal.“ (der Satz stammt nicht vom multiplen Stefan. Anm. d. Prot.)

Tausendsassa Stefan heute nur in fünf Rollen (bitte jeder nur so viele Persönlichkeiten und Kopfstimmen wie Rollen! Danke! Anm. d. Prot.) oder multiplen In- and Outpersonifikationen (ach was: da verschwindet plötzlich die Unterringelung der Autokorrektur? Und warum gibt es „Unterringelung“ nicht? Anm. d. Prot.), und zwar als Anheizer, Moderator, Ton-Bild-Techniker, vorlesender Autor und Vorlese-Vertretung.

Und Jubiläums-Counter: „Willkommen! Jubilieret, auch wenn Wortwerk übrigens dazu neigt, seine Jubiläen grandios zu verschlafen. Beim nächsten passen wir mehr auf. Jetzt aber schlüpfe ich in die Rolle von Rosa, unserer Aphorismen-Spezialistin. Ihr könnt sie nicht sehen, aber verstehen.“ (muss ich das verstehen? Anm. d. Red.)(Und für was ist sie Spezialistin? Für römische Tonkrüge? Oder Bierschaum-Geburten? Ich hab nur das Asterix-Latiinum, und ich darf mich ja nicht als Suchmaschinist betätigen, bis ich abgeliefert habe… Anm. d. Prot.)

Und schon trägt er zwei dicht gedichtete Miniaturbilder in fremden Zungen vor… im ersten geht es um die gestörte Welt der Textschaffenden, deren Produkte von den SoKIal Media Tecbrollionares einfach weggeerntet werden. Das „rage against the musk“ kann als Aufruf verstanden werden.

„Hast Du das zweite Bild verstanden?“ – „Hm… nein … ich möchte an den Vorschlag vom letzten Mal erinnern, dass Lyrik immer doppelt vorgelesen wird oder im Teleprompter mitläuft. Aber aufgewühlt hat es mich, da es Seiten aufzieht nein Saiten in einem anschlägt, die nervlich weltschmerzereignistechnisch schon angespannt sind.“ – „Ich weiß nicht, ob erneutes Lesen geholfen hätte … aber sie bezieht sich scheinbar auf etwas Abstoßendes, was sie in TikTok gesehen hat, über Österreich und die Deutschen… alter Satzbau oder alte, vielleicht ewiggestrige Rhetorik, jetzt ja wieder frisch in der BRD? Aber jedenfalls enthielt es am Schluss ja wieder einen Appell, einen Aufruf: ‚reinvent tiktok‘!“ – „Hm. Der Ruf nach Regulierung, auch für Minderjährige, die dort zur Wählerschaft der Extremisten geformt wird? Aber wo platziert man den Aufruf? Per Hashtag in den sozialen Medien?“

„So. Ich war nicht live, denn ich war nicht ich.“ (bist Du vorhin zu lange bei den Studis an der imaginierten Bushaltestelle gestanden? Anm. d. Prot.) „Jetzt kommt aber unser erster Live-Autor…“ – „Na, das ist jetzt irgendwie Bashing von Abwesenden auch wenn unbeabsichtigt, oder?“ – „Nur wenn man sich in sowas reinsteigert.“ – „… und zwar: Thomas mit Gewitterfunken!“ – „Nein, der Titel ist ‚Gewitter mit Funken‘.“ - „Moment, ich war grad schon wieder abgelenkt … hat er ‚Hemd wozu zumachen‘ gesagt? Und mit wie vielen F’s war jetzt die tiefliegende Jeans? Und hatte der erwähnte Wortschatzkurs wirklich den Titel ‚Kaffeegequassel‘?“

„Das mit dem ‚sich immer weiter von der im Pass angegebenen Größe entfernen‘…dafür sollte es einen Begriff geben, finde ich!“ – „Hihi, der Gedankensprung von der ‚mittlerweile-Jäger-und-Sammler-Rennstrecke‘ a.k.a. Einkaufspassage zum Flaniertempo im Paris des 19. Jahrhunderts war klasse… dass damals eine Schildkröte an der Leine bedeutete: ‚Sehet, wie viel Zeit ich als Luxusgut habe!‘“ – „Auch nicht schlimmer als Statussymbole wie strass- oder diamantbesetzte Handys, Faltenstraffgeräte, Felltaschen oder Hightech-Badezimmer.“ - „Genau: Bereichert und berauschet euch!“ – „Er hat recht: Eine Schildkröte ist eine Lebensentscheidung, da sind Hund und Baby gar nichts im Vergleich.“ – „Das hat er nicht gesagt!“ – „Aber dass dem Schlossgarten deine Kaufkraft egal ist.“ – „Apropos Lokalkolorit: Der Satz ‚Vor der Anatomie steige ich auf‘ mag zwar in der Student:innen-Radfahr-Stadt korrekt sein, klingt aber trotzdem komisch.“ - „Aber die Begrüßungen, das stimmt so wirklich! Hallo, ich heiße [Vorname]. [Studienfach 1], [2], [3]…“ - „Offene Frauenblusen als erfolgreiche Abbitte gegenüber Männern für die Shorts des falschen Fußballclubs: ist das sexistisch Frauen oder gegengeschlechtlichen Männern gegenüber?“ – „Ich bin ja wie gesagt mit meinem Latein am Ende bzw. habe nie damit angefangen: Wie heißt korrekterweise der nicht einmal begonnene Coitus Interruptus, den er da beschreibt?“ – „Vielleicht ‚Anbahnungsbeendigung‘? Aber frag mich nicht nach dem lateinischen Begriff…“ 

Plan B war nicht das eingezwickte Ei, aber es macht redseliger, bzw. drängt es zur Schmerzweitergabe: beim Radio-Bashing, die ja auch wirklich nur selten wahre Schwarzbrotmusik spielen. („Unerträgliches – fettes? – Brot gib uns heute“? Anm. d. Prot.)

„Das Bild von der Autobahn als letzter Wildnis ist jedenfalls stark... und das akustische Bild von den Riffs auf der Hupe... aber derb gefällt er mir natürlich am besten, mit den PS-zu-IQ-Quotienten oder wenn er von Audio zu Audiärschen kommt.“ (Dass das „Audi“ übersetzt „Höre!“ bedeutet und sich auf den Firmengründer „Horch“ bezieht, der kein dummer August war, weiß sogar ich … aber Teil Zwei, ist das dann „Culus“, „Podex“, „Nates“, „Anus mundi“ oder „Clunes“? Anm. d. Prot.) (Du würdest im Comic jedenfalls „Blateronix“ heißen, du Waffler. Anm. d. Red.) (Interessant: „Arschloch“ ist germanischen Ursprungs und bei den Römern nicht belegt. Aber hier, die haben scheinbar wirklich „Geh doch zur Kreuzigung!“ gesagt statt „…zum Henker“ oder „…zum Teufel“ … he! Hast du das Internet abgeschaltet? Ach so, ich sollte ja nicht bis Abgabe… Anm. d. Prot.) Der gleiche Parkplatz nach Rückkehr bedeutet jedenfalls wahre Heimat, lernen wir. Zumindest im automobilnormativen Kontext. Stark! Jetzt aber schnell das Ei befreien.

„Jetzt ich als ich.“ Und schon aktiviert das Zweit-Ich, das Techniker-Ich, noch einen zusätzlichen Scheinwerfer für das Autoren-Ich, der den Vor-Vorlesenden verwehrt blieb. (So entstehen Verschwörungstheorien! Anm. d. Prot.)

(Weitere Anm. d. Prot: Triggerwarnungen blieben an dem Abend aus, daher ersatzweise hier eine Vorab-Zusammenfassung bzw. der Versuch desselben, da der vorgelesene Text unfassbar unergreiflich und im Fließtext mal wieder nicht zu beschreiben ist: ein Delorean (Augen auf beim Kauf, in der Jetzt-Zeit keine Ersatzteile mehr!) wird zu einer angeblich vier- aber ggf. mehr-dimensionalen Gleichzeitigkeitsgeschichte, in der man dem Radiosender (sic!) „Störfunk“ auf keiner Frequenz und nicht mal frequenzlos entkommt und einem schwarzbrotlosen Künstler über die Schulter auf den leeren Teller schaut, untermalt von unterschwellig ans Publikum gerichteten Bitten um geheime Agenten, Heraus- und Dankes-Geber. Oder so.) (Wieso sollte ich die Ausflucht „In Fließtext nicht zu beschreiben“ akzeptieren, wenn er doch auch linear vom Blatt vorliest? Anm. d. Red.)

Vierdimensionale Gleichzeitigkeit ist in einem auktorialen Delorean kein Problem. Nicht, dass man das Vehikel in der Geschichte bräuchte, aber so hat man einen Radioempfänger mitgeliefert bzw. eingebaut, der wiederum auf den unentrinnbaren omni- und panfrequenzen Radiosender Störfunk verweist. Helden anderer Geschichten werden eingebaut sowie weiter unten dann auch vergangene Passagen recycelt. (Ich erwähne es schon mal hier, da dazupassend. Und der vorlesende Autor erwähnt die auktoriale Moderatorin, was bei bei mir schon wieder aufgerolltes Gyros aus den Gyri/Hirnfalten meines Lobus frontalis macht … ich weiß nicht ob Stefan Winter einen positiven oder negativen Koeffizienten auf der Stefan-Schmitzer-Absurdi-&-Vortragsintensi-täteretäts-Skala hat … vielleicht müssen wir sie auch in Winter-Schmitzer-Skala oder Stefanitäts-Skala umbenennen Anm. d. Prot.) (wo war ich hängengeblieben? Anm. d. Prot.)(Ich glaube, das ging mir bei der letzten Lesung mit dem Rekapitulieren seines Textes auch schon so. Anm. d. Prot.)(Also bleibt nur die Kapitulation? Anm. d. Red.)(Nein. „Das Kapitel ist mein Kapital“, sprach schon Marx. Schade, das lässt sich nicht in Kapitälchen setzen… Anm. d. Prot.) Der Autor wendet sich ab und zu ans Publikum, aber nur das in der Geschichte, das sich wie das echte also sein Publikum an der Kunst erfreut, da diese, so der Autor des Autos, Ablenkung von Geld, Stress, Familie und Sorgen bedeutet, und so zieht er uns tiefer, in den Disput zwischen Fred(oder Felix?)-„an-sich-cool“-Managa (oder Veranstalter) vs. Timmyboy (Letzterer ist battle arm, da Künstler. Die Sprache ändert sich erst bei Erfolg. Anm. d. Prot.) und dessen Wünsche, nach dem Gig von Managern, Agenten oder wenigstens von Fans mit einem „echt cool, danke!“ angesprochen zu werden (was ihm zum Glück abschließend in Echt am Ende der Veranstaltung passiert Anm. d. Prot.)(Du meinst dem Multi-Stefan, nicht dem Timmyboy. Mann! Madness spreading ... Anm. d. Red.) 

„Das Bild der Todeszigarette beim Blick in den wunderbar ungetrübten Wüstenhimmel geht mir unerklärlicherweise nach… dabei bin ich Nichtraucher und Wüstenmeider…“ – „Also, ich merke mir neben ‚das Licht am Ende des Tunnels kann auch blenden‘ und den immergleichen, völlig bandunabhängigen Kritikpunkten der Fans erster, zweiter und dritter Stunde den Bonzenbenzrest-Test: Wenn Du überfahren wirst, welcher Ton oder Gedanke bleibt der Nachwelt von Dir? Das ist eine derbere Variante des ‚Was willst Du mal auf Deinem Grabstein stehen haben‘…“ – „Auch, wenn es nicht ums Auto ging: Dass die Firma Delorean pleite ist, nimmt mich mit … quasi auf eine Zeitreise in die Kinosäle meiner Kindheit…“ – „Aber mit ‚Ersatzteile oder leerer Tank sind bei einem zeitreisefähigen Modell nicht relevant‘ hat er doch nicht recht, oder? Wenn es dann doch nicht mehr zeitreisen kann? He, ich habe Dein Augenrollen genau gesehen!“

Stefan übergibt an Stefanie, ohne sie zu impersonifizieren. Und sie dreht die Fragestellung: „Muss Störfunk technisch sein? Meine Musen hatten anfangs ein gestörtes Verhältnis zum Thema, aber dann kam die Erkenntnis: Nein, auch gestörtes Zwischenmenschliches, also gestörte Kommunikation, ist eine Deutung.“ – „Nur mal so zwischen uns Müttertöchtern: Das hat sie sehr klar rübergebracht, finde ich.“ – „Die Zeile ‚Vom Wollen und anderen Nöten‘ hätte man auch statt ‚Störfunk‘ als Titel nehmen können. Also vom ‚Entscheiden sollen‘ … aber der Fokus liegt ja auf der gestörten Kommunikation.“ – „Äh… die Wollnot WAR doch der Titel des Gedichts!“ – „Oh… okay. Und ‚Niemand oder ich‘ kommt mir noch in den Sinn, obwohl ich mir gar nicht mehr sicher bin, ob diese Zeile genau in dieser Form vorkam…“ (Ich glaube das Trauma Synapsis Stefanitis – ohne „ie“ – ist noch nicht ganz abgeklungen: Ich nehme mal die nachfolgende Kurzform, mach Du mal Pause, das passt ja auch, weil danach die Lesungs-Pause folgte… Anm. d. Red): Stefanies Gedicht enttechnisiert den Begriff des Abends und hebt ihn auf die Beziehungsebene: kein Wie-Du-mir-so-ich-Dir, sondern paarweise Kommunikationsstörung im Akkusativ-Personalpronomen Singular, also dem Dich-Mich … was für verschiedene Welten ein gesagdachter Frontalkonsonant doch erzeugt… 

Am Tresen, in der Pause: „Gestörte Kommunikation im Selbstgespräch – gibt es das?“ – „Ging die Frage an mich? Haha. Aber apropos: ist es gestört, wenn ich in unsere verbale Kommunikation ein schriftliches Selbstgespräch einfließen lasse? Denn ich muss mir ein paar Notizen machen…“ – „‘Ja, ist es‘, sagte seine Gesprächspartnerin leise, mehr zu sich selbst…“ – „Boah, das ist gemein, dass Du das jetzt so holzhammeraufzahnpfahlmäßig als Gesprächspartnerin sagst… okay, okay, bin wieder voll da. Erzähl: Wie lief die Vorabvorlesung des Gedichts?“ – „Naja, da kam dann so: ‚Die semantischen Scharniere des Gedichts gehören geölt‘!“– „Echt? Foll vies … also, was auch immer damit gemeint war… jedenfalls wäre ich da an Deiner Stelle sofort auf die Meta-Ebene gegangen und hätte gesagt: ‚Darf ich Deine Kritik im Gegenzug kritisieren? Die ist definitiv zu destruktiv, zu wenig konstruktiv!‘“ – „Ich finde, die Gegenkritik darf dann ruhig destruktiver sein… hey, was spielst du da schon wieder am Handy?“ – „Ich habe nur schnell geschaut, ob es ‚destruktiven Konstruktivismus‘ in der Erkenntnistheorie gibt… aber da finde ich nichts, nur ‚Destruktivismus‘ als Ideologie-Begriff und ‚Dekonstruktivismus‘ als Architekturbegriff … oh, es geht weiter, let’s go back, let’s go back…“

„Weiter mit Klaus und ‚Why not? Aliens!’ beziehungsweise ‚Why No Aliens‘ oder, Originalüberschrift: ‚Warum hier keine Außerirdischen sind – außer uns – und auch keine kommen werden.‘ Nein, das ‚außer uns‘ müsst ihr aus dem Titel streichen, das habe ich jetzt gesagt, weil es ja die Theorie gibt, dass das irdische Leben durch einen Meteoriten… egal: Jedenfalls ist Klaus Geschichte auch ein theoretischer Beitrag zum Fermi-Paradoxon. Muss er noch bei einem Wissenschaftsmagazin einreichen.” (Übrigens, Einschub Planetisimalrechnung, da müssen jetzt auch Dyskalkulist:innen und Dysastronomische durch, denn Begrifflichkeiten sind die Atome von Lesungen: Planetisimale wuchsen zu Planeten oder blieben Kleinplaneten/Asteroiden … Planeten sind also Asteroiden auf Stereoiden … Asteroiden – apropos Latein: nicht nur der namens ‚Asterix 29401‘ – sind jedenfalls Festkörper, während die außerhalb des Sonnensystems gebildeten Kometen staubig sind, deshalb bilden diese nahe der Sonne einen Schweif, fallen ins Koma, denn so heißt der Schweif bei den Astronom:innen, haha, haben die Sternenforschenden nicht einen wunderbaroiden Humor, und Meteoroiden können wiederum Bruchstücke aus beiden sein, und werden in der Erdatmosphäre flugs umbenannt zu Meteoren, Meteoriten und Sternschnuppen. Was schaut ihr denn alle so komisch? Das war doch nur ein Schnupperkurs Astronomie, passend zu Klaus SF… ach, ist mir doch schnuppe … Anm. d. Prot.)  

Weisheit steht in Falten in Gesichter geschrieben, das steht im Text geschrieben. (eigentlich steckt Weisheit in Falten im Gehirn. Anm. d. Prot.)(Halte Du dich da raus als Unbeteiligter. Anm. d. Red.) Über seltsam wallende Waldkleider und ein Holzparkett begeben wir uns in den Weltraum (sind wir da nicht schon, wenn auch gravitätisch auf einer Monster-Kanonenkugel festgetackert? Anm. d. Prot.)(Funk hier nicht dauernd dazwischen! Anm. d. Red.) bzw. die Brücke, also eines Raumschiffes. Mit einer Leiter, einer Art Krake und einem schwebenden also nicht eingeklemmten Art Ei. (Die Beschreibung der Muster auf demselben unterstreicht der non-auktoriale also in Bezug aufs E-Werk reale Barkeeper durch lautes Knallen, das sich aber später als von der Eingangstür ausgehend entpuppt. Und dieses Türen-Knallen war unfreiwillig, also nicht als nonverbale aber aus- und eindrückliche Kommunikation geplant. Aber dazu später mehr. Anm. d. Prot.)(Die Surrealität dieses Absatzes ist ungerecht gegenüber dem wissenschaftlichen Realismus von Klaus Geschichte! Anm. d. Red.)(ihr beiden erinnert mich an die zwei Senioren auf dem Muppet-Show-Balkon. Anm. d. imag. Testleserin)

Rebooting while trying to recap(itulate): „Ist der dritte der acht von Intelligenzen bevölkert? Wie, ‚Jein‘, trotz der Bauten? Ach so, so was können auch primitive Formen, stimmt... also Fokus auf das entscheidende Intelligenz-Merkmal: Kommunikation! Sehen wir uns diese … ‚youtube-Werbung‘ und ‚Bildzeitungs-Artikel‘ mal genauer an…“ Das Ächzen und Stöhnen des Publikums – dem vom Film ‚First Contact‘ nicht unähnlich, als klar wird, dass am Anfang der Radio Bubble, unseres abgestrahlten menschlichen Fingerabdrucks auch Hitlers Volksempfänger-Ansprachen stehen – verstärkt sich, als ohne Triggerwarnung – in Collagen-Wirkung definitiv verstörende – Auszüge an die Wand projiziert und vorgelesen werden … und selbst in intelligenten Zeitungen stehen kluge Texte nur einmal, Werbeanzeigen aber wiederholt. „Na gut. Suchen wir weiter. Abflug!“ Sprich: soziale Medien und Werbung sind so was von Nicht-Kommunikation, dass Aliens – nebst deren A.I. – wortlos das Weite im All suchen, um ansprechende und ansprechbare Intelligenz andernorts zu finden. Das – im Schwarm als Gesamtmenschheit betrachtet ja wirklich nicht sonderlich intelligente Publikum – kommt sich für einen Moment von guten Geistern verlassen vor… denn die Wahrscheinlichkeit, dass diese SFSatire auch als plausible Wissenschaftstheorie korrekt ist, liegt deutlich über Null Prozent.

Erneut Zeit für Rosas Brille! „Der Lauf der Dinge, mit ‚Frieden im Körperbau‘? Die Zeile triggert mich irgendwie, quasi physisch, ohne es erklären zu können…“ – „Die Gattung ‚Erklärung von Lyrik‘ ist in der Bibliothek zu Recht nur ein kleiner Schuhkarton unter dem Tresen.“ – „Naja, komm, man will ja schon eintauchen in die Gedankenwelt der Prosagonisten, nein, Lyriker:innen, und Du lässt es ähnlich abfällig klingen wie Mansplaining…“ – „ … ‚erklärte er mir‘ …“ – „Lass das! Dann murmele ich halt zu mir selbst weiter, dass ich auch fand, dass sie im vierten Bild mit der Sinnfrage „Rettet uns Lyrik?“ quasi die vierte Wand, zum Publikum hin, eingerissen hat.“ – „Eher die zu sich selbst.“ – „Mich würde aber tatsächlich der genaue Text vom dritten Bild noch mal interessieren…“ – „Ja, da ging es irgendwie um die hermeneutische nein hermetisch geschlossene dörfliche Gesellschaft, wo man – das war doch erneut ein Appell oder ein Aufruf in der letzten Zeile – den Funk reparieren soll? Ist da die Kommunikation innerhalb des Dorfes gestört oder die mit den Außenstehenden?“ – „Wer sagt, dass es das Funkgerät des Dorfs ist?“ – „Na toll. Erst Mansplaining von Sachen, die Du nicht verstehst, und dann einfach auf kryptische Orakelsprüche ausweichen. Hast Du einen Abreiss-Kalender dafür? Du bist doch gestört!“ – „Ob die Autor:innen zufrieden sind, wenn das Publikum eine Lesung zum Thema ‚Störfunk‘ laut streitend verlässt?“

Während Julianes Protagonistin in der Geschichte „Du Störsender!“ den Workaround ‚Schuhkappen von Dritte-Hand-und-Fuß-Schuhwerk wegschneiden‘ für wachsende Nachkriegskinderfüße beschreibt und Ottos Pferdesattel Erwähnung findet – „ich war das Kabelpferd der Truppe“ –, ertönt untermalendes Gekicher aus dem WC. (vielleicht haben die den Protagonisten als ‚abgehalftert‘ beschrieben empfunden? Anm. d. Prot.) „Und beim Sturm musste ich aufs Dach klettern, weil ich der leichteste war. Und dann nehmen die Kameradenschweine glatt die Leiter weg!“

Die Dunking Platten der G.I.s - begin the beguine! – entpuppen sich jedenfalls als Dancing Music. Otto, der titelgebende Protagonist, der sich zwischendurch mit seinem störrischen Bein streitet, erzählt von seiner geradezu brotlosen da nicht kriegsentscheidenden Karriere als Störfunker, während in der Behaglichkeit des kindlichen Höhlenbaus im Berg aus Mänteln mehr Philosophie steckt als in ganzen Kantologien!

Wie war das mit den allumfassend lügenden Griechen? Jedenfalls kann dann Adrians Selbsteinschätzung, keinen Geschmack zu haben, nur als geschmackloses Auto-Mobbing eingestuft werden. Zumal er für Buchcover-Gestaltungen schon Preise abgeräumt hat, und – da sind sich Moderator und Publikum einig – auch für das funky-fischige Stör-Funk-Cover (siehe Fotocollage unten) einen weiteren verdient!

„Hallo. Mein erster Text lautet ‚Menschliches Versagen: Eine Autobiographie.‘ Nein, Scherz, der Untertitel stimmt nicht.“ – „Aber war der Abriss der Kommunikation mit den Mars-Pionieren wirklich menschliches Versagen? Könnte ja auch technisch gewesen sein …“ – „Zusammenfassend kann mal also sagen: Adrians autobiographisches Versagen in seiner Rolle als John Cena auf dem Mars sorgt für mysteriöse Funkstille!“ – „Äh… nein. Am Schluss des Funkspruchs war doch noch ein ‚war das der falsche Knopf?‘“ – „Ja, ja, wie bei der Programmiersparte und ihrem berühmten Satellitenabsturz nach fehlendem Komma…“ – „Nein, das war der Mars Climate Orbiter 1999 mit ‚metrisch statt Pfund‘, aber egal… wir wissen, was Du meinst…“ 

Und all das hat nichts mit der fehlenden Petersilie in der Maronensuppe zu tun, denn das ist eine andere nämlich die zweite heute vorgetragene seiner angeschrägten Geschichten, deren Titel auch „Drude bei Fuss“ lauten könnte und mit der Bemerkung „Die Geschichte ist zu fünfzig Prozent autobiografisch, da meine Mutter darin vorkommt“ eingeleitet wird. (aber wenn er doch selber darin vorkommt, ist das dann nicht 150% Autobiographie bzw. sogar 200% wegen ‚beide Elternteile‘? Oder ist er nur Erzähler und in der Geschichte gar nicht präsent? Ich fühle mich so müde… obwohl ich gerade in Endlosschleife „begin the beguine“ höre … vielleicht entspannt das zu sehr… Anm. d. Prot.) Gefolgt von der nächsten Ergänzung „es werden noch Wetten angenommen, ab welcher Stelle die Geschichte ins Fiktionale kippt.“

Bis zu einem gewissen Grad ist der Text jedenfalls ein leicht nachkochbares Rezept für Maronensuppe. Bei Froschschenkeln werden die Nicht-Frankophonen/-kulturellen erstmals stutzig. Bei Ablassfalter und Stiernackenhaaren heben die ersten zögerlich die Hand. Aber der vortragende Autor, scheinbar Sohn einer Hexenmutter (wäre auch mal ein Thema für eine Kurzgeschichte! Anm. d. Prot.)(Äh… ist es hier doch schon? Anm. d. Red.) ist jetzt vollkommen in der Vervollständigung des Zaubertranks gefangen, man spürt, dass die Kellerbühne gleich Ort von etwas Dämonischen sein wird … aber dann scheitert die Beschwörung daran, dass der Vater Petersilie vergessen hat. Weltenretter ohne Cape und Spandexganzkörperanzug müssen daher auf dem Sofa schlafen. Undankbar, diese Welt aber auch, siehe Stefans Anmerkungen. Ein Teil des Applauses gilt also auch dem Protagonisten! 

(Abstrus: In meinem unleserlichen Gekrakel „Maronen und andere Karmenproks“ erkennt die KI ohne mit der Virtumper zu zucken Unterschriften internationaler Persönlichkeiten, darunter die von Emmanuel Macron und seinem indischen Pendant Narendra Modi. Anm. d. Prot.)(Du bist der einzige mir bekannte Schreibende, dessen Gekritzel auch nach dem Abtippen unleserlich bleibt. Wie schafft man das? Anm. d. Red.)

Trommelwirbel für das Rennen ums Thema der nächsten Lesung: „Resonanz“ (aus Stefans Text aufgeschnappt) fällt schnell zurück, zwischen „Panik“ und „Hoffnung“ ist es anfangs eng, aber dann wird es die „Panik“. (Keine Panik auf der Titanic! Anm. d. imag. anwesenden Barden mit Hut-o)

„Menno, ich hatte mir im Vorfeld sicherheitshalber so viele mögliche Themen zum Reinrufen notiert, damit es nicht zu einem peinlichen Schweigen oder schwierigen Themen kommt: Der Blues. Unergründlichkeit. Karneval. Dämonen. Deckmäntel und Zerrspiegel. Revolution. Nirgendwo. Versuchung. Mäandern. Utopien. Netzwerke. Pferdewetten. Zimmerlautstärke. Aber dann hat der Moderator das von vornherein auf drei reduziert… und dadurch wären Mehrfachnennungen einer Person nicht mehr sozial akzeptiert gewesen…“ – „Jaja, jetzt ist das Thema fürs nächste Mal das Gegenstück zum kultischen ‚Keine Panik!‘ aus dem Anhalter …“ – „Der läuft bei uns übrigens noch, aber ‚Kult‘ heißt ‚keine Karten mehr‘ …“ – „Hier noch mal explizit Applaus für Dich als Moderator!“ - „Danke! Und Du hast eine Rose mitgebracht? Um sie einem Vortragenden oder einem Thema zu geben?“ – „Nö… mich hat unterwegs jemand gefragt: ‚wohin gehst du?‘ Und als ich misstrauisch ‚Warum?‘ gefragt habe, hat er geantwortet: ‚Egal. Hier ist eine Rose für dich.‘“ – „War das an der imaginären Bushaltestelle mittig zwischen Bahnhof und E-Werk?“ – „Was?“ – „Egal. Vergiss es.“ – „An der Bar gibt es übrigens gerade Brezen-Flatrate! Alles muss raus! Also, alles Aufgebrezelte…“ – „Schwerhöriger Musiker zu sein, ist schon ein schweres Los. Jaja, ich weiß, hat Beethoven nicht abgehalten und so … aber trotzdem…“ – „Pass beim Rausgehen auf … die Eingangstür liegt demnächst in Scherben, so hart wie der Türschließer eingestellt ist…“ – „Danke für die Warnung. Die härteste Tür des Landes, zumindest beim Verlassen… und denkt dran: Der letzte löscht das Licht…“ – „Witzig, so heißt auch ein Stück in unserem aktuellen Programm … das basiert auf einer Graphic Novel…“

Auf dem Rückweg warte ich auf halber Treppe/Höhe sinnloserweise ein paar Minuten auf die Philosophentruppe und kicke gedankenverloren immer wieder einen Stein die Rampe hinauf, um ihn hinunterrollen zu lassen. („Trotz des Selbstmords von Estragon im Maronensuppen-Rezept müssen wir ihn uns als glücklich vorstellen, außer er verstellt sich im Vorstellungsgespräch…“ Anm. d. Prot.)(Lass den Quatsch und komm zum Ende! Anm. d. Red.) Dabei lächle – gelegentlich ist es auch ein Schmunzeln oder ein Grinsen –ich vor mich hin, während ich den Abend rekapituliere und den Synapsen beim Wachsen zuhöre.

PS: Willkommen in den Sprachen dieser Welt, nehmen wir diesmal die Sprache Indiens (aber was? Hindi? Tamil? Urdu? Punjabi? Da gibt es einige… Anm. d. Red.): „Das Lächeln, das Du aussendest, kehrt – sofern kein Störsender dazwischen liegt – zu dir zurück.“ Oder: „Was weiß der Affe vom Geschmack von Petersilie?“ Oder: „Wer nicht tanzen kann, behauptet, die Tür sei kaputt.“ (Das sind keine Begrüßungen, sondern verfälschte indische Redewendungen! Anm. d. Red.)(Bis hierher liest eh keiner… Anm. d. Prot.)(Und das ist wiederum fast 1:1 aus dem „Keine Panik!“-Buch… Anm. d. Red.)

PSPS: Da wir leider nicht mehr in unpolitischen Zeiten leben: Klimaschutz und Demokratieschutz sind Schutz künftiger Generationen. Energiewende jetzt, Rücktritt der unverhohlenen Fossil-Lobbyistin!




Montag, 7. September 2026

Bier und Honigfluss im albanischen Neandertal

„Selbstgespräche sind gesund. Früher waren die auch verbreiteter, glaube ich. Hallo? Hört mir jemand zu?“ – „In Deinem Alter ist das vollkommen okay. Doch, wirklich.“

(Sind das Selbstgespräche des Protocollagisten? Anm. der imaginären Redaktion)(Nein, das geschah im Vorfeld bzw. auf dem Hinweg. Das gehört also zum Umfeld des Wortwerk-Treffens und damit auch in die Protocollage. Man soll die Lesenden schließlich da abholen, wo sie sich befinden. Anm. d. Prot.)(Habe ich schon mal angemerkt, dass Dialoge mit Dir / die Betrachtung Deines Erkenntnisstandes (also hier: das Abspeichern und Verwenden von Redewendungen) von außen immer fatal an das „knapp daneben“ von Radio Eriwan erinnern? Anm. d. Red.)

„Ist das hier die Selbsthilfegruppe der ADB(P)K, der Anonymen Discounter-Backwarenprodukte-Kaufenden?“ – „Darauf müssen wir nicht antworten.“ – „Ach ja, die rasante Entwicklung der Technik … wann kommt das Quanten-Tier?“

„Sag mal, nuschelst Du neuerdings?“ – „Wieso, ‚Ambiguitätstoleranz‘ habe ich fehlerfrei herausgebracht. Aber ja, ich habe vor dem Treffen in geselliger Runde zum ersten Mal seit Wochen wieder Alkohol konsumiert, da sind meine diesbezüglichen Muskeln oder Abwehrkräfte außer Übung…“ 

„Ich bin ja jünger als ihr, ich muss das Chaos noch länger ertragen. Und ich glaube, das nicht gekühlte Altersheim wird dann unser geringstes Problem sein.“ – „Können wir das Vorgespräch zu den poly…amourösen Krisenherden und dem ersten erneuten Landtagssieg der Rechtsextremisten seit 1945 beenden und statt dessen zu den Texten übergehen? Das ist so deprimierend.“ – „Ja, da helfen Scherze wie über Zeitzonen – in Tokio ist es 22 Uhr, in Sachsen-Anhalt 1933 – oder ‚wir Frauen wollten mehr Rechte, nicht mehr Nazis‘ auch nicht weiter, das stimmt…“

„Pluspunkte dafür, dass Du den Text zum Mitlesen bereitstellst, Henning! Abzüge in der B-Note natürlich dafür, dass ausgedruckt, und zwar NICHT im Vier-Seiten-pro-Blatt-Broschüren-Modus.“ – „Das wäre nicht altersgerecht.“ – „Wieso, das Handy als Lupe zu verwenden, kapiert sogar mein Jahrgang.“

„Das ist wieder aus meinem Romanprojekt, wo sich die Protagonistin als Neandertalerin aus dem Gen-Labor entpuppt.“ – „Spannendes Setting. Was die Szene ‚Besuch im Gefängnis‘ betrifft: am besten mit Leuten vom Fach reden, also Jura, Biologie, und so weiter…“ – „Natürlich Abgrenzung zu bestehenden Werken …(insert Aufzählung Serie Border Trolle Eschbach Kloning generell Beforeigners zeitreisende Steinzeitler etc here. Anm. d. recherchefaulen Prot.) Also einfach recherchieren, welche Aspekte / Spannungsfelder / Probleme die bereits beleuchtet haben und auf welche Du dich dann in Abgrenzung konzentrieren kannst.“ – „Und natürlich Recherche: Physis Neandertaler… und fiele sie nicht optisch auf?“ – „Nein, hier sind Fotos aus dem Museum in Düsseldorf. Wie man sieht, würden die uns als Homo Sapiens² gar nicht auffallen. Also in moderner Kleidung natürlich.“

„Studiert sie Jura, um den Mord an ihren Verwandten aufzuklären? Also quasi Tatort Neandertal?“ – „… und dann flieht sie nach Holland. Typisch. Die sind liberal und drogenbedingt relaxt, im Gegensatz zu Düsseldorf oder dem bayerischen Geheimdienst.“ – „Aber nicht zu viele Klischees bedienen.“ – „Außerhalb der Dialoge bin ich unsicher… bei Abläufen, Beschreibungen, ich weiß ja, ‚Show-Don’t-Tell‘… aber ich habe als Autor doch nur die Sprache.“ – „Naja, so ähnlich könnte jede Kunstform klagen: Ich habe doch nur Farbe… Noten … Weltenbretter…“

„Und da muss noch mehr Biss und Bewegung rein! Vielleicht in ihrem Freundeskreis nach dem Outing auch distanzierte, unbeholfene Reaktionen? Keine Umarmung mehr?“ – „Ja, und sie muss heroischer sein! Auch eine Art feministischen Kampf! Sie muss die Stigmatisierung als ungerecht empfinden! Mehr Kraft! Das mit dem Stigma ist ein deutsches Phänomen … im amerikanischen Film käme dann irgendwann die Wende: ‚kämpfen, auf Stärken besinnen‘!“ - „Sie darf jedenfalls nicht zu positiv oder glatt sein. Identifizieren als Leser:in ja, aber nicht völlig uneingeschränkt. Irgendeine Ambivalenz muss rein. Sie wird nach dem Erfolg vielleicht arrogant?“ – „Konflikt mit den Freundinnen. Vielleicht brummelt sie vor sich hin ‚ihr Menschen seid schon seltsame Affen‘. Oder harmlos: sie ist Messie. Oder ein bisschen mehr: sie ist Satanistin.“ – „Oder streitsüchtig.“ – „Genau. Eine Barstreit eskaliert, und wird vom Umfeld sofort aufgebauscht.“ - „Sie wird dann zum Spielball von Interessensgruppen und sogar von Rassisten vereinnahmt, so in Richtung ‚na endlich mal eine echte Ur-Deutsche.“ – „Wie gesagt: das Projekt hat was. Aber es scheint noch nicht austariert: Gesellschaftskritik? Satirisch überzeichnet? Unterhaltung? Paul kann dir sicher noch Tipps geben, wie man daraus ein gutes Drehbuch macht, das sich bei Streaming-Sendern platzieren lässt.“

Marleen! Neuzugang, letztes Mal schon da, über Bettina bei den Texttagen hierhergekommen. Hat eine Romanrohfassung fertig. 

„Was wird der Klappentext für Deinen Roman?“ - „Bei mir geht es um ein junges Paar, einen verträumten Italiener und eine Hippie-Deutsche, die an der albanischen Riviera im postkommunistischen Goldrausch 1997 ihr Glück versuchen. Schlechtes Timing, wegen Bankencrash und Bürgerkrieg kurz darauf, aber eigentlich scheitern sie schon davor an verschiedenen Facetten von Realitätswahrnehmungsverweigerung.“ – „Tjaja, leiden wir nicht alle in verschiedenen Schattierungen darunter?“ - „Das Setting klingt jedenfalls sauspannend!“ – „Und in dieser Szene kommt es zum Bruch. Nicht des Paars, aber des Paars mit ihren Kontakten in Albanien. Und ihr sollt mir sagen, ob die Beschreibung des Streits zu abrupt endet.“ – „Darüber lässt sich trefflich streiten.“ – „Du sprachst ja immer wieder von ‚Pyramiden-Firmen‘ … ist das was Ägyptisches?“ – „Nein, wie Schneeball-System, nur umgekehrt. Der Wiki-Artikel zu ‚Lotterieaufstand‘ hilft weiter. Jedenfalls war das Geld vieler Albaner weg.“

„Du hast ja letztes Mal ein Gedicht vorgelesen… hier war jetzt auch einiges Lyrisches, Klingendes… etwa das Geräusch des Wassers im Krug, die Algen im Fischernetz… der Wind, der den Rauch wie ein Mensch einsaugt und ausatmet… und der mit den Scheinen wie mit Papierblumen spielt … mich hat allerdings der angedeutete Sprung zu ‚ein paar Jahrzehnte später‘ irritiert…“ – „Der Start des Romans spielt auch später, und dann folgen Erinnerungen und Rückblenden, allerdings mit unzuverlässigem Erzähler.“

„Du lachst dauernd in dich hinein, wenn du erzählst, womit du deine Protagonist:innen wieder als nächstes konfrontierst … zumal gemein, da sie unzulänglich auf die Realität – egal ob im größeren Bogen historisch korrekt oder im kleineren ausgedacht – vorbereitet sind … ich schwanke da zwischen Mitkichern und Entsetztsein.“ – „Ja, die haben bei dem Aufstand rund um die korrupten Banken auch Militärdepots geplündert. Kalaschnikows und Panzer neigen zwar dazu, Konflikte zu verschärfen, aber auch, Banküberfälle zu erleichtern.“ – „Da! Du lachst schon wieder!“

“Ich habe ja übrigens mal eine Zeitlang in Albanien gelebt …“ – „Wie hat es dich dahin verschlagen?“ – „Naja, auf die damalige Lebenssituation gehe ich jetzt mal nicht genauer ein, aber ich bin da mit ‘ner Checkliste zum Auswärtiges Amt wo man während der Pandemie problemlos hin kann und da waren dann Mazedonien und Albanien ganz oben. Vom Freundeskreis wurde ich gewarnt, dass man in Albanien erschossen wird und da war ich dann rein statistisch neugierig, ob das stimmt.“ – „Scheinbar nicht.“ – „Scheinbar nicht. Aber das Kleinstadt-Setting aus dem Roman, wo jeder jeden kennt und die Reputation sehr wichtig ist, kommt aus diesen Erfahrungen … oder dass sich sofort alle einbringen, in Diskussionen – das habe ich ja im Roman dargestellt – , oder in Echt hatte ich das Einbringen ins Thema ‚ich müsste mal den Baum im Garten beschneiden‘ … da standen sofort zwei Nachbarn auf der Matte oder dem Rasen und haben rechts und links parallel am Baum gesäbelt…“ – „Da muss ich an Stefanies Gedicht über Adam und Eva denken im ZAM in Erlangen… da war ja der Beschwerdebrief der Nachbarn über Wildwuchs der Auslöser… und die befreundete Künstlerin hat den wiederum in ein Kunstwerk umgewandelt, angereichert um das getrocknete Unkraut des Anstoßes!“

„Und auch bei den Recherchen über den albanischen Bürgerkrieg bin ich über so vieles Verrücktes gestolpert… und die Leute haben stets Stein und Bein geschworen, dass es wahr ist. Etwa der Bewohner, der sich als britischer Agent entpuppte und mit dem Hubschrauber abgeholt wurde, und unten hing noch ein ausgebuddelter Goldschatz dran. Allerdings ist mir selber beim Weitererzählen auf Englisch der Flüsterpost-Effekt passiert: Der Zuhörer hat ‚Goat‘ verstanden, aber eifrig genickt: ‚ja, ja, das Interesse des Auslands an der heimischen Flora und Fauna…“

Bühne frei für Stefanies Gedicht „Der Bierkuss“! – „Stark! In dem Gedicht steckt viel, was nichts mit dem Trinkvorgang zu tun hat… nautisches wie ‚der Gezeiten Spiel‘ oder das ‚blähende Gaumensegel‘, Biologieunterricht wie der Gaumenstempel …“ – „Na, und vor allem sinnlich-erotisches … vielleicht solltest Du alle expliziten Erwähnungen des Getränks weglassen… das Publikum eine Zeitlang im Unklaren lassen … das erweitert den Raum.“ (Nachtrag bzw. Empfehlung zum Weiterlesen/Weiterhören: Marleens Rant auf Substack zu ‚Mehr Sex, Drugs & Rock’n’Roll auf der Buchmesse!‘ und ihr Sex-Beziehungs-Podcast… wenn ich da richtig recherchiert habe… Anm. d. Prot.)(Bist Du sicher mit Deiner Prosopagnosie – und das ist ja nur das für Gesichter, den Begriff für Vergesslichkeit bei Namen weiß ich nicht –, dass Du sie anhand der Stimmerkennung im Podcast und der Textprobe im Blog wiedererkannt hast? Ich frage für einen unzuverlässigen Mitarbeiter… Anm. d. Red.)(‘türlich, ‘türlich… wichtiger ist, dass ich keine Prosa-Pagnosie habe… und ich frage mich, ob in Rantum auf Sylt öfter pöbelnde oder ablästernde Briten rumhängen. Was meinst Du? Anm. d. Prot.)

„Gute Idee! Und vielleicht auch die Muse weglassen…“ – „Schwierig. Das bestrafen die, dann fällt einem beim nächsten Text nichts mehr ein.“ – „Zu diesem Aberglauben fällt mir nichts mehr ein.“ – „Ja, ja, wenn die Muse sagt: Was fällt dir ein, höhö.“

„Weitere Outtakes waren noch: ‚Zapf! Mich! An!‘ und ‚Kuss schmilzt zu Gold“… aber dann erschien mir das Schmelzen zu schmalzig. Mit dem Schluss hatte ich sowie schwer zu kämpfen. Ich lese euch mal ein paar der unzähligen Varianten vor…“ – „Hm. Also die eine Zeile von Variante 2, kombiniert mit der Aktion, dem Tätigwerden aus Variante 4 klingt am besten…“ - „Na toll, jetzt hatte ich so viel am Ende des Textes gefeilt und jetzt muss ich es nochmal angehen nach eurem Feedback. Vielen Dank auch!“ – „Würden wir wieder tun!“ – „Es ist doch nur zu Deines Werkes Besten.“ (Der Plausibilitätschecker der KI hat den letzten Satz als ‚unrealistisch / vermutlich so nicht gesagt‘ geflaggt. Anm. d. Red.)(Das trifft zwar zu, aber ich verbitte mir, mir von der künstlichen Intelligenz gekünstelte Dialoge vorwerfen zu lassen! Kann die das überhaupt? Darf die das? Anm. d. Prot.)(Ja und ja. Anm. d. Red.)

 „Also, das Bier an der albanischen Riviera…“ - „Und nicht zu vergessen: Schon die Neandertaler haben Kölsch gebraut…“ – „Hört sofort mit eurer Assoziativitis auf!“ – „Da tauchen gleich Bilder auf, wie man betrunken mit dem Milchmann knutscht.“ – „Oookay… vermutlich besser als das ebenfalls genannte Bettnässen.“

„Ich könnte noch eine Szene veranstalten bzw. hätte noch eine zur Neandertalerin… diesmal versuchen ihre Freundinnen zu entspannen, nach dem Gefängnisbesuch…“ – „Also, das nimmt schon sehr Tempo raus… aber vielleicht passt es im Gesamtkontext…“ – „Müssten die nicht aufgewühlter sein? Dann kommt ja die Andeutung ‚du arbeitest in der Psychiatrie, wo sie untergebracht ist‘, aber da passiert dann nichts … da müsste sofort ein Bedrängen kommen: ‚Hilf ihr, auch wenn du da nicht mehr arbeitest!‘“ – „Ich würde die Szene erst mal nicht weiter ausfeilen, sondern so stehenlassen und den restlichen Text weitermachen. Wenn du dann irgendwann zu ihr zurückkehrst, merkst du dann schon, ob etwas daraus relevant ist oder nicht.“ – „Aber da wir gerade beim Thema ‚Entspannung‘ sind: gibt es einen guten Text, der die Leser:innen entspannt? Geht das? Oder wird dann der Text selbst langweilig?“ (angestrengtes, unentspanntes Überlegen. Anm. d. Prot.) „Stimmt schon… ein geschilderter, interpretierter Spaß kann mich ja als Leser anstrengen…“ – „Höchstens irgendetwas, was Behaglichkeit erzeugt… wir nehmen das alle mal als Hausaufgabe mit. Aber da gab es mal ein spannendes Sachbuch über das Thema, dass jede:r anders entspannt… die einen beim Tanzen, die anderen bei Massage, was die einen zum Beispiel wieder eher unruhig macht, weil sie sich unterhalten wollen. Und bei mir sind es monotone Tätigkeiten wie Sandburgen bauen oder bunte Post-Its mandalamäßig in verschiedene Muster kleben … he, ihr habt ja alle schon glasige Augen! Meine Mutter hatte zum Einschlafen auch so eine CD mit Vorträgen von einem monoton sprechenden Geschichtsprofessor…“ – „Oder Tierdokus! ‚Der Pelikan und sein Balzverhalten‘ oder so…“ – „Also, das finde ich immer eher spannend! Und im genannten Fall kann man ja sich vielleicht was abschauen…“ – „Was meintest du vorhin mit dem Zoologen, der ein Buch über den Affen ‚Mensch* geschrieben hat?“ – „Ja, inklusive Balzverhalten.“ – „Also, ich habe zum Entspannen aus Thesauren die Wörter alphabetisch abgeschrieben.“ – „Das gibt so ‚Bad Translator‘-Vibes … das ist dann schon wieder ein neues Kunst-Projekt!“

(Wow. In einem Text, in dem das Stilmittel des unzuverlässigen Erzählers vorkommt, verwendest du das Stilmittel des unzuverlässigen Protocollagisten … die Teilnehmenden fragen sich immer: „Das kam zwar so ähnlich vor, aber meine Erinnerung ist ganz anders!“ Anm. d. Red.)(Und das ganz einfach, indem Ich Ich bin. Das fasziniert mich auch! Anm. d. Prot.)(Du meinst: Indem Du unzuverlässig bist. Anm. d. Red.)(Darauf kannst du dich verlassen. Ja, ja, die Unzuverlässigkeit der Erinnerungen der sich Erinnernden… Anm. d. Prot.)

(Und as usual das unzuordnebare Fragment der Sitzung: „der kulinarische Kalender“. Anm. d. Prot.)(Clever, das an der Stelle einzubauen, wo auch die Leserschaft schon glasige Augen beim Vortrag über Entspannung und Langeweile hat… Anm. d. Red.)(Ich finde „glasige Augen“ übrigens eine komische Formulierung. Und ich finde, man müsste viel mehr Redewendungen anderer Sprachen verwenden und vergleichen…wie das schwedische ‚Auf einem Krabbenbrot dahingleiten‘ … oder die Isländer mit ihrem ‚überraschenderweise kam eine Rosine am Ende des Hotdogs‘... Anm. d. Prot.)

Am Schluss erfolgte noch eine einseitige Vorstellungsrunde zwischen Wortwerk-Gruppe und Komm-Team: Jemand von letzterem kam kurz vor elf vorbei, um zu fragen, ob hier noch alles okay ist oder ob wir zahlen wollen. (weitere Bewerber:innen für Protocollagen gesucht: bevorzugt zuverlässig, frei von Prosopagnosie, Prosa- und Lyrik-Pagnosie und Hypakusis … um das googeln bzw. ökologisch korrekt ecosian zu ersparen: Letzteres ist der Terminus für Schwerhörigkeit. Anm. d. Red.)(Wenn man Witze erklären muss, sind sie keine. Anm. d. Prot.)

PS: Wie immer am Schluss die Serie „Begrüßung in allen Sprachen dieser Welt, diesmal aus gegebenem Anlass Neandertalerisch: „përshëndetje / tungjatjeta, mirë që jeni këtu“. Nein, Quatsch, das ist aus gegebenem Anlass natürlich albanisch und heißt: „Hallo, schön dass ihr da seid.“ Während „Kush e ka parkuar tankun para piramidës?“ heißt „Wer hat den Panzer vor der Pyramide geparkt?“ … das versteht man mit etwas Englisch- und Spanisch-Background sogar fast… und lustig (und zu Marleens Geschichte passend) ist, dass in Albanien auch „Ciao!“ gesagt wird.

PS2: Die weiteren Sätze auf der Redewendungsseite, die – auch wenn es so nicht gedacht ist – im Zusammenhang gelesen Sinn ergeben, bringen die Schleife wieder an den Anfang: „Unë jam gjerman, Unë jam i lënduar. Kam nevojë për ndihmë!“: „Ich bin deutsch, ich bin verletzt, ich brauche Hilfe!“. In diesem Sinne stelle ich meine übliche Forderung nach Umweltschutz, Energienetz-Ausbau und Rücktritt der Fossil-Lobbyistin Katharina Reiche zurück und konzentriere mich auf die nachdrückliche Aufforderung nach Demokratie-Erhalt und dem Verbot rechtsextremistischer, demokratiefeindlicher Parteien. Dann hätte auch das Geeier ein Ende, dass Demokratie-Verteidigern und ihren Unterstützerinnen vorgeworfen wird, politisch nicht neutral zu sein. Bei demokratischen Parteien kann / darf / soll man ja an vielen Stellen politisch neutral sein. Aber nicht beim Faschischmus-Comeback des (aktuellen) Jahrhunderts.



Freitag, 17. Juli 2026

Ravioli vs Pasta - Fremd im Paradies

 Das ZAM – das Zentrum für Austausch und Machen in Erlangen – allein ist ja schon einen Blick – und natürlich mehr – wert: Eine Werkstätten beinhaltende Begegnungsstätte, ein bisschen wie in Nürnberg die Kulturläden und das KunstKulturQuartier/Komm mit seinen Werkstätten, aber mehr und weiter entwickelt. (Genau! Siehe die Goldfolienvorhänge und den ZAMberg … Anm. d. Prot.)

Und am letzten Freitag fand hier die Lesung und Vernissage „fremd im paradies“ statt: Die MarktschreiberInnen Eckental lasen aus ihrem Buch dieses Titels, das zum 10jährigen von FLEck, dem Flüchtlingshilfevereins Eckental, erstellt wurde. Auch Wortwerkerinnen lasen Texte vor … und eine Musikgruppe spielte … und ZAM stellte begleitende Kunstwerke aus. (Mehrfachnennung bei Mitgliedschaften möglich. Anm. d. Prot.)

Hinter „Lecture Hall 0“, wo schon die Instrumente aufgebaut sind, Uralt-PC-Technik vom seinerzeit Feinsten … siehe Fotocollage … „oh je, ist das die aktuelle Haustechnik?“ – „Nein, eine Mischung aus Hardware-Museum und Arbeitskreis Elektro-Reparatur.“

Im Publikum inkognito bzw. semiverkleidet ein laut Eigenauskunft Prominenter: „Will nicht erkannt werden.“ (Damit kann ich fast immer dienen, auch bei Abwesenheit von Verkleidung. Gibt’s eigentlich eine Demaskierungs- und Namenserinnerungs-App? Anm. d. Prot.) Das erlaubt ein erleichtertes Nicken und die Bestätigung „Klasse, es funktioniert. Ich habe Sie nicht erkannt.“ Das „wer Sie auch sein mögen“ schlucke man dann einfach herunter. 

„Das mit den Spenden statt Preisschildern und Eintritt hat sich sehr gut bewährt.“ - “Stimmt. Und ich muss schon sagen, das Buffet ist ja explodiert, also bezüglich Vielfalt und Menge … ich hatte im Vorfeld eigentlich nur gesagt ‚ich bringe noch Suppe von der Arbeit mit‘. Und dann wollte sich natürlich keine:r lumpen lassen…“ - „Und wo ihr hier schon zufällig so schön nebeneinandersitzt: das ist übrigens meine Mutter.“

Geblättert im Buch „fremd im paradies“: „Misosuppe ist nichts für meinen Gaumen.“ – „Äh … hallo? Die isst man nicht konzentriert!“ Kichern. Dieses „die Leute, die stolz ihre Ignoranz vor sich hertragen, werden doupiert“ ist sooo befriedigend (ist das ein Warnzeichen, dass psychologisch mit einem etwas nicht in Ordnung ist? Anm. d. Prot.)(Es ist ein Warnzeichen, wenn man Autokorrekturvorschläge dauernd ignoriert: „soupiert“ und „toupiert“ wären mit „ou“ geschrieben worden, Du meintest „düpiert“. Aber ich lasse es mal drin, weil es Dich düpiert und damit zum Thema passt. Anm. d. Red.) 

„Nicht klatschen! Das war noch das Einstimmen der Instrumente!“ – „Ja, aber besser als mancher Band Fertigprodukt.“

Barbara Rößner von ZAM dankt für Kooperation von Händen, Herzen und Hirnen. „Wer hat noch nie hinglangd? Nein, das ist jetzt keine Abfrage, wer nicht mit aufgebaut hat, sondern wer noch nie im ZAM war? Ah ja, danke. Also, Werbung: Arbeit verbindet. Wir ‚ZAMzis‘ freuen uns ja immer über das pandemische Verbreiten des Zusammenarbeits-Virus. Denn anfänglich war das ZAM nur die Location für die Lesung, aber dann haben die MarktschreiberInnen uns eingeladen, doch Kunst zu ihrem Text-Projekt zu machen und da haben wir natürlich nicht nein gesagt. Wäre ja auch komisch, wo wir Austausch und Machen im Namen und im Blut haben! Also draußen die Vernissage, da können Sie in der Pause von den Paradeisern und den anderen Häppchen kosten und die Kunstwerke genießen. Fühlen Sie sich wie zuhause, denn Sie sollen sich – gerade an diesem Abend – nicht fremd im ZAM fühlen.“ Applaus. „Musik!“

Hanne Mausfeld startet mit einer Präambel von Wolf Biermann „Paradies uff Erden?“, (S.53) (Die Seitenzahlen immer in Klammern, zum Nachlesen :-) : … das Buch kann man in den Buchhandlungen Eckental bestellen… bei Amazon sind nur ähnliche Titel, aber falsch, wie „Fremdlinge im Paradies“, „Die Fremde im Paradies“, „Fremder im Paradies“, „Der Fremde im Paradies“, „Wie ein Fremder im Paradies“, „Fremde im Paradies“, Anm. d. Prot.) das die Strapazen der Flucht und der Ablehnung beschreiben, die mensch nicht ungeschehen machen kann .. aber unser Lächeln erreicht und ermutigt diesen Menschen.

Dann ihr eigener Text (S. 50) „Ahnungslos 1955“. Remscheid in NRW, die Fünfziger: Die Kinder tasten sich an die neuen „Gastarbeiter“ heran. Buon giorno und Bonbons. Für die Ablehnung – „Itaker! Spaghettifresser!“ – sind die Erwachsenen zuständig… bis auf Utes Vater, beruflich ab und zu in Sizilien. Weiße Flecken im alten Atlas, gesendete Postkarten, aber vor allem die mitgebrachten Leckereien wecken kindliches Fernweh und Reisewünsche nach Palermo … und Spaghetti und Pasta beziehungsweise das italienische Essen generell: wie können die ahnungslosen Deutschen, die Ravioli aus der Dose für normal halten, das als „Fraß“ bezeichnen? Das Publikum kichert konspirativ und ahnungsvoll, ebenso wie bei der Stelle, dass der Panettone bezeichnenderweise von der Firma „Allemagna“ kommt. (dass „Itaka“ einst neutral „italienischer Kamerad“ war, ist interessant, aber die Wortherkunft des schweizerischen Pendants „Tschingg“ ist spannender: Es kommt vom Ausruf „cinch a la mórra“, „fünf im italienischen Spiel Morra“, bei den Römern hieß es „Micatio“. Ein römisches Sprichwort beschrieb eine ehrenwerte Person mit „eine Person, mit der man Micatio im Dunkeln spielen kann.“ Unglaublich, welche Wendungen Sprache nimmt… Anm. d. Prot.)(Pack so was bitte künftig in Fußnoten, damit man das schneller überfliegen kann. Anm. d. Red.)

Emma Kronenberg zählt in „Paradies“ (S. 42 „life, the universe…“) auf, was das Leben alles ist und bringt. Dann der Wechsel zum „Du“, der Person mit dem zerschlagenen Leben, das neben seinem Leben und dem, was es ausmacht, steht – „Deine Augen malen die Welt grau“; und dann dem „Ich“, das hilflos neben dem „Du“ neben Deinem Leben steht … und verzweifelt den richtigen Kleber oder Kitt im Werkzeugverbandskasten sucht, aber kann das „Ich“ das richtige finden, wenn es nie IM Leben des „Dus“ gestanden hat, sondern quasi nur daneben? 

Beim Applaus wirkt das Publikum sehr nachdenklich (klar, erste zweite dritte Person, da hatte ich in der Schule auch immer Probleme. Anm. d. Prot.)(Nein, es – das Publikum, dritte Person Plural – war nachdenklich wegen des ernsten Sujets des Gedichts, Du Banause! Anm. d. Red.)(„Banausen“ waren früher übrigens hart arbeitende, praktische Handwerker. Vorsicht mit dem Bashing! Anm. d. Prot.), und auch der nächste Text ist melancholisch:

Barbara Maisch „Es ist kalt“ (S. 28) … wie schnell ein von der Wintersonne kaum gewärmter, frierender Mensch, ein Obdach- und Wohnungsloser, ein Nomade, ein freiheitssuchender Zugvogel – den „lästigen“ Stadt-Sperlingen gleich – mit „Dreckspatzen“ gleichgesetzt wird. Die oft verschlossenen Herzen um ihn herum – nur einzelne Frauen schenken ihm Turnschuhe oder teilen ihren Schnaps, während er offenherzig mit Sperlingen seine letzten Brotkrumen teilt: „Die Sonne fühlt sich jetzt doch ein bisschen warm an.“

Marina Niehoff „Von der Wahrscheinlichkeit, erschossen zu werden“ (S. 69) bringt dann wieder zum Lachen, wenn auch teils erschrockenem, da makabres wie ein Auto mit Einschusslöchern vorkommt … oder „ja, ja, ein Vulkan bringt Abwechslung, und sei es Katastrophentouristen“: Ingrid und Mauricio scheinen auf der Flucht, da Mauricio zu Unrecht Unterschlagung unterstellt wurde.

Die mexikanische Landschaft, das „Skelett der Zuckerfabrik“ und dass dort vor der Ernte die Felder abgebrannt werden – was Schädlinge bekämpft und paradoxerweise die Ernte erleichtert, aber natürlich auch ungesund und umweltschädlich ist.

Der Perspektivwechsel zum Leiter der Bank, der gedanklich zu dem Skandal um Mauricio wechselt und sich unversehens dem Subjekt der Lästereien – aber vor allem der resoluten Ingrid – gegenübersieht, und verzweifelt versucht, Haltung zu bewahren, führt dann zu befreiendem Gelächter beim Publikum.

Und erst Anna-Lena Descys „Ravioli im 5-Millionen-Sterne-Hotel“ (S.25)! Da stimmt einfach alles: Wie es zu der Idee der „Oldtimer-Schlitten- Rallye“ im „wild beklebten Volvo“ quer durch Skandinavien bis zu den Baltischen Staaten kam, wie die ursprünglichen Erwartungen waren und in welcher Form sie – dank offener Herzen der Einheimischen und einer spontanen internationalen Biertauschbörse – dann erfüllt wurden. Und unter einem verzaubernden Sternenzelt können trotz Sturm und Regen auch Ravioli ein Genuss sein!

Als letzten Text vor der Pause bringt die Wortwerkerin Tina Stark „Die Insel“ zu Gehör.

„Der Vorleseplatz wurde mir nass überlassen, zum Glück Wasser- und keine Rotwein-Flecken … das muss noch der Regen aus Anna-Lenas Geschichte sein, aber Wasser passt auch zu meiner.“ (und es wird kein „fremd im Paradies“, sondern „Paradies in der Fremde“ Anm. d. Prot.)

Von Neugeborenen, die der warmen Geborgenheit nachtrauern, über das Verlassen von Orten und das Begeben in neue – „alles anders auch man selbst“ – kommt die Ich-Erzählerin auf ihre in der BRD zerstreuten und zerstrittenen Familie und von dort zum Paradies, das – wie die Kunst – bei Max Ernst und Caspar David Friedrich nahe an der Kindheit ver(sehnsuchts)ortet werden. Die Ich-Erzählerin, trocken: „Mein Heimatort, ein Paradies? Nein.“ Ein spontaner Kurzurlaub, nach Ewigkeiten mal wieder am Meer, bringt erstmals das Gefühl, heimisch zu sein… „… in der Fremde? Kann das sein?“ 

Natürlich wird das wieder mit vielen liebevollen Details angereichert, etwa bei den Hügelgräbern den Geschichten der Steinzeittoten zu lauschen und umgekehrt, oder salzige Abschiedsszenen am Meer (soll das auf Tränen und Meerwasser anspielen? Bitte kein Nachdichten! Das kam so nicht vor! Anm. d. Red.)(Aber das Freiheitsgefühl beim Tauchen am Schluss wohl! Anm. d. Prot.)

„Jetzt noch etwas Musik in der Pause und Gespräche mit den Künstler:innen in der Vernissage!“ (war es peinlich, als Erster – und dann von den anderen erst einmal ungefolgt, da sie weiter sitzend der Musik lauschten – aufzustehen und zur Ausstellung und dem zufällig sich dort ebenfalls befindlichen Buffet zu gehen? Ich frage für einen imaginären Freund und Mitarbeiter… Anm. d. Red.)(Mich würde eher die emotionale Reaktion der Leserschaft interessieren: Fremdscham, Erleichterung dass es anderen auch mal so geht, etc.? Anm. d. Prot.)

„Hallo, Fremder!“ – „Wenn das in einem Buch oder Film auftaucht, ist immer klar, dass das scherzhaft oder spielerisch zu bekannten Gesichtern gesagt wird, nicht zu tatsächlich fremden Personen!“ – „Von wem war noch mal der Spruch: ‚Fremd ist der Fremde nur in der Fremde?‘ Und lasst eure Handys da, wo ich sie sehen kann!“ – „Sich beim Get-together einfach bei einem fremden Grüppchen dazu zu gesellen, muss man sich erst mal trauen …“ – „Stimmt. Aber wo, wenn nicht auf dieser Vernissage?“

„Hier, bei diesem Kunstwerk darf man einzelne der Kärtchen, die dieses Gesamtpanorama ergeben, austauschen … gerade auch das farblich leicht verfremdete…“ – „Ach so! Tut mir leid, Jahrzehnte der ‚Bitte nicht berühren‘-Erziehung … bitte in solchen abweichenden Fällen ein ‚Berühren / physische Interaktion mit dem Kunstwerk explizit erwünscht‘-Schild anbringen.“ – „Werde ich mir merken. Nein, auf der Rückseite sind die Kärtchen nicht bemalt, Sie können es aber natürlich trotzdem auch andersherum hinhängen… dadurch wirkt es halt leicht abstrakt…“ – „Stellt dann vielleicht Schüchternheit und Ängste dar… hm…“ - „Und der Snacktisch ist dann das Kunstwerk zum ‚Anfassen und Anbeißen‘…“ 

Agnieszka W. Baszczyńska von Wortwerk liest „Verzerrt“ vor, eine – trotz nicht vorhandener Handlung! – spannende Science-Fiction-Dystopie, bei der das Setting „Menschheit ausgestorben, die Maschinen werkeln – sich selbst reparierend und erhaltend – weiter“ erst nach und nach klar wird.

Der Text hält das Publikum in der Schwebe, zwischen Schrecken und Amüsiertheit … dass nach dem Tod des letzten Menschen die Spuren seiner Unordnung zügig beseitigt wurden… dass die Menschheit den Maschinen die Sinnlosigkeit vorgelebt hat … „Ist ein menschengeschaffenes Paradies besser ohne Menschen?“ … dass Benutzer weiterhin simuliert werden, bei denen News und Actionkino sehr beliebt sind, Nervenkitzel als sinnloses Echo in friedlichen Zeiten. Letzte Datenwellen der Menschheit, wie Gezeiten. Ein wie in einer bewegten Pfütze verzerrtes Spiegelbild der Menschheit. Kraftvoller Applaus, da dieser nicht wie das Lachen im Halse steckenbleibt…

Ralph Smutny (S. 83) „Das falsche Paradies?“: Ist Protagonist Yoshi in der Kurzgeschichte im falschen Film bzw. Paradies? Aber wieso falsch? Der beschriebene Garten ist doch die pure Idylle! Aber sein Meister gibt ihm fürsorgliche Schläge auf den Rücken, um seine Meditation, das Zazen, wieder in die richtige Richtung zu lenken, nämlich der Suche nach Erleuchtung. „Aber das war doch schon paradiesisch?“ Selten konnte ein Publikum den inneren Konflikt eines Charakters so goutieren! (Dou mit Deinen „ou“s allerweil… Anm. d. Red.)

Die Erzählung „Der Einkauf“ (S. 54) von Irmi Knappe hält das Publikum hingegen auf den Kanten der Sitze (kommt daher die Redewendung „auf Kante genäht“? Anm. d. Prot.): Eine Reise nach Delhi, „auf den Spuren der Maharadjas“, fällt einem Paar sozusagen in den Schoß, wegen kurzfristiger Verhinderung der Buchenden, allerdings verirren sie sich zwischen den Planenhäusern, obwohl sie initial die Empfehlung der Reiseleitung „Rikscha rufen, Preis vor Start aushandeln, so seid ihr sicher unterwegs“ einhalten… die Spannung steigt. „Sie blicken in fremde Gesichter, die ihnen ihre eigene Fremdheit spiegeln“ ragt als starker philosophischer Satz heraus. Ein Junge organisiert einen Angehörigen mit Auto, der sie zurück ins Hotel bringt. „‘Glück gehabt‘, sagt die Reiseleiterin, ‚die Chancen standen 20 zu 80.“ Wieder Lachen, das nicht völlig unbefangen ist.

Völlig unbefangen hingegen Stefanie Hengstmann von Wortwerk mit dem Gedicht „fremd im Paradies / Auf der Suche nach Eva“: In der weiblichen Fanrunde im Anschluss wurde die vorzügliche Anzüglichkeit des Gedichts diskutiert, in dem Adam einen Apfel verspeist und dabei dauernd an Eva denkt. (quasi: „also, bezüglich der auch in Auszügen vorhandenen An- bzw. Auszüglichkeit…“ Anm. d. Prot.)(Gib zu, Du bist froh, dass die diese Einschätzung ausgesprochen haben. Anm. d. Red.)

„Adamsapfel, aussamend“ wäre laut Autorin dann der Titel des „Making-of“, der Entstehungs- oder Migrations-Hintergrund von Vermieterbrief zu Gedicht … zu Kunstwerk. 

 „Hier, auf dem Kunstwerk von (Name von der Redaktion geändert. Anm. d. Prot.)(Das stimmt doch gar nicht! Du hast ihn nur nicht notiert / erfragt! Anm. d. Red.) mit dem gepressten Original-Unkraut, sind die relevanten Auszüge des Briefes, den meine Vermieter mir geschickt haben, eingearbeitet. In denen geht es um den Wildwuchs in meinem Gartenteil. Das hat sozusagen eine künstlerische Kettenreaktion angestoßen.“ – „Verstehe. Das ‚aussamend‘ war also das Wort des Anstoßes, zur Erstellung des Gedichts.“ – „Genau. Anfänglich wollte ich die Vermieter noch zur Vernissage einladen, aber …“ – „… aber dann lieber doch nicht eingeladen zum Lauschen des anzüglichen Gedichts?“ – „Genau! Wir wollen schließlich kein Be- oder Ent-Fremden.“ – „Ja, lieber keinen Streit vom zugewucherten Zaun brechen.“ – „Das wird sicher mal eine Redewendung: ‚veredelst Du mahnende Vermieterbriefe zu anzüglicher Kunst, lade sie nicht ein!‘“

(Adams Apfel fällt nicht weit vom Zaun, könnte man also abschließend sagen. Anm. d. Prot)(Ich antworte erstmalig mit einem Emoji, nämlich „Augenrollen“: 🙄! Du solltest lieber erwähnen, dass sie neue Interessentinnen für Wortwerk angeworben hat, und zwar sehr clever, sehr niederschwellig, „anfangs gerne einfach nur zuhören“ … Anm. d. Red.)(„Anzügliche Texte beim Anwerben neuer Mitglieder“ … eine mögliche Studie für die ganzen Sekten? Anm. d. Prot.)

Carola Grossmann „Von Berlin in die Fremde“ (S. 37) zieht einen mit dem Setting „begegnen sich zwei Berlinerinnen in der hiesigen Fremde“ sofort in die Handlung, in den Dialog, der die konkreten Mauerbau-Erinnerungen „letzte Entscheidungsmöglichkeit: wo woll‘n se hin, West oder Ost?“ mit makabren Familiendetails wie „Mama, die Kinder sagen, bei eineiigen Zwillingen stirbt das andere oft kurz darauf“ / „ihr wart zweieiig“ ergänzt… wieder ein meisterlich geführtes Changieren zwischen fröhlichem Lachen bei „beim Antrag auf Versetzung stand Bayern und Australien zur Auswahl, beides gleich fremd…“ zu steckengebliebenen Lachen, dass bei den schikanösen Grenzkontrollen das imperialistische Mickymausheft konfisziert wird. Das Johlen im Publikum bei der Schlusspointe „een Erlanger Jesellichkeitsvereen hat uns als Edelpreußen aufjenommn“ wird entsprechend betreten gleich wieder abgebrochen.

„Fremd in der Waldstadt“ (S. 48) von Fiona Schnorr nimmt die Perspektive der Fremden ein, quasi ein „Zauberhaftes Idyll hier, aber leider ist mir alles fremd.“ Nur ein kurzes Gedicht, aber mit kraftvoller Botschaft, dass mit jedem einen Schritt das Gefühl der Zugehörigkeit auftritt, aber mit jedem zweiten, nur zu Gast zu sein.

Last but not least Maike „Ich will nicht das letzte Wort haben“ Bodry mit „Vergessene Gärten“ (S. 64), das auch vorne bei der Vernissage an einer (leider nicht abblätternden oder umrankten! Das hätte gepasst! Anm. d. Prot.) Säule ausgehängt ist. Ihr Text beschreibt mit allen Sinnen ein verwunschenes Kleinod. Das Städterbetonherz platzt auf – sowohl den Zuhörer:innen, aber auch der Ich-Erzählerin im Text.

„Du musstest auch lachen, als sie das ‚quiiiiietschen‘ der Angeln so deutlich gelautmalert hat, oder?“ – „Ja! Und ‚verwildert‘ ist ja das neue ‚super gegärtnert, Biodiversität und Bienen erhalten, top…‘“ – „Naja, noch nicht in allen Köpfen… gut gefiel mir auch das ‚famoos‘ oder das ‚Walnussfloß‘. Und das Katzenohrentraumzucken!“ – „Das waren so Vibrations, was alles möglich wäre… erinnert mich an ein Interview mit Jane Goodall, wo sie so sagt ‚ich habe kein Problem damit, mich in Städten aufzuhalten, ich trage den Dschungel im Herzen‘ … oder so …“ – „Ja, Maikes Gedicht ist auch so ein Kraft-Care-Mental-Paket für grau-urbane Verzweiflungsmomente … der Dschungel in klein … das erinnert mich an das ‚Buntes Amt für Zukunft‘ … musst Du mal suchmaschinieren… Visualisierungen von wirklich grünen Städten am Beispiel Nürnberg …“ – „Ok, mach ich, aber suche Du mal nach ‚Studie Stadtbäume‘ und dann jeweils Uni München, Uni Gießen, Uni Karlsruhe dahinter … aber welche Kommune setzt die gegebenen Empfehlungen schon um?“ – „Psst! Bitte nicht in die Musik plaudern!“ – „Nein, schon gut, das ist jetzt wieder das Stimmen der Instrumente.“ – „Genau, die Hitze verstimmt nicht uns Musiker:innen, haha, aber sehr wohl die :instrumente! Jetzt aber zum eigentlichen Stück…“

„Zugabe!“ – „Wir wollen den Bandnamen!“ – „Zugegebenermaßen waren wir auf keine Zugabe vorbereitet, aber hier noch mal das erste Stück, das sowieso gut zu den Temperaturen passt: ‚verschneite Birken‘. Einfach vorstellen, vielleicht hilft das…“ (fade out to second come-together Anm. d. Prot.)

Intertextuell bzw. interkunstwerklich tolle Themen- / Perspektiv- / Leichtigkeits- / Formats-Wechsel! Ein gelungener kunstprallvoller Abend von Menschen, die das Herz am … äh, rechten Fleck haben! Das Wort lassen wir uns nicht auch noch kapern!

Liebe Grüße Jogi

PS: heute schon gegen die Gas-Lobbyistin und den Blackrock-Außendienstler protestiert / petitioniert / demonstriert?