Mittwoch, 16. September 2026

Aliens qua Maronensuppe Behaglichkeit vermitteln

 „Außerhalb der vertrauten Mauern der eigenen Stadt, in der Fremde, rollte er wie ein Kiesel die verlassenen Straßen herunter…“ – wieso kommt mir gerade, auf dem Weg zur Lesung „Störfunk“ von Wortwerk Erlangen, dieses (sicher wieder nicht korrekt zitierte! Anm. d. imaginären Redaktion) Zitat aus Bettinas und Günters Buch in den Sinn, obwohl mir die Stadt noch halbwegs vertraut ist? (außerdem war der heutige Ohr- oder Hirnwurm aus diesem Buch ein Satz über Jugenderinnerungen: „Schmuseblues war damals (sozial akzeptiertes) Petting (statt Pershing) im Stehen“ … das sehe ich doch an Deinen Hirnmuster-Scans. Anm. d. Red.)

„Dies ist die Haltestelle der Verdammten!“ Ich sage nichts, denke im Weitergehen nur „Äh… das hier ist keine Haltestelle!“ und „Komisch, immer an der gleichen Stelle zwischen Bahnhof und E-Werk, wo die vermutlich Philosophie-Dauerstudenten im wenn dann mittlerweile fast dreistelligem Semester (Nicht unbedingt. Es gibt auch Senioren-Studiengänge. Anm. d. Red.) solche – auf das erste Hören tiefgründige – Sätze ablassen.“ Folgegedanke: „wie war das mit den falschen Haltestellen vor Seniorenresidenzen mit Dementen? Wo man sie wieder einsammeln kann?“ Alptraum-Blaupause: „aufgrund Orts-Unkenntnis dort zu sitzen und dann mit eingesammelt zu werden.“

„Aus Etzelwang? Wow … das klingt wie ein Ort aus alten Sagen. Und ganz schön weite Anreise!“ – „Es geht gleich los. Ich verteile mich mal.“ (der Satz stammt nicht vom multiplen Stefan. Anm. d. Prot.)

Tausendsassa Stefan heute nur in fünf Rollen (bitte jeder nur so viele Persönlichkeiten und Kopfstimmen wie Rollen! Danke! Anm. d. Prot.) oder multiplen In- and Outpersonifikationen (ach was: da verschwindet plötzlich die Unterringelung der Autokorrektur? Und warum gibt es „Unterringelung“ nicht? Anm. d. Prot.), und zwar als Anheizer, Moderator, Ton-Bild-Techniker, vorlesender Autor und Vorlese-Vertretung.

Und Jubiläums-Counter: „Willkommen! Jubilieret, auch wenn Wortwerk übrigens dazu neigt, seine Jubiläen grandios zu verschlafen. Beim nächsten passen wir mehr auf. Jetzt aber schlüpfe ich in die Rolle von Rosa, unserer Aphorismen-Spezialistin. Ihr könnt sie nicht sehen, aber verstehen.“ (muss ich das verstehen? Anm. d. Red.)(Und für was ist sie Spezialistin? Für römische Tonkrüge? Oder Bierschaum-Geburten? Ich hab nur das Asterix-Latiinum, und ich darf mich ja nicht als Suchmaschinist betätigen, bis ich abgeliefert habe… Anm. d. Prot.)

Und schon trägt er zwei dicht gedichtete Miniaturbilder in fremden Zungen vor… im ersten geht es um die gestörte Welt der Textschaffenden, deren Produkte von den SoKIal Media Tecbrollionares einfach weggeerntet werden. Das „rage against the musk“ kann als Aufruf verstanden werden.

„Hast Du das zweite Bild verstanden?“ – „Hm… nein … ich möchte an den Vorschlag vom letzten Mal erinnern, dass Lyrik immer doppelt vorgelesen wird oder im Teleprompter mitläuft. Aber aufgewühlt hat es mich, da es Seiten aufzieht nein Saiten in einem anschlägt, die nervlich weltschmerzereignistechnisch schon angespannt sind.“ – „Ich weiß nicht, ob erneutes Lesen geholfen hätte … aber sie bezieht sich scheinbar auf etwas Abstoßendes, was sie in TikTok gesehen hat, über Österreich und die Deutschen… alter Satzbau oder alte, vielleicht ewiggestrige Rhetorik, jetzt ja wieder frisch in der BRD? Aber jedenfalls enthielt es am Schluss ja wieder einen Appell, einen Aufruf: ‚reinvent tiktok‘!“ – „Hm. Der Ruf nach Regulierung, auch für Minderjährige, die dort zur Wählerschaft der Extremisten geformt wird? Aber wo platziert man den Aufruf? Per Hashtag in den sozialen Medien?“

„So. Ich war nicht live, denn ich war nicht ich.“ (bist Du vorhin zu lange bei den Studis an der imaginierten Bushaltestelle gestanden? Anm. d. Prot.) „Jetzt kommt aber unser erster Live-Autor…“ – „Na, das ist jetzt irgendwie Bashing von Abwesenden auch wenn unbeabsichtigt, oder?“ – „Nur wenn man sich in sowas reinsteigert.“ – „… und zwar: Thomas mit Gewitterfunken!“ – „Nein, der Titel ist ‚Gewitter mit Funken‘.“ - „Moment, ich war grad schon wieder abgelenkt … hat er ‚Hemd wozu zumachen‘ gesagt? Und mit wie vielen F’s war jetzt die tiefliegende Jeans? Und hatte der erwähnte Wortschatzkurs wirklich den Titel ‚Kaffeegequassel‘?“

„Das mit dem ‚sich immer weiter von der im Pass angegebenen Größe entfernen‘…dafür sollte es einen Begriff geben, finde ich!“ – „Hihi, der Gedankensprung von der ‚mittlerweile-Jäger-und-Sammler-Rennstrecke‘ a.k.a. Einkaufspassage zum Flaniertempo im Paris des 19. Jahrhunderts war klasse… dass damals eine Schildkröte an der Leine bedeutete: ‚Sehet, wie viel Zeit ich als Luxusgut habe!‘“ – „Auch nicht schlimmer als Statussymbole wie strass- oder diamantbesetzte Handys, Faltenstraffgeräte, Felltaschen oder Hightech-Badezimmer.“ - „Genau: Bereichert und berauschet euch!“ – „Er hat recht: Eine Schildkröte ist eine Lebensentscheidung, da sind Hund und Baby gar nichts im Vergleich.“ – „Das hat er nicht gesagt!“ – „Aber dass dem Schlossgarten deine Kaufkraft egal ist.“ – „Apropos Lokalkolorit: Der Satz ‚Vor der Anatomie steige ich auf‘ mag zwar in der Student:innen-Radfahr-Stadt korrekt sein, klingt aber trotzdem komisch.“ - „Aber die Begrüßungen, das stimmt so wirklich! Hallo, ich heiße [Vorname]. [Studienfach 1], [2], [3]…“ - „Offene Frauenblusen als erfolgreiche Abbitte gegenüber Männern für die Shorts des falschen Fußballclubs: ist das sexistisch Frauen oder gegengeschlechtlichen Männern gegenüber?“ – „Ich bin ja wie gesagt mit meinem Latein am Ende bzw. habe nie damit angefangen: Wie heißt korrekterweise der nicht einmal begonnene Coitus Interruptus, den er da beschreibt?“ – „Vielleicht ‚Anbahnungsbeendigung‘? Aber frag mich nicht nach dem lateinischen Begriff…“ 

Plan B war nicht das eingezwickte Ei, aber es macht redseliger, bzw. drängt es zur Schmerzweitergabe: beim Radio-Bashing, die ja auch wirklich nur selten wahre Schwarzbrotmusik spielen. („Unerträgliches – fettes? – Brot gib uns heute“? Anm. d. Prot.)

„Das Bild von der Autobahn als letzter Wildnis ist jedenfalls stark... und das akustische Bild von den Riffs auf der Hupe... aber derb gefällt er mir natürlich am besten, mit den PS-zu-IQ-Quotienten oder wenn er von Audio zu Audiärschen kommt.“ (Dass das „Audi“ übersetzt „Höre!“ bedeutet und sich auf den Firmengründer „Horch“ bezieht, der kein dummer August war, weiß sogar ich … aber Teil Zwei, ist das dann „Culus“, „Podex“, „Nates“, „Anus mundi“ oder „Clunes“? Anm. d. Prot.) (Du würdest im Comic jedenfalls „Blateronix“ heißen, du Waffler. Anm. d. Red.) (Interessant: „Arschloch“ ist germanischen Ursprungs und bei den Römern nicht belegt. Aber hier, die haben scheinbar wirklich „Geh doch zur Kreuzigung!“ gesagt statt „…zum Henker“ oder „…zum Teufel“ … he! Hast du das Internet abgeschaltet? Ach so, ich sollte ja nicht bis Abgabe… Anm. d. Prot.) Der gleiche Parkplatz nach Rückkehr bedeutet jedenfalls wahre Heimat, lernen wir. Zumindest im automobilnormativen Kontext. Stark! Jetzt aber schnell das Ei befreien.

„Jetzt ich als ich.“ Und schon aktiviert das Zweit-Ich, das Techniker-Ich, noch einen zusätzlichen Scheinwerfer für das Autoren-Ich, der den Vor-Vorlesenden verwehrt blieb. (So entstehen Verschwörungstheorien! Anm. d. Prot.)

(Weitere Anm. d. Prot: Triggerwarnungen blieben an dem Abend aus, daher ersatzweise hier eine Vorab-Zusammenfassung bzw. der Versuch desselben, da der vorgelesene Text unfassbar unergreiflich und im Fließtext mal wieder nicht zu beschreiben ist: ein Delorean (Augen auf beim Kauf, in der Jetzt-Zeit keine Ersatzteile mehr!) wird zu einer angeblich vier- aber ggf. mehr-dimensionalen Gleichzeitigkeitsgeschichte, in der man man dem Radiosender (sic!) „Störfunk“ auf keiner Frequenz und nicht mal frequenzlos entkommt und einem schwarzbrotlosen Künstler über die Schulter auf den leeren Teller schaut, untermalt von unterschwellig ans Publikum gerichteten Bitten um geheime Agenten, Heraus- und Dankes-Geber. Oder so.) (Wieso sollte ich die Ausflucht „In Fließtext nicht zu beschreiben“ akzeptieren, wenn er doch auch linear vom Blatt vorliest? Anm. d. Red.)

Vierdimensionale Gleichzeitigkeit ist in einem auktorialen Delorean kein Problem. Nicht, dass man das Vehikel in der Geschichte bräuchte, aber so hat man einen Radioempfänger mitgeliefert bzw. eingebaut, der wiederum auf den unentrinnbaren omni- und panfrequenzen Radiosender Störfunk verweist. Helden anderer Geschichten werden eingebaut sowie weiter unten dann auch vergangene Passagen recycelt. (Ich erwähne es schon mal hier, da dazupassend. Und der vorlesende Autor erwähnt die auktoriale Moderatorin, was bei bei mir schon wieder aufgerolltes Gyros aus den Gyri/Hirnfalten meines Lobus frontalis macht … ich weiß nicht ob Stefan Winter einen positiven oder negativen Koeffizienten auf der Stefan-Schmitzer-Absurdi-&-Vortragsintensi-täteretäts-Skala hat … vielleicht müssen wir sie auch in Winter-Schmitzer-Skala oder Stefanitäts-Skala umbenennen Anm. d. Prot.) (wo war ich hängengeblieben? Anm. d. Prot.)(Ich glaube, das ging mir bei der letzten Lesung mit dem Rekapitulieren seines Textes auch schon so. Anm. d. Prot.)(Also bleibt nur die Kapitulation? Anm. d. Red.)(Nein. „Das Kapitel ist mein Kapital“, sprach schon Marx. Schade, das lässt sich nicht in Kapitälchen setzen… Anm. d. Prot.) Der Autor wendet sich ab und zu ans Publikum, aber nur das in der Geschichte, das sich wie das echte also sein Publikum an der Kunst erfreut, da diese, so der Autor des Autos, Ablenkung von Geld, Stress, Familie und Sorgen bedeutet, und so zieht er uns tiefer, in den Disput zwischen Fred(oder Felix?)-„an-sich-cool“-Managa (oder Veranstalter) vs. Timmyboy (Letzterer ist battle arm, da Künstler. Die Sprache ändert sich erst bei Erfolg. Anm. d. Prot.) und dessen Wünsche, nach dem Gig von Managern, Agenten oder wenigstens von Fans mit einem „echt cool, danke!“ angesprochen zu werden (was ihm zum Glück abschließend in Echt am Ende der Veranstaltung passiert Anm. d. Prot.)(Du meinst dem Multi-Stefan, nicht dem Timmyboy. Mann! Madness spreading ... Anm. d. Red.) 

„Das Bild der Todeszigarette beim Blick in den wunderbar ungetrübten Wüstenhimmel geht mir unerklärlicherweise nach… dabei bin ich Nichtraucher und Wüstenmeider…“ – „Also, ich merke mir neben ‚das Licht am Ende des Tunnels kann auch blenden‘ und den immergleichen, völlig bandunabhängigen Kritikpunkten der Fans erster, zweiter und dritter Stunde den Bonzenbenzrest-Test: Wenn Du überfahren wirst, welcher Ton oder Gedanke bleibt der Nachwelt von Dir? Das ist eine derbere Variante des ‚Was willst Du mal auf Deinem Grabstein stehen haben‘…“ – „Auch, wenn es nicht ums Auto ging: Dass die Firma Delorean pleite ist, nimmt mich mit … quasi auf eine Zeitreise in die Kinosäle meiner Kindheit…“ – „Aber mit ‚Ersatzteile oder leerer sind bei einem zeitreisefähigen Modell nicht relevant‘ hat er doch nicht recht, oder? Wenn es dann doch nicht mehr zeitreisen kann? He, ich habe Dein Augenrollen genau gesehen!“

Stefan übergibt an Stefanie, ohne sie zu impersonifizieren. Und sie dreht die Fragestellung: „Muss Störfunk technisch sein? Meine Musen hatten anfangs ein gestörtes Verhältnis zum Thema, aber dann kam die Erkenntnis: Nein, auch gestörtes Zwischenmenschliches, also gestörte Kommunikation, ist eine Deutung.“ – „Nur mal so zwischen uns Müttertöchtern: Das hat sie sehr klar rübergebracht, finde ich.“ – „Die Zeile ‚Vom Wollen und anderen Nöten‘ hätte man auch statt ‚Störfunk‘ als Titel nehmen können. Also vom ‚Entscheiden sollen‘ … aber der Fokus liegt ja auf der gestörten Kommunikation.“ – „Äh… die Wollnot WAR doch der Titel des Gedichts!“ – „Oh… okay. Und ‚Niemand oder ich‘ kommt mir noch in den Sinn, obwohl ich mir gar nicht mehr sicher bin, ob diese Zeile genau in dieser Form vorkam…“ (Ich glaube das Trauma Synapsis Stefanitis – ohne „ie“ – ist noch nicht ganz abgeklungen: Ich nehme mal die nachfolgende Kurzform, mach Du mal Pause, das passt ja auch, weil danach die Lesungs-Pause folgte… Anm. d. Red): Stefanies Gedicht enttechnisiert den Begriff des Abends und hebt ihn auf die Beziehungsebene: kein Wie-Du-mir-so-ich-Dir, sondern paarweise Kommunikationsstörung im Akkusativ-Personalpronomen Singular, also dem Dich-Mich … was für verschiedene Welten ein gesagdachter Frontalkonsonant doch erzeugt… 

Am Tresen, in der Pause: „Gestörte Kommunikation im Selbstgespräch – gibt es das?“ – „Ging die Frage an mich? Haha. Aber apropos: ist es gestört, wenn ich in unsere verbale Kommunikation ein schriftliches Selbstgespräch einfließen lasse? Denn ich muss mir ein paar Notizen machen…“ – „‘Ja, ist es‘, sagte seine Gesprächspartnerin leise, mehr zu sich selbst…“ – „Boah, das ist gemein, dass Du das jetzt so holzhammeraufzahnpfahlmäßig als Gesprächspartnerin sagst… okay, okay, bin wieder voll da. Erzähl: Wie lief die Vorabvorlesung des Gedichts?“ – „Naja, da kam dann so: ‚Die semantischen Scharniere des Gedichts gehören geölt‘!“– „Echt? Foll vies … also, was auch immer damit gemeint war… jedenfalls wäre ich da an Deiner Stelle sofort auf die Meta-Ebene gegangen und hätte gesagt: ‚Darf ich Deine Kritik im Gegenzug kritisieren? Die ist definitiv zu destruktiv, zu wenig konstruktiv!‘“ – „Ich finde, die Gegenkritik darf dann ruhig destruktiver sein… hey, was spielst du da schon wieder am Handy?“ – „Ich habe nur schnell geschaut, ob es ‚destruktiven Konstruktivismus‘ in der Erkenntnistheorie gibt… aber da finde ich nichts, nur ‚Destruktivismus‘ als Ideologie-Begriff und ‚Dekonstruktivismus‘ als Architekturbegriff … oh, es geht weiter, let’s go back, let’s go back…“

„Weiter mit Klaus und ‚Why not? Aliens!’ beziehungsweise ‚Why No Aliens‘ oder, Originalüberschrift: ‚Warum hier keine Außerirdischen sind – außer uns – und auch keine kommen werden.‘ Nein, das ‚außer uns‘ müsst ihr aus dem Titel streichen, das habe ich jetzt gesagt, weil es ja die Theorie gibt, dass das irdische Leben durch einen Meteoriten… egal: Jedenfalls ist Klaus Geschichte auch ein theoretischer Beitrag zum Fermi-Paradoxon. Muss er noch bei einem Wissenschaftsmagazin einreichen.” (Übrigens, Einschub Planetisimalrechnung, da müssen jetzt auch Dyskalkulist:innen und Dysastronomische durch, denn Begrifflichkeiten sind die Atome von Lesungen: Planetisimale wuchsen zu Planeten oder blieben Kleinplaneten/Asteroiden … Planeten sind also Asteroiden auf Stereoiden … Asteroiden – apropos Latein: nicht nur der namens ‚Asterix 29401‘ – sind jedenfalls Festkörper, während die außerhalb des Sonnensystems gebildeten Kometen staubig sind, deshalb bilden diese nahe der Sonne einen Schweif, fallen ins Koma, denn so heißt der Schweif bei den Astronom:innen, haha, haben die Sternenforschenden nicht einen wunderbaroiden Humor, und Meteoroiden können wiederum Bruchstücke aus beiden sein, und werden in der Erdatmosphäre flugs umbenannt zu Meteoren, Meteoriten und Sternschnuppen. Was schaut ihr denn alle so komisch? Das war doch nur ein Schnupperkurs Astronomie, passend zu Klaus SF… ach, ist mir doch schnuppe … Anm. d. Prot.)  

Weisheit steht in Falten in Gesichter geschrieben, das steht im Text geschrieben. (eigentlich steckt Weisheit in Falten im Gehirn. Anm. d. Prot.)(Halte Du dich da raus als Unbeteiligter. Anm. d. Red.) Über seltsam wallende Waldkleider und ein Holzparkett begeben wir uns in den Weltraum (sind wir da nicht schon, wenn auch gravitätisch auf einer Monster-Kanonenkugel festgetackert? Anm. d. Prot.)(Funk hier nicht dauernd dazwischen! Anm. d. Red.) bzw. die Brücke. Mit einer Leiter, einer Art Krake und einem schwebenden also nicht eingeklemmten Art Ei. (Die Beschreibung der Muster auf demselben unterstreicht der non-auktoriale also in Bezug aufs E-Werk reale Barkeeper durch lautes Knallen, das sich aber später als von der Eingangstür ausgehend entpuppt. Und dieses Türen-Knallen war unfreiwillig, also nicht als nonverbale aber aus- und eindrückliche Kommunikation geplant. Aber dazu später mehr. Anm. d. Prot.)(Die Surrealität dieses Absatzes ist ungerecht gegenüber dem wissenschaftlichen Realismus von Klaus Geschichte! Anm. d. Red.)(ihr beiden erinnert mich an die zwei Senioren auf dem Muppet-Show-Balkon. Anm. d. imag. Testleserin)

Rebooting while trying to recap(itulate): „Ist der dritte der acht von Intelligenzen bevölkert? Wie, ‚Jein‘, trotz der Bauten? Ach so, so was können auch primitive Formen, stimmt... also Fokus auf das entscheidende Intelligenz-Merkmal: Kommunikation! Sehen wir uns diese … ‚youtube-Werbung‘ und ‚Bildzeitungs-Artikel‘ mal genauer an…“ Das Ächzen und Stöhnen des Publikums – dem vom Film ‚First Contact‘ nicht unähnlich, als klar wird, dass am Anfang der Radio Bubble, unseres abgestrahlten menschlichen Fingerabdrucks auch Hitlers Volksempfänger-Ansprachen stehen – verstärkt sich, als ohne Triggerwarnung – in Collagen-Wirkung definitiv verstörende – Auszüge an die Wand projiziert und vorgelesen werden … und selbst in intelligenten Zeitungen stehen kluge Texte nur einmal, Werbeanzeigen aber wiederholt. „Na gut. Suchen wir weiter. Abflug!“ Sprich: soziale Medien und Werbung sind so was von Nicht-Kommunikation, dass Aliens – nebst deren A.I. – wortlos das Weite im All suchen, um ansprechende und ansprechbare Intelligenz andernorts zu finden. Das – im Schwarm als Gesamtmenschheit betrachtet ja wirklich nicht sonderlich intelligente Publikum – kommt sich für einen Moment von guten Geistern verlassen vor… denn die Wahrscheinlichkeit, dass diese SFSatire auch als plausible Wissenschaftstheorie korrekt ist, liegt deutlich über Null Prozent.

Erneut Zeit für Rosas Brille! „Der Lauf der Dinge, mit ‚Frieden im Körperbau‘? Die Zeile triggert mich irgendwie, quasi physisch, ohne es erklären zu können…“ – „Die Gattung ‚Erklärung von Lyrik‘ ist in der Bibliothek zu Recht nur ein kleiner Schuhkarton unter dem Tresen.“ – „Naja, komm, man will ja schon eintauchen in die Gedankenwelt der Prosagonisten, nein, Lyriker:innen, und Du lässt es ähnlich abfällig klingen wie Mansplaining…“ – „ … ‚erklärte er mir‘ …“ – „Lass das! Dann murmele ich halt zu mir selbst weiter, dass ich auch fand, dass sie im vierten Bild mit der Sinnfrage „Rettet uns Lyrik?“ quasi die vierte Wand, zum Publikum hin, eingerissen hat.“ – „Eher die zu sich selbst.“ – „Mich würde aber tatsächlich der genaue Text vom dritten Bild noch mal interessieren…“ – „Ja, da ging es irgendwie um die hermeneutische nein hermetisch geschlossene dörfliche Gesellschaft, wo man – das war doch erneut ein Appell oder ein Aufruf in der letzten Zeile – den Funk reparieren soll? Ist da die Kommunikation innerhalb des Dorfes gestört oder die mit den Außenstehenden?“ – „Wer sagt, dass es das Funkgerät des Dorfs ist?“ – „Na toll. Erst Mansplaining von Sachen, die Du nicht verstehst, und dann einfach auf kryptische Orakelsprüche ausweichen. Hast Du einen Abreiss-Kalender dafür? Du bist doch gestört!“ – „Ob die Autor:innen zufrieden sind, wenn das Publikum eine Lesung zum Thema ‚Störfunk‘ laut streitend verlässt?“

Während Julianes Protagonistin in der Geschichte „Du Störsender!“ den Workaround ‚Schuhkappen von Dritte-Hand-und-Fuß-Schuhwerk wegschneiden‘ für wachsende Nachkriegskinderfüße beschreibt und Ottos Pferdesattel Erwähnung findet – „ich war das Kabelpferd der Truppe“ –, ertönt untermalendes Gekicher aus dem WC. (vielleicht haben die den Protagonisten als ‚abgehalftert‘ beschrieben empfunden? Anm. d. Prot.) „Und beim Sturm musste ich aufs Dach klettern, weil ich der leichteste war. Und dann nehmen die Kameradenschweine glatt die Leiter weg!“

Die Dunking Platten der G.I.s - begin the beguine! – entpuppen sich jedenfalls als Dancing Music. Otto, der titelgebende Protagonist, der sich zwischendurch mit seinem störrischen Bein streitet, erzählt von seiner geradezu brotlosen da nicht kriegsentscheidenden Karriere als Störfunker, während in der Behaglichkeit des kindlichen Höhlenbaus im Berg aus Mänteln mehr Philosophie steckt als in ganzen Kantologien!

Wie war das mit den allumfassend lügenden Griechen? Jedenfalls kann dann Adrians Selbsteinschätzung, keinen Geschmack zu haben, nur als geschmackloses Auto-Mobbing eingestuft werden. Zumal er für Buchcover-Gestaltungen schon Preise abgeräumt hat, und – da sind sich Moderator und Publikum einig – auch für das funky-fischige Stör-Funk-Cover (siehe Fotocollage unten) einen weiteren verdient!

„Hallo. Mein erster Text lautet ‚Menschliches Versagen: Eine Autobiographie.‘ Nein, Scherz, der Untertitel stimmt nicht.“ – „Aber war der Abriss der Kommunikation mit den Mars-Pionieren wirklich menschliches Versagen? Könnte ja auch technisch gewesen sein …“ – „Zusammenfassend kann mal also sagen: Adrians autobiographisches Versagen in seiner Rolle als John Cena auf dem Mars sorgt für mysteriöse Funkstille!“ – „Äh… nein. Am Schluss des Funkspruchs war doch noch ein ‚war das der falsche Knopf?‘“ – „Ja, ja, wie bei der Programmiersparte und ihrem berühmten Satellitenabsturz nach fehlendem Komma…“ – „Nein, das war der Mars Climate Orbiter 1999 mit ‚metrisch statt Pfund‘, aber egal… wir wissen, was Du meinst…“ 

Und all das hat nichts mit der fehlenden Petersilie in der Maronensuppe zu tun, denn das ist eine andere nämlich die zweite heute vorgetragene seiner angeschrägten Geschichten, deren Titel auch „Drude bei Fuss“ lauten könnte und mit der Bemerkung „Die Geschichte ist zu fünfzig Prozent autobiografisch, da meine Mutter darin vorkommt“ eingeleitet wird. (aber wenn er doch selber darin vorkommt, ist das dann nicht 150% Autobiographie bzw. sogar 200% wegen ‚beide Elternteile‘? Oder ist er nur Erzähler und in der Geschichte gar nicht präsent? Ich fühle mich so müde… obwohl ich gerade in Endlosschleife „begin the beguine“ höre … vielleicht entspannt das zu sehr… Anm. d. Prot.) Gefolgt von der nächsten Ergänzung „es werden noch Wetten angenommen, ab welcher Stelle die Geschichte ins Fiktionale kippt.“

Bis zu einem gewissen Grad ist der Text jedenfalls ein leicht nachkochbares Rezept für Maronensuppe. Bei Froschschenkeln werden die Nicht-Frankophonen/-kulturellen erstmals stutzig. Bei Ablassfalter und Stiernackenhaaren heben die ersten zögerlich die Hand. Aber der vortragende Autor, scheinbar Sohn einer Hexenmutter (wäre auch mal ein Thema für eine Kurzgeschichte! Anm. d. Prot.)(Äh… ist es hier doch schon? Anm. d. Red.) ist jetzt vollkommen in der Vervollständigung des Zaubertranks gefangen, man spürt, dass die Kellerbühne gleich Ort von etwas Dämonischen sein wird … aber dann scheitert die Beschwörung daran, dass der Vater Petersilie vergessen hat. Weltenretter ohne Cape und Spandexganzkörperanzug müssen daher auf dem Sofa schlafen. Undankbar, diese Welt aber auch, siehe Stefans Anmerkungen. Ein Teil des Applauses gilt also auch dem Protagonisten! 

(Abstrus: In meinem unleserlichen Gekrakel „Maronen und andere Karmenproks“ erkennt die KI ohne mit der Virtumper zu zucken Unterschriften internationaler Persönlichkeiten, darunter die von Emmanuel Macron und seinem indischen Pendant Narendra Modi. Anm. d. Prot.)(Du bist der einzige mir bekannte Schreibende, dessen Gekritzel auch nach dem Abtippen unleserlich bleibt. Wie schafft man das? Anm. d. Red.)

Trommelwirbel für das Rennen ums Thema der nächsten Lesung: „Resonanz“ (aus Stefans Text aufgeschnappt) fällt schnell zurück, zwischen „Panik“ und „Hoffnung“ ist es anfangs eng, aber dann wird es die „Panik“. (Keine Panik auf der Titanic! Anm. d. imag. anwesenden Barden mit Hut-o)

„Menno, ich hatte mir im Vorfeld sicherheitshalber so viele mögliche Themen zum Reinrufen notiert, damit es nicht zu einem peinlichen Schweigen oder schwierigen Themen kommt: Der Blues. Unergründlichkeit. Karneval. Dämonen. Deckmäntel und Zerrspiegel. Revolution. Nirgendwo. Versuchung. Mäandern. Utopien. Netzwerke. Pferdewetten. Zimmerlautstärke. Aber dann hat der Moderator das von vornherein auf drei reduziert… und dadurch wären Mehrfachnennungen einer Person nicht mehr sozial akzeptiert gewesen…“ – „Jaja, jetzt ist das Thema fürs nächste Mal das Gegenstück zum kultischen ‚Keine Panik!‘ aus dem Anhalter …“ – „Der läuft bei uns übrigens noch, aber ‚Kult‘ heißt ‚keine Karten mehr‘ …“ – „Hier noch mal explizit Applaus für Dich als Moderator!“ - „Danke! Und Du hast eine Rose mitgebracht? Um sie einem Vortragenden oder einem Thema zu geben?“ – „Nö… mich hat unterwegs jemand gefragt: ‚wohin gehst du?‘ Und als ich misstrauisch ‚Warum?‘ gefragt habe, hat er geantwortet: ‚Egal. Hier ist eine Rose für dich.‘“ – „War das an der imaginären Bushaltestelle mittig zwischen Bahnhof und E-Werk?“ – „Was?“ – „Egal. Vergiss es.“ – „An der Bar gibt es übrigens gerade Brezen-Flatrate! Alles muss raus! Also, alles Aufgebrezelte…“ – „Schwerhöriger Musiker zu sein, ist schon ein schweres Los. Jaja, ich weiß, hat Beethoven nicht abgehalten und so … aber trotzdem…“ – „Pass beim Rausgehen auf … die Eingangstür liegt demnächst in Scherben, so hart wie der Türschließer eingestellt ist…“ – „Danke für die Warnung. Die härteste Tür des Landes, zumindest beim Verlassen… und denkt dran: Der letzte löscht das Licht…“ – „Witzig, so heißt auch ein Stück in unserem aktuellen Programm … das basiert auf einer Graphic Novel…“

Auf dem Rückweg warte ich auf halber Treppe/Höhe sinnloserweise ein paar Minuten auf die Philosophentruppe und kicke gedankenverloren immer wieder einen Stein die Rampe hinauf, um ihn hinunterrollen zu lassen. („Trotz des Selbstmords von Estragon im Maronensuppen-Rezept müssen wir ihn uns als glücklich vorstellen, außer er verstellt sich im Vorstellungsgespräch…“ Anm. d. Prot.)(Lass den Quatsch und komm zum Ende! Anm. d. Red.) Dabei lächle – gelegentlich ist es auch ein Schmunzeln oder ein Grinsen –ich vor mich hin, während ich den Abend rekapituliere und den Synapsen beim Wachsen zuhöre.

PS: Willkommen in den Sprachen dieser Welt, nehmen wir diesmal die Sprache Indiens (aber was? Hindi? Tamil? Urdu? Punjabi? Da gibt es einige… Anm. d. Red.): „Das Lächeln, das Du aussendest, kehrt – sofern kein Störsender dazwischen liegt – zu dir zurück.“ Oder: „Was weiß der Affe vom Geschmack von Petersilie?“ Oder: „Wer nicht tanzen kann, behauptet, die Tür sei kaputt.“ (Das sind keine Begrüßungen, sondern verfälschte indische Redewendungen! Anm. d. Red.)(Bis hierher liest eh keiner… Anm. d. Prot.)(Und das ist wiederum fast 1:1 aus dem „Keine Panik!“-Buch… Anm. d. Red.)

PSPS: Da wir leider nicht mehr in unpolitischen Zeiten leben: Klimaschutz und Demokratieschutz sind Schutz künftiger Generationen. Energiewende jetzt, Rücktritt der unverhohlenen Fossil-Lobbyistin!




Montag, 7. September 2026

Bier und Honigfluss im albanischen Neandertal

„Selbstgespräche sind gesund. Früher waren die auch verbreiteter, glaube ich. Hallo? Hört mir jemand zu?“ – „In Deinem Alter ist das vollkommen okay. Doch, wirklich.“

(Sind das Selbstgespräche des Protocollagisten? Anm. der imaginären Redaktion)(Nein, das geschah im Vorfeld bzw. auf dem Hinweg. Das gehört also zum Umfeld des Wortwerk-Treffens und damit auch in die Protocollage. Man soll die Lesenden schließlich da abholen, wo sie sich befinden. Anm. d. Prot.)(Habe ich schon mal angemerkt, dass Dialoge mit Dir / die Betrachtung Deines Erkenntnisstandes (also hier: das Abspeichern und Verwenden von Redewendungen) von außen immer fatal an das „knapp daneben“ von Radio Eriwan erinnern? Anm. d. Red.)

„Ist das hier die Selbsthilfegruppe der ADB(P)K, der Anonymen Discounter-Backwarenprodukte-Kaufenden?“ – „Darauf müssen wir nicht antworten.“ – „Ach ja, die rasante Entwicklung der Technik … wann kommt das Quanten-Tier?“

„Sag mal, nuschelst Du neuerdings?“ – „Wieso, ‚Ambiguitätstoleranz‘ habe ich fehlerfrei herausgebracht. Aber ja, ich habe vor dem Treffen in geselliger Runde zum ersten Mal seit Wochen wieder Alkohol konsumiert, da sind meine diesbezüglichen Muskeln oder Abwehrkräfte außer Übung…“ 

„Ich bin ja jünger als ihr, ich muss das Chaos noch länger ertragen. Und ich glaube, das nicht gekühlte Altersheim wird dann unser geringstes Problem sein.“ – „Können wir das Vorgespräch zu den poly…amourösen Krisenherden und dem ersten erneuten Landtagssieg der Rechtsextremisten seit 1945 beenden und statt dessen zu den Texten übergehen? Das ist so deprimierend.“ – „Ja, da helfen Scherze wie über Zeitzonen – in Tokio ist es 22 Uhr, in Sachsen-Anhalt 1933 – oder ‚wir Frauen wollten mehr Rechte, nicht mehr Nazis‘ auch nicht weiter, das stimmt…“

„Pluspunkte dafür, dass Du den Text zum Mitlesen bereitstellst, Henning! Abzüge in der B-Note natürlich dafür, dass ausgedruckt, und zwar NICHT im Vier-Seiten-pro-Blatt-Broschüren-Modus.“ – „Das wäre nicht altersgerecht.“ – „Wieso, das Handy als Lupe zu verwenden, kapiert sogar mein Jahrgang.“

„Das ist wieder aus meinem Romanprojekt, wo sich die Protagonistin als Neandertalerin aus dem Gen-Labor entpuppt.“ – „Spannendes Setting. Was die Szene ‚Besuch im Gefängnis‘ betrifft: am besten mit Leuten vom Fach reden, also Jura, Biologie, und so weiter…“ – „Natürlich Abgrenzung zu bestehenden Werken …(insert Aufzählung Serie Border Trolle Eschbach Kloning generell Beforeigners zeitreisende Steinzeitler etc here. Anm. d. recherchefaulen Prot.) Also einfach recherchieren, welche Aspekte / Spannungsfelder / Probleme die bereits beleuchtet haben und auf welche Du dich dann in Abgrenzung konzentrieren kannst.“ – „Und natürlich Recherche: Physis Neandertaler… und fiele sie nicht optisch auf?“ – „Nein, hier sind Fotos aus dem Museum in Düsseldorf. Wie man sieht, würden die uns als Homo Sapiens² gar nicht auffallen. Also in moderner Kleidung natürlich.“

„Studiert sie Jura, um den Mord an ihren Verwandten aufzuklären? Also quasi Tatort Neandertal?“ – „… und dann flieht sie nach Holland. Typisch. Die sind liberal und drogenbedingt relaxt, im Gegensatz zu Düsseldorf oder dem bayerischen Geheimdienst.“ – „Aber nicht zu viele Klischees bedienen.“ – „Außerhalb der Dialoge bin ich unsicher… bei Abläufen, Beschreibungen, ich weiß ja, ‚Show-Don’t-Tell‘… aber ich habe als Autor doch nur die Sprache.“ – „Naja, so ähnlich könnte jede Kunstform klagen: Ich habe doch nur Farbe… Noten … Weltenbretter…“

„Und da muss noch mehr Biss und Bewegung rein! Vielleicht in ihrem Freundeskreis nach dem Outing auch distanzierte, unbeholfene Reaktionen? Keine Umarmung mehr?“ – „Ja, und sie muss heroischer sein! Auch eine Art feministischen Kampf! Sie muss die Stigmatisierung als ungerecht empfinden! Mehr Kraft! Das mit dem Stigma ist ein deutsches Phänomen … im amerikanischen Film käme dann irgendwann die Wende: ‚kämpfen, auf Stärken besinnen‘!“ - „Sie darf jedenfalls nicht zu positiv oder glatt sein. Identifizieren als Leser:in ja, aber nicht völlig uneingeschränkt. Irgendeine Ambivalenz muss rein. Sie wird nach dem Erfolg vielleicht arrogant?“ – „Konflikt mit den Freundinnen. Vielleicht brummelt sie vor sich hin ‚ihr Menschen seid schon seltsame Affen‘. Oder harmlos: sie ist Messie. Oder ein bisschen mehr: sie ist Satanistin.“ – „Oder streitsüchtig.“ – „Genau. Eine Barstreit eskaliert, und wird vom Umfeld sofort aufgebauscht.“ - „Sie wird dann zum Spielball von Interessensgruppen und sogar von Rassisten vereinnahmt, so in Richtung ‚na endlich mal eine echte Ur-Deutsche.“ – „Wie gesagt: das Projekt hat was. Aber es scheint noch nicht austariert: Gesellschaftskritik? Satirisch überzeichnet? Unterhaltung? Paul kann dir sicher noch Tipps geben, wie man daraus ein gutes Drehbuch macht, das sich bei Streaming-Sendern platzieren lässt.“

Marleen! Neuzugang, letztes Mal schon da, über Bettina bei den Texttagen hierhergekommen. Hat eine Romanrohfassung fertig. 

„Was wird der Klappentext für Deinen Roman?“ - „Bei mir geht es um ein junges Paar, einen verträumten Italiener und eine Hippie-Deutsche, die an der albanischen Riviera im postkommunistischen Goldrausch 1997 ihr Glück versuchen. Schlechtes Timing, wegen Bankencrash und Bürgerkrieg kurz darauf, aber eigentlich scheitern sie schon davor an verschiedenen Facetten von Realitätswahrnehmungsverweigerung.“ – „Tjaja, leiden wir nicht alle in verschiedenen Schattierungen darunter?“ - „Das Setting klingt jedenfalls sauspannend!“ – „Und in dieser Szene kommt es zum Bruch. Nicht des Paars, aber des Paars mit ihren Kontakten in Albanien. Und ihr sollt mir sagen, ob die Beschreibung des Streits zu abrupt endet.“ – „Darüber lässt sich trefflich streiten.“ – „Du sprachst ja immer wieder von ‚Pyramiden-Firmen‘ … ist das was Ägyptisches?“ – „Nein, wie Schneeball-System, nur umgekehrt. Der Wiki-Artikel zu ‚Lotterieaufstand‘ hilft weiter. Jedenfalls war das Geld vieler Albaner weg.“

„Du hast ja letztes Mal ein Gedicht vorgelesen… hier war jetzt auch einiges Lyrisches, Klingendes… etwa das Geräusch des Wassers im Krug, die Algen im Fischernetz… der Wind, der den Rauch wie ein Mensch einsaugt und ausatmet… und der mit den Scheinen wie mit Papierblumen spielt … mich hat allerdings der angedeutete Sprung zu ‚ein paar Jahrzehnte später‘ irritiert…“ – „Der Start des Romans spielt auch später, und dann folgen Erinnerungen und Rückblenden, allerdings mit unzuverlässigem Erzähler.“

„Du lachst dauernd in dich hinein, wenn du erzählst, womit du deine Protagonist:innen wieder als nächstes konfrontierst … zumal gemein, da sie unzulänglich auf die Realität – egal ob im größeren Bogen historisch korrekt oder im kleineren ausgedacht – vorbereitet sind … ich schwanke da zwischen Mitkichern und Entsetztsein.“ – „Ja, die haben bei dem Aufstand rund um die korrupten Banken auch Militärdepots geplündert. Kalaschnikows und Panzer neigen zwar dazu, Konflikte zu verschärfen, aber auch, Banküberfälle zu erleichtern.“ – „Da! Du lachst schon wieder!“

“Ich habe ja übrigens mal eine Zeitlang in Albanien gelebt …“ – „Wie hat es dich dahin verschlagen?“ – „Naja, auf die damalige Lebenssituation gehe ich jetzt mal nicht genauer ein, aber ich bin da mit ‘ner Checkliste zum Auswärtiges Amt wo man während der Pandemie problemlos hin kann und da waren dann Mazedonien und Albanien ganz oben. Vom Freundeskreis wurde ich gewarnt, dass man in Albanien erschossen wird und da war ich dann rein statistisch neugierig, ob das stimmt.“ – „Scheinbar nicht.“ – „Scheinbar nicht. Aber das Kleinstadt-Setting aus dem Roman, wo jeder jeden kennt und die Reputation sehr wichtig ist, kommt aus diesen Erfahrungen … oder dass sich sofort alle einbringen, in Diskussionen – das habe ich ja im Roman dargestellt – , oder in Echt hatte ich das Einbringen ins Thema ‚ich müsste mal den Baum im Garten beschneiden‘ … da standen sofort zwei Nachbarn auf der Matte oder dem Rasen und haben rechts und links parallel am Baum gesäbelt…“ – „Da muss ich an Stefanies Gedicht über Adam und Eva denken im ZAM in Erlangen… da war ja der Beschwerdebrief der Nachbarn über Wildwuchs der Auslöser… und die befreundete Künstlerin hat den wiederum in ein Kunstwerk umgewandelt, angereichert um das getrocknete Unkraut des Anstoßes!“

„Und auch bei den Recherchen über den albanischen Bürgerkrieg bin ich über so vieles Verrücktes gestolpert… und die Leute haben stets Stein und Bein geschworen, dass es wahr ist. Etwa der Bewohner, der sich als britischer Agent entpuppte und mit dem Hubschrauber abgeholt wurde, und unten hing noch ein ausgebuddelter Goldschatz dran. Allerdings ist mir selber beim Weitererzählen auf Englisch der Flüsterpost-Effekt passiert: Der Zuhörer hat ‚Goat‘ verstanden, aber eifrig genickt: ‚ja, ja, das Interesse des Auslands an der heimischen Flora und Fauna…“

Bühne frei für Stefanies Gedicht „Der Bierkuss“! – „Stark! In dem Gedicht steckt viel, was nichts mit dem Trinkvorgang zu tun hat… nautisches wie ‚der Gezeiten Spiel‘ oder das ‚blähende Gaumensegel‘, Biologieunterricht wie der Gaumenstempel …“ – „Na, und vor allem sinnlich-erotisches … vielleicht solltest Du alle expliziten Erwähnungen des Getränks weglassen… das Publikum eine Zeitlang im Unklaren lassen … das erweitert den Raum.“ (Nachtrag bzw. Empfehlung zum Weiterlesen/Weiterhören: Marleens Rant auf Substack zu ‚Mehr Sex, Drugs & Rock’n’Roll auf der Buchmesse!‘ und ihr Sex-Beziehungs-Podcast… wenn ich da richtig recherchiert habe… Anm. d. Prot.)(Bist Du sicher mit Deiner Prosopagnosie – und das ist ja nur das für Gesichter, den Begriff für Vergesslichkeit bei Namen weiß ich nicht –, dass Du sie anhand der Stimmerkennung im Podcast und der Textprobe im Blog wiedererkannt hast? Ich frage für einen unzuverlässigen Mitarbeiter… Anm. d. Red.)(‘türlich, ‘türlich… wichtiger ist, dass ich keine Prosa-Pagnosie habe… und ich frage mich, ob in Rantum auf Sylt öfter pöbelnde oder ablästernde Briten rumhängen. Was meinst Du? Anm. d. Prot.)

„Gute Idee! Und vielleicht auch die Muse weglassen…“ – „Schwierig. Das bestrafen die, dann fällt einem beim nächsten Text nichts mehr ein.“ – „Zu diesem Aberglauben fällt mir nichts mehr ein.“ – „Ja, ja, wenn die Muse sagt: Was fällt dir ein, höhö.“

„Weitere Outtakes waren noch: ‚Zapf! Mich! An!‘ und ‚Kuss schmilzt zu Gold“… aber dann erschien mir das Schmelzen zu schmalzig. Mit dem Schluss hatte ich sowie schwer zu kämpfen. Ich lese euch mal ein paar der unzähligen Varianten vor…“ – „Hm. Also die eine Zeile von Variante 2, kombiniert mit der Aktion, dem Tätigwerden aus Variante 4 klingt am besten…“ - „Na toll, jetzt hatte ich so viel am Ende des Textes gefeilt und jetzt muss ich es nochmal angehen nach eurem Feedback. Vielen Dank auch!“ – „Würden wir wieder tun!“ – „Es ist doch nur zu Deines Werkes Besten.“ (Der Plausibilitätschecker der KI hat den letzten Satz als ‚unrealistisch / vermutlich so nicht gesagt‘ geflaggt. Anm. d. Red.)(Das trifft zwar zu, aber ich verbitte mir, mir von der künstlichen Intelligenz gekünstelte Dialoge vorwerfen zu lassen! Kann die das überhaupt? Darf die das? Anm. d. Prot.)(Ja und ja. Anm. d. Red.)

 „Also, das Bier an der albanischen Riviera…“ - „Und nicht zu vergessen: Schon die Neandertaler haben Kölsch gebraut…“ – „Hört sofort mit eurer Assoziativitis auf!“ – „Da tauchen gleich Bilder auf, wie man betrunken mit dem Milchmann knutscht.“ – „Oookay… vermutlich besser als das ebenfalls genannte Bettnässen.“

„Ich könnte noch eine Szene veranstalten bzw. hätte noch eine zur Neandertalerin… diesmal versuchen ihre Freundinnen zu entspannen, nach dem Gefängnisbesuch…“ – „Also, das nimmt schon sehr Tempo raus… aber vielleicht passt es im Gesamtkontext…“ – „Müssten die nicht aufgewühlter sein? Dann kommt ja die Andeutung ‚du arbeitest in der Psychiatrie, wo sie untergebracht ist‘, aber da passiert dann nichts … da müsste sofort ein Bedrängen kommen: ‚Hilf ihr, auch wenn du da nicht mehr arbeitest!‘“ – „Ich würde die Szene erst mal nicht weiter ausfeilen, sondern so stehenlassen und den restlichen Text weitermachen. Wenn du dann irgendwann zu ihr zurückkehrst, merkst du dann schon, ob etwas daraus relevant ist oder nicht.“ – „Aber da wir gerade beim Thema ‚Entspannung‘ sind: gibt es einen guten Text, der die Leser:innen entspannt? Geht das? Oder wird dann der Text selbst langweilig?“ (angestrengtes, unentspanntes Überlegen. Anm. d. Prot.) „Stimmt schon… ein geschilderter, interpretierter Spaß kann mich ja als Leser anstrengen…“ – „Höchstens irgendetwas, was Behaglichkeit erzeugt… wir nehmen das alle mal als Hausaufgabe mit. Aber da gab es mal ein spannendes Sachbuch über das Thema, dass jede:r anders entspannt… die einen beim Tanzen, die anderen bei Massage, was die einen zum Beispiel wieder eher unruhig macht, weil sie sich unterhalten wollen. Und bei mir sind es monotone Tätigkeiten wie Sandburgen bauen oder bunte Post-Its mandalamäßig in verschiedene Muster kleben … he, ihr habt ja alle schon glasige Augen! Meine Mutter hatte zum Einschlafen auch so eine CD mit Vorträgen von einem monoton sprechenden Geschichtsprofessor…“ – „Oder Tierdokus! ‚Der Pelikan und sein Balzverhalten‘ oder so…“ – „Also, das finde ich immer eher spannend! Und im genannten Fall kann man ja sich vielleicht was abschauen…“ – „Was meintest du vorhin mit dem Zoologen, der ein Buch über den Affen ‚Mensch* geschrieben hat?“ – „Ja, inklusive Balzverhalten.“ – „Also, ich habe zum Entspannen aus Thesauren die Wörter alphabetisch abgeschrieben.“ – „Das gibt so ‚Bad Translator‘-Vibes … das ist dann schon wieder ein neues Kunst-Projekt!“

(Wow. In einem Text, in dem das Stilmittel des unzuverlässigen Erzählers vorkommt, verwendest du das Stilmittel des unzuverlässigen Protocollagisten … die Teilnehmenden fragen sich immer: „Das kam zwar so ähnlich vor, aber meine Erinnerung ist ganz anders!“ Anm. d. Red.)(Und das ganz einfach, indem Ich Ich bin. Das fasziniert mich auch! Anm. d. Prot.)(Du meinst: Indem Du unzuverlässig bist. Anm. d. Red.)(Darauf kannst du dich verlassen. Ja, ja, die Unzuverlässigkeit der Erinnerungen der sich Erinnernden… Anm. d. Prot.)

(Und as usual das unzuordnebare Fragment der Sitzung: „der kulinarische Kalender“. Anm. d. Prot.)(Clever, das an der Stelle einzubauen, wo auch die Leserschaft schon glasige Augen beim Vortrag über Entspannung und Langeweile hat… Anm. d. Red.)(Ich finde „glasige Augen“ übrigens eine komische Formulierung. Und ich finde, man müsste viel mehr Redewendungen anderer Sprachen verwenden und vergleichen…wie das schwedische ‚Auf einem Krabbenbrot dahingleiten‘ … oder die Isländer mit ihrem ‚überraschenderweise kam eine Rosine am Ende des Hotdogs‘... Anm. d. Prot.)

Am Schluss erfolgte noch eine einseitige Vorstellungsrunde zwischen Wortwerk-Gruppe und Komm-Team: Jemand von letzterem kam kurz vor elf vorbei, um zu fragen, ob hier noch alles okay ist oder ob wir zahlen wollen. (weitere Bewerber:innen für Protocollagen gesucht: bevorzugt zuverlässig, frei von Prosopagnosie, Prosa- und Lyrik-Pagnosie und Hypakusis … um das googeln bzw. ökologisch korrekt ecosian zu ersparen: Letzteres ist der Terminus für Schwerhörigkeit. Anm. d. Red.)(Wenn man Witze erklären muss, sind sie keine. Anm. d. Prot.)

PS: Wie immer am Schluss die Serie „Begrüßung in allen Sprachen dieser Welt, diesmal aus gegebenem Anlass Neandertalerisch: „përshëndetje / tungjatjeta, mirë që jeni këtu“. Nein, Quatsch, das ist aus gegebenem Anlass natürlich albanisch und heißt: „Hallo, schön dass ihr da seid.“ Während „Kush e ka parkuar tankun para piramidës?“ heißt „Wer hat den Panzer vor der Pyramide geparkt?“ … das versteht man mit etwas Englisch- und Spanisch-Background sogar fast… und lustig (und zu Marleens Geschichte passend) ist, dass in Albanien auch „Ciao!“ gesagt wird.

PS2: Die weiteren Sätze auf der Redewendungsseite, die – auch wenn es so nicht gedacht ist – im Zusammenhang gelesen Sinn ergeben, bringen die Schleife wieder an den Anfang: „Unë jam gjerman, Unë jam i lënduar. Kam nevojë për ndihmë!“: „Ich bin deutsch, ich bin verletzt, ich brauche Hilfe!“. In diesem Sinne stelle ich meine übliche Forderung nach Umweltschutz, Energienetz-Ausbau und Rücktritt der Fossil-Lobbyistin Katharina Reiche zurück und konzentriere mich auf die nachdrückliche Aufforderung nach Demokratie-Erhalt und dem Verbot rechtsextremistischer, demokratiefeindlicher Parteien. Dann hätte auch das Geeier ein Ende, dass Demokratie-Verteidigern und ihren Unterstützerinnen vorgeworfen wird, politisch nicht neutral zu sein. Bei demokratischen Parteien kann / darf / soll man ja an vielen Stellen politisch neutral sein. Aber nicht beim Faschischmus-Comeback des (aktuellen) Jahrhunderts.



Freitag, 17. Juli 2026

Ravioli vs Pasta - Fremd im Paradies

 Das ZAM – das Zentrum für Austausch und Machen in Erlangen – allein ist ja schon einen Blick – und natürlich mehr – wert: Eine Werkstätten beinhaltende Begegnungsstätte, ein bisschen wie in Nürnberg die Kulturläden und das KunstKulturQuartier/Komm mit seinen Werkstätten, aber mehr und weiter entwickelt. (Genau! Siehe die Goldfolienvorhänge und den ZAMberg … Anm. d. Prot.)

Und am letzten Freitag fand hier die Lesung und Vernissage „fremd im paradies“ statt: Die MarktschreiberInnen Eckental lasen aus ihrem Buch dieses Titels, das zum 10jährigen von FLEck, dem Flüchtlingshilfevereins Eckental, erstellt wurde. Auch Wortwerkerinnen lasen Texte vor … und eine Musikgruppe spielte … und ZAM stellte begleitende Kunstwerke aus. (Mehrfachnennung bei Mitgliedschaften möglich. Anm. d. Prot.)

Hinter „Lecture Hall 0“, wo schon die Instrumente aufgebaut sind, Uralt-PC-Technik vom seinerzeit Feinsten … siehe Fotocollage … „oh je, ist das die aktuelle Haustechnik?“ – „Nein, eine Mischung aus Hardware-Museum und Arbeitskreis Elektro-Reparatur.“

Im Publikum inkognito bzw. semiverkleidet ein laut Eigenauskunft Prominenter: „Will nicht erkannt werden.“ (Damit kann ich fast immer dienen, auch bei Abwesenheit von Verkleidung. Gibt’s eigentlich eine Demaskierungs- und Namenserinnerungs-App? Anm. d. Prot.) Das erlaubt ein erleichtertes Nicken und die Bestätigung „Klasse, es funktioniert. Ich habe Sie nicht erkannt.“ Das „wer Sie auch sein mögen“ schlucke man dann einfach herunter. 

„Das mit den Spenden statt Preisschildern und Eintritt hat sich sehr gut bewährt.“ - “Stimmt. Und ich muss schon sagen, das Buffet ist ja explodiert, also bezüglich Vielfalt und Menge … ich hatte im Vorfeld eigentlich nur gesagt ‚ich bringe noch Suppe von der Arbeit mit‘. Und dann wollte sich natürlich keine:r lumpen lassen…“ - „Und wo ihr hier schon zufällig so schön nebeneinandersitzt: das ist übrigens meine Mutter.“

Geblättert im Buch „fremd im paradies“: „Misosuppe ist nichts für meinen Gaumen.“ – „Äh … hallo? Die isst man nicht konzentriert!“ Kichern. Dieses „die Leute, die stolz ihre Ignoranz vor sich hertragen, werden doupiert“ ist sooo befriedigend (ist das ein Warnzeichen, dass psychologisch mit einem etwas nicht in Ordnung ist? Anm. d. Prot.)(Es ist ein Warnzeichen, wenn man Autokorrekturvorschläge dauernd ignoriert: „soupiert“ und „toupiert“ wären mit „ou“ geschrieben worden, Du meintest „düpiert“. Aber ich lasse es mal drin, weil es Dich düpiert und damit zum Thema passt. Anm. d. Red.) 

„Nicht klatschen! Das war noch das Einstimmen der Instrumente!“ – „Ja, aber besser als mancher Band Fertigprodukt.“

Barbara Rößner von ZAM dankt für Kooperation von Händen, Herzen und Hirnen. „Wer hat noch nie hinglangd? Nein, das ist jetzt keine Abfrage, wer nicht mit aufgebaut hat, sondern wer noch nie im ZAM war? Ah ja, danke. Also, Werbung: Arbeit verbindet. Wir ‚ZAMzis‘ freuen uns ja immer über das pandemische Verbreiten des Zusammenarbeits-Virus. Denn anfänglich war das ZAM nur die Location für die Lesung, aber dann haben die MarktschreiberInnen uns eingeladen, doch Kunst zu ihrem Text-Projekt zu machen und da haben wir natürlich nicht nein gesagt. Wäre ja auch komisch, wo wir Austausch und Machen im Namen und im Blut haben! Also draußen die Vernissage, da können Sie in der Pause von den Paradeisern und den anderen Häppchen kosten und die Kunstwerke genießen. Fühlen Sie sich wie zuhause, denn Sie sollen sich – gerade an diesem Abend – nicht fremd im ZAM fühlen.“ Applaus. „Musik!“

Hanne Mausfeld startet mit einer Präambel von Wolf Biermann „Paradies uff Erden?“, (S.53) (Die Seitenzahlen immer in Klammern, zum Nachlesen :-) : … das Buch kann man in den Buchhandlungen Eckental bestellen… bei Amazon sind nur ähnliche Titel, aber falsch, wie „Fremdlinge im Paradies“, „Die Fremde im Paradies“, „Fremder im Paradies“, „Der Fremde im Paradies“, „Wie ein Fremder im Paradies“, „Fremde im Paradies“, Anm. d. Prot.) das die Strapazen der Flucht und der Ablehnung beschreiben, die mensch nicht ungeschehen machen kann .. aber unser Lächeln erreicht und ermutigt diesen Menschen.

Dann ihr eigener Text (S. 50) „Ahnungslos 1955“. Remscheid in NRW, die Fünfziger: Die Kinder tasten sich an die neuen „Gastarbeiter“ heran. Buon giorno und Bonbons. Für die Ablehnung – „Itaker! Spaghettifresser!“ – sind die Erwachsenen zuständig… bis auf Utes Vater, beruflich ab und zu in Sizilien. Weiße Flecken im alten Atlas, gesendete Postkarten, aber vor allem die mitgebrachten Leckereien wecken kindliches Fernweh und Reisewünsche nach Palermo … und Spaghetti und Pasta beziehungsweise das italienische Essen generell: wie können die ahnungslosen Deutschen, die Ravioli aus der Dose für normal halten, das als „Fraß“ bezeichnen? Das Publikum kichert konspirativ und ahnungsvoll, ebenso wie bei der Stelle, dass der Panettone bezeichnenderweise von der Firma „Allemagna“ kommt. (dass „Itaka“ einst neutral „italienischer Kamerad“ war, ist interessant, aber die Wortherkunft des schweizerischen Pendants „Tschingg“ ist spannender: Es kommt vom Ausruf „cinch a la mórra“, „fünf im italienischen Spiel Morra“, bei den Römern hieß es „Micatio“. Ein römisches Sprichwort beschrieb eine ehrenwerte Person mit „eine Person, mit der man Micatio im Dunkeln spielen kann.“ Unglaublich, welche Wendungen Sprache nimmt… Anm. d. Prot.)(Pack so was bitte künftig in Fußnoten, damit man das schneller überfliegen kann. Anm. d. Red.)

Emma Kronenberg zählt in „Paradies“ (S. 42 „life, the universe…“) auf, was das Leben alles ist und bringt. Dann der Wechsel zum „Du“, der Person mit dem zerschlagenen Leben, das neben seinem Leben und dem, was es ausmacht, steht – „Deine Augen malen die Welt grau“; und dann dem „Ich“, das hilflos neben dem „Du“ neben Deinem Leben steht … und verzweifelt den richtigen Kleber oder Kitt im Werkzeugverbandskasten sucht, aber kann das „Ich“ das richtige finden, wenn es nie IM Leben des „Dus“ gestanden hat, sondern quasi nur daneben? 

Beim Applaus wirkt das Publikum sehr nachdenklich (klar, erste zweite dritte Person, da hatte ich in der Schule auch immer Probleme. Anm. d. Prot.)(Nein, es – das Publikum, dritte Person Plural – war nachdenklich wegen des ernsten Sujets des Gedichts, Du Banause! Anm. d. Red.)(„Banausen“ waren früher übrigens hart arbeitende, praktische Handwerker. Vorsicht mit dem Bashing! Anm. d. Prot.), und auch der nächste Text ist melancholisch:

Barbara Maisch „Es ist kalt“ (S. 28) … wie schnell ein von der Wintersonne kaum gewärmter, frierender Mensch, ein Obdach- und Wohnungsloser, ein Nomade, ein freiheitssuchender Zugvogel – den „lästigen“ Stadt-Sperlingen gleich – mit „Dreckspatzen“ gleichgesetzt wird. Die oft verschlossenen Herzen um ihn herum – nur einzelne Frauen schenken ihm Turnschuhe oder teilen ihren Schnaps, während er offenherzig mit Sperlingen seine letzten Brotkrumen teilt: „Die Sonne fühlt sich jetzt doch ein bisschen warm an.“

Marina Niehoff „Von der Wahrscheinlichkeit, erschossen zu werden“ (S. 69) bringt dann wieder zum Lachen, wenn auch teils erschrockenem, da makabres wie ein Auto mit Einschusslöchern vorkommt … oder „ja, ja, ein Vulkan bringt Abwechslung, und sei es Katastrophentouristen“: Ingrid und Mauricio scheinen auf der Flucht, da Mauricio zu Unrecht Unterschlagung unterstellt wurde.

Die mexikanische Landschaft, das „Skelett der Zuckerfabrik“ und dass dort vor der Ernte die Felder abgebrannt werden – was Schädlinge bekämpft und paradoxerweise die Ernte erleichtert, aber natürlich auch ungesund und umweltschädlich ist.

Der Perspektivwechsel zum Leiter der Bank, der gedanklich zu dem Skandal um Mauricio wechselt und sich unversehens dem Subjekt der Lästereien – aber vor allem der resoluten Ingrid – gegenübersieht, und verzweifelt versucht, Haltung zu bewahren, führt dann zu befreiendem Gelächter beim Publikum.

Und erst Anna-Lena Descys „Ravioli im 5-Millionen-Sterne-Hotel“ (S.25)! Da stimmt einfach alles: Wie es zu der Idee der „Oldtimer-Schlitten- Rallye“ im „wild beklebten Volvo“ quer durch Skandinavien bis zu den Baltischen Staaten kam, wie die ursprünglichen Erwartungen waren und in welcher Form sie – dank offener Herzen der Einheimischen und einer spontanen internationalen Biertauschbörse – dann erfüllt wurden. Und unter einem verzaubernden Sternenzelt können trotz Sturm und Regen auch Ravioli ein Genuss sein!

Als letzten Text vor der Pause bringt die Wortwerkerin Tina Stark „Die Insel“ zu Gehör.

„Der Vorleseplatz wurde mir nass überlassen, zum Glück Wasser- und keine Rotwein-Flecken … das muss noch der Regen aus Anna-Lenas Geschichte sein, aber Wasser passt auch zu meiner.“ (und es wird kein „fremd im Paradies“, sondern „Paradies in der Fremde“ Anm. d. Prot.)

Von Neugeborenen, die der warmen Geborgenheit nachtrauern, über das Verlassen von Orten und das Begeben in neue – „alles anders auch man selbst“ – kommt die Ich-Erzählerin auf ihre in der BRD zerstreuten und zerstrittenen Familie und von dort zum Paradies, das – wie die Kunst – bei Max Ernst und Caspar David Friedrich nahe an der Kindheit ver(sehnsuchts)ortet werden. Die Ich-Erzählerin, trocken: „Mein Heimatort, ein Paradies? Nein.“ Ein spontaner Kurzurlaub, nach Ewigkeiten mal wieder am Meer, bringt erstmals das Gefühl, heimisch zu sein… „… in der Fremde? Kann das sein?“ 

Natürlich wird das wieder mit vielen liebevollen Details angereichert, etwa bei den Hügelgräbern den Geschichten der Steinzeittoten zu lauschen und umgekehrt, oder salzige Abschiedsszenen am Meer (soll das auf Tränen und Meerwasser anspielen? Bitte kein Nachdichten! Das kam so nicht vor! Anm. d. Red.)(Aber das Freiheitsgefühl beim Tauchen am Schluss wohl! Anm. d. Prot.)

„Jetzt noch etwas Musik in der Pause und Gespräche mit den Künstler:innen in der Vernissage!“ (war es peinlich, als Erster – und dann von den anderen erst einmal ungefolgt, da sie weiter sitzend der Musik lauschten – aufzustehen und zur Ausstellung und dem zufällig sich dort ebenfalls befindlichen Buffet zu gehen? Ich frage für einen imaginären Freund und Mitarbeiter… Anm. d. Red.)(Mich würde eher die emotionale Reaktion der Leserschaft interessieren: Fremdscham, Erleichterung dass es anderen auch mal so geht, etc.? Anm. d. Prot.)

„Hallo, Fremder!“ – „Wenn das in einem Buch oder Film auftaucht, ist immer klar, dass das scherzhaft oder spielerisch zu bekannten Gesichtern gesagt wird, nicht zu tatsächlich fremden Personen!“ – „Von wem war noch mal der Spruch: ‚Fremd ist der Fremde nur in der Fremde?‘ Und lasst eure Handys da, wo ich sie sehen kann!“ – „Sich beim Get-together einfach bei einem fremden Grüppchen dazu zu gesellen, muss man sich erst mal trauen …“ – „Stimmt. Aber wo, wenn nicht auf dieser Vernissage?“

„Hier, bei diesem Kunstwerk darf man einzelne der Kärtchen, die dieses Gesamtpanorama ergeben, austauschen … gerade auch das farblich leicht verfremdete…“ – „Ach so! Tut mir leid, Jahrzehnte der ‚Bitte nicht berühren‘-Erziehung … bitte in solchen abweichenden Fällen ein ‚Berühren / physische Interaktion mit dem Kunstwerk explizit erwünscht‘-Schild anbringen.“ – „Werde ich mir merken. Nein, auf der Rückseite sind die Kärtchen nicht bemalt, Sie können es aber natürlich trotzdem auch andersherum hinhängen… dadurch wirkt es halt leicht abstrakt…“ – „Stellt dann vielleicht Schüchternheit und Ängste dar… hm…“ - „Und der Snacktisch ist dann das Kunstwerk zum ‚Anfassen und Anbeißen‘…“ 

Agnieszka W. Baszczyńska von Wortwerk liest „Verzerrt“ vor, eine – trotz nicht vorhandener Handlung! – spannende Science-Fiction-Dystopie, bei der das Setting „Menschheit ausgestorben, die Maschinen werkeln – sich selbst reparierend und erhaltend – weiter“ erst nach und nach klar wird.

Der Text hält das Publikum in der Schwebe, zwischen Schrecken und Amüsiertheit … dass nach dem Tod des letzten Menschen die Spuren seiner Unordnung zügig beseitigt wurden… dass die Menschheit den Maschinen die Sinnlosigkeit vorgelebt hat … „Ist ein menschengeschaffenes Paradies besser ohne Menschen?“ … dass Benutzer weiterhin simuliert werden, bei denen News und Actionkino sehr beliebt sind, Nervenkitzel als sinnloses Echo in friedlichen Zeiten. Letzte Datenwellen der Menschheit, wie Gezeiten. Ein wie in einer bewegten Pfütze verzerrtes Spiegelbild der Menschheit. Kraftvoller Applaus, da dieser nicht wie das Lachen im Halse steckenbleibt…

Ralph Smutny (S. 83) „Das falsche Paradies?“: Ist Protagonist Yoshi in der Kurzgeschichte im falschen Film bzw. Paradies? Aber wieso falsch? Der beschriebene Garten ist doch die pure Idylle! Aber sein Meister gibt ihm fürsorgliche Schläge auf den Rücken, um seine Meditation, das Zazen, wieder in die richtige Richtung zu lenken, nämlich der Suche nach Erleuchtung. „Aber das war doch schon paradiesisch?“ Selten konnte ein Publikum den inneren Konflikt eines Charakters so goutieren! (Dou mit Deinen „ou“s allerweil… Anm. d. Red.)

Die Erzählung „Der Einkauf“ (S. 54) von Irmi Knappe hält das Publikum hingegen auf den Kanten der Sitze (kommt daher die Redewendung „auf Kante genäht“? Anm. d. Prot.): Eine Reise nach Delhi, „auf den Spuren der Maharadjas“, fällt einem Paar sozusagen in den Schoß, wegen kurzfristiger Verhinderung der Buchenden, allerdings verirren sie sich zwischen den Planenhäusern, obwohl sie initial die Empfehlung der Reiseleitung „Rikscha rufen, Preis vor Start aushandeln, so seid ihr sicher unterwegs“ einhalten… die Spannung steigt. „Sie blicken in fremde Gesichter, die ihnen ihre eigene Fremdheit spiegeln“ ragt als starker philosophischer Satz heraus. Ein Junge organisiert einen Angehörigen mit Auto, der sie zurück ins Hotel bringt. „‘Glück gehabt‘, sagt die Reiseleiterin, ‚die Chancen standen 20 zu 80.“ Wieder Lachen, das nicht völlig unbefangen ist.

Völlig unbefangen hingegen Stefanie Hengstmann von Wortwerk mit dem Gedicht „fremd im Paradies / Auf der Suche nach Eva“: In der weiblichen Fanrunde im Anschluss wurde die vorzügliche Anzüglichkeit des Gedichts diskutiert, in dem Adam einen Apfel verspeist und dabei dauernd an Eva denkt. (quasi: „also, bezüglich der auch in Auszügen vorhandenen An- bzw. Auszüglichkeit…“ Anm. d. Prot.)(Gib zu, Du bist froh, dass die diese Einschätzung ausgesprochen haben. Anm. d. Red.)

„Adamsapfel, aussamend“ wäre laut Autorin dann der Titel des „Making-of“, der Entstehungs- oder Migrations-Hintergrund von Vermieterbrief zu Gedicht … zu Kunstwerk. 

 „Hier, auf dem Kunstwerk von (Name von der Redaktion geändert. Anm. d. Prot.)(Das stimmt doch gar nicht! Du hast ihn nur nicht notiert / erfragt! Anm. d. Red.) mit dem gepressten Original-Unkraut, sind die relevanten Auszüge des Briefes, den meine Vermieter mir geschickt haben, eingearbeitet. In denen geht es um den Wildwuchs in meinem Gartenteil. Das hat sozusagen eine künstlerische Kettenreaktion angestoßen.“ – „Verstehe. Das ‚aussamend‘ war also das Wort des Anstoßes, zur Erstellung des Gedichts.“ – „Genau. Anfänglich wollte ich die Vermieter noch zur Vernissage einladen, aber …“ – „… aber dann lieber doch nicht eingeladen zum Lauschen des anzüglichen Gedichts?“ – „Genau! Wir wollen schließlich kein Be- oder Ent-Fremden.“ – „Ja, lieber keinen Streit vom zugewucherten Zaun brechen.“ – „Das wird sicher mal eine Redewendung: ‚veredelst Du mahnende Vermieterbriefe zu anzüglicher Kunst, lade sie nicht ein!‘“

(Adams Apfel fällt nicht weit vom Zaun, könnte man also abschließend sagen. Anm. d. Prot)(Ich antworte erstmalig mit einem Emoji, nämlich „Augenrollen“: 🙄! Du solltest lieber erwähnen, dass sie neue Interessentinnen für Wortwerk angeworben hat, und zwar sehr clever, sehr niederschwellig, „anfangs gerne einfach nur zuhören“ … Anm. d. Red.)(„Anzügliche Texte beim Anwerben neuer Mitglieder“ … eine mögliche Studie für die ganzen Sekten? Anm. d. Prot.)

Carola Grossmann „Von Berlin in die Fremde“ (S. 37) zieht einen mit dem Setting „begegnen sich zwei Berlinerinnen in der hiesigen Fremde“ sofort in die Handlung, in den Dialog, der die konkreten Mauerbau-Erinnerungen „letzte Entscheidungsmöglichkeit: wo woll‘n se hin, West oder Ost?“ mit makabren Familiendetails wie „Mama, die Kinder sagen, bei eineiigen Zwillingen stirbt das andere oft kurz darauf“ / „ihr wart zweieiig“ ergänzt… wieder ein meisterlich geführtes Changieren zwischen fröhlichem Lachen bei „beim Antrag auf Versetzung stand Bayern und Australien zur Auswahl, beides gleich fremd…“ zu steckengebliebenen Lachen, dass bei den schikanösen Grenzkontrollen das imperialistische Mickymausheft konfisziert wird. Das Johlen im Publikum bei der Schlusspointe „een Erlanger Jesellichkeitsvereen hat uns als Edelpreußen aufjenommn“ wird entsprechend betreten gleich wieder abgebrochen.

„Fremd in der Waldstadt“ (S. 48) von Fiona Schnorr nimmt die Perspektive der Fremden ein, quasi ein „Zauberhaftes Idyll hier, aber leider ist mir alles fremd.“ Nur ein kurzes Gedicht, aber mit kraftvoller Botschaft, dass mit jedem einen Schritt das Gefühl der Zugehörigkeit auftritt, aber mit jedem zweiten, nur zu Gast zu sein.

Last but not least Maike „Ich will nicht das letzte Wort haben“ Bodry mit „Vergessene Gärten“ (S. 64), das auch vorne bei der Vernissage an einer (leider nicht abblätternden oder umrankten! Das hätte gepasst! Anm. d. Prot.) Säule ausgehängt ist. Ihr Text beschreibt mit allen Sinnen ein verwunschenes Kleinod. Das Städterbetonherz platzt auf – sowohl den Zuhörer:innen, aber auch der Ich-Erzählerin im Text.

„Du musstest auch lachen, als sie das ‚quiiiiietschen‘ der Angeln so deutlich gelautmalert hat, oder?“ – „Ja! Und ‚verwildert‘ ist ja das neue ‚super gegärtnert, Biodiversität und Bienen erhalten, top…‘“ – „Naja, noch nicht in allen Köpfen… gut gefiel mir auch das ‚famoos‘ oder das ‚Walnussfloß‘. Und das Katzenohrentraumzucken!“ – „Das waren so Vibrations, was alles möglich wäre… erinnert mich an ein Interview mit Jane Goodall, wo sie so sagt ‚ich habe kein Problem damit, mich in Städten aufzuhalten, ich trage den Dschungel im Herzen‘ … oder so …“ – „Ja, Maikes Gedicht ist auch so ein Kraft-Care-Mental-Paket für grau-urbane Verzweiflungsmomente … der Dschungel in klein … das erinnert mich an das ‚Buntes Amt für Zukunft‘ … musst Du mal suchmaschinieren… Visualisierungen von wirklich grünen Städten am Beispiel Nürnberg …“ – „Ok, mach ich, aber suche Du mal nach ‚Studie Stadtbäume‘ und dann jeweils Uni München, Uni Gießen, Uni Karlsruhe dahinter … aber welche Kommune setzt die gegebenen Empfehlungen schon um?“ – „Psst! Bitte nicht in die Musik plaudern!“ – „Nein, schon gut, das ist jetzt wieder das Stimmen der Instrumente.“ – „Genau, die Hitze verstimmt nicht uns Musiker:innen, haha, aber sehr wohl die :instrumente! Jetzt aber zum eigentlichen Stück…“

„Zugabe!“ – „Wir wollen den Bandnamen!“ – „Zugegebenermaßen waren wir auf keine Zugabe vorbereitet, aber hier noch mal das erste Stück, das sowieso gut zu den Temperaturen passt: ‚verschneite Birken‘. Einfach vorstellen, vielleicht hilft das…“ (fade out to second come-together Anm. d. Prot.)

Intertextuell bzw. interkunstwerklich tolle Themen- / Perspektiv- / Leichtigkeits- / Formats-Wechsel! Ein gelungener kunstprallvoller Abend von Menschen, die das Herz am … äh, rechten Fleck haben! Das Wort lassen wir uns nicht auch noch kapern!

Liebe Grüße Jogi

PS: heute schon gegen die Gas-Lobbyistin und den Blackrock-Außendienstler protestiert / petitioniert / demonstriert?







Samstag, 11. Juli 2026

Kläffende Wunden oder Drusenfieber sind Nudelholz wie Teiggesicht

 Aus der Reihe „Hallo in allen Sprachen dieser Welt:“ „A geh, griaß eich, dere! Servas, Hawaras!“ (Oder „Gfraster“? Hm. „Wursthaut“ ist ja bajuwarisch, von den „Rautenschneidern“, aber die Begrüßung soll aufgrund des Grazer Gastes, Stefan Schmitzer, steirisch sein. Anm. d. Prot.)

Verdichtet gesagt: War das am Montag wieder eine hohe Textdichte! Und hohe Beindichte – bis zu vier, bei Erika – und hohe Dichterdichte, selbst bei den Romanciers! Sowie gebührliches über-border-ndes Roaming, und ein – dem Spontan-Publikums-Preis der Anwesenden nach – Bachmannpreisträger-in-spe, aber: psst! Das Wort wurde vergällt, verpönt, verpökelt, vernongratiniert. Und obwohl alles deutschsprachig: Frau Holle die Waldfee / Percht, gibt es an unvermuteten Stellen – anders beim allseits bekannten Casus „Matura = Abi“ – Redewendungsabweichungen zwischen Ö und D, sag ich euch! Wie eine Nudeljacke, wie eine Teighose! Aber der Reihe nach, sprach einst eine Mathematikerin.

--- Eins: Ein Eins tieg.

"Das ist Erika, unser Literaspurhünd." – "Angenehm." – "Sie hat einen Sprachfehler: Wenn sie knurrt, während sie den Kopf in Deinem Schoß hat, heißt das, dass sie weiter gekrault werden möchte." – „Und wenn ihr mein Text nicht gefällt, beißt sie in der Position zu?“

"Das erinnert mich daran, wie sich unser Kind auf der Hundewiese ohne Vorwarnung mit vollem Karacho auf einen Kampfhund, Galactica, geworfen hat, der doppelt so groß und schwer war wie sie. Alle Beteiligten - inklusive der Kampfmaschine - guckten perplex, ohne zu reagieren."

"Und dann?"

"Naja, wie bei der Geschichte mit dem Presslufthammer und dem Ei: Hast Du gedacht, das Ei gewinnt? Nein, Quatsch: zum Glück alles gut, der Kampfhund hat dann einfach zurückgekuschelt."

„Seid ihr Team ‚mutig beim Ausprobieren neuer Eissorten, z.B. mit Kräuternoten‘ oder Team ‚ich vergleiche meine festen Eissorten quer durch die Dealer/Dielen?‘“ – „Bin nicht so der Süße. Aber apropos Teams: Ich bin ja normalerweise Team ‚kleiner Buchhändler‘, aber Bücher von Wortwerk-Kolleg:innen in kleinen Verlagen muss ich wegen langer Laufzeiten dann doch online bestellen…“

„Oh cool, etwas jazzige Saloonmusik zum Treffen! Aus welcher Box kommt die? Ach so, aus dem Biergarten…“

„Ein Neuer! Heißt Du Manuel, höhö?“ – „Rote Karte für diese WM-Anspielung!“ – „Die nimmst Du sofort zurück, sonst weise ich Deine Mannschaft aus! Jedenfalls willkommen! Ach, Du bist es, Tamás. Mit Bart und Mütze warst Du aber wirklich kaum wiederzuerkennen!“

„Wie verzweigt sich der Stammbaum des pegnesischen Blumenordens?“ – „Übrigens: die Mitgliederbeiträge sind deutlich moderater als beim PEN, wie ich aus eigener Erfahrung sagen kann. Also bitte gefälligst bezahlen! Nein, Du nicht, wenn Du gar nicht Mitglied dort bist.“


 --- Zwei: Der schulische Weg

Bettina: „Ich belebe gerade ein altes Projekt wieder, das schon ein paar Jahre unvollendet in der Schublade ruht. Daraus will ich euch einen Dialog vorlesen. Ach, Coralie muss gleich aufbrechen? Gut, dann wird ihr Text vorgezogen.“

Die noch schulpflichtige Ich-Erzählerin berichtet von ihrer Freundin, die daheim keine Förderung beim Lernen erhält, im Gegenteil. Sie hilft ihr auch nur sporadisch, und steht nicht genügend für sie ein; macht sich dafür Vorwürfe, aber „ich erkenne immerhin die Linie.“ Wie immer einige Satzperlen wie "die Abwesenheit von Wörtern" (im bildungsfernen Elternhaus). Frage an die Runde: wie soll der Text sich weiterentwickeln?

„Genau, jetzt müssen die Charaktere etwas erleben! Aber was? Ein Drama auf einem Schulausflug?“

"Du kommst ja nicht aus einem bildungsfernen Elternhaus. Du müsstest Dich mit dem Thema nicht auseinandersetzen. Tust es aber. Allein das finde ich schon toll!"

Ausführliche Diskussion des Schulsystems, die gaußsche Glockenkurve auch bei Begabung, und wie Spannung ins Verhältnis der Protagonistinnen kommen kann: zieht die Freundin trotz mangelnder Förderung an ihr vorbei, da sehr begabt, vielleicht in einem Einzelfach wie z.B. Mathematik? Ein Zeitsprung, wie sie sich ein paar Jahre später entwickelt haben?

"Was mich interessiert: was hatte das Kind da auf dem Elternabend zu suchen?"

"Die Protagonistin, also nicht die Ich-Erzählerin, sondern die beschriebene Freundin aus dem bildungsfernen Elternhaus, solltest Du klarer herausarbeiten. Vielleicht ein Mathegenie? Bekommt sie wie bei ‚Good Will Hunting‘ mit Matt Damon und Robin Williams einen Guide zur Seite gestellt?"

„Also die Bekannte, die Personalerin bei Siemens ist, sagt, dass ihr Leute lieber sind, die sich durchgebissen haben.“ – "So wie Erika?" -„Zuversicht. Das ist das Wichtigste, was man Kindern mitgeben kann und muss.“

„Als Nebencharaktere vielleicht noch eine Art Good Cop / Bad Cop bei den Lehrern?“ – „Ja ja, die Lehrer:innen...“ … die Runde versinkt für ein paar Sekunden in Schweigen und Erinnerungen. „Man hat fürs Leben gelernt: Die schlechten musste man entweder ignorieren oder mit den zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpfen.“

„Mama, rufst Du mich dann an, damit ich auf dem Nachhauseweg weiter hier mithören kann?“ (Das Multimedia-Angebot der Wortwerk-Treffen muss definitiv ausgebaut werden! Anm. d. Prot.)

„Ja, ja, wenn Coralie dereinst im Kultusministerium arbeiten wird, werden Kritiker:innen den heute besprochenen Text hervorziehen … die einen, denen ihre Reformansätze zu weit gehen, mit den Worten: ‚seht diesen alten Text von ihr, sie war schon immer Revoluzzerin!‘ ... die anderen, denen ihre Reformansätze nicht weit genug gehen, mit den Worten: ‚seht diesen alten Text von ihr, da hatte sie noch Feuer / Pfeffer / Eifer / whatever, aber jetzt?‘“


--- Drei: Bilateral dialogisch

„Jetzt aber Dein Dialog, Bettina!“ – „Wider den Konsensbrei. Es geht um die Geschichte von Jan und Antonia…“ - Die wahre Antonia: "Schön, dass Du Dir schöne Namen für die Charaktere herausgesucht hast!" 

Die Journalistin versucht durch provokative Fragen, die makellose Fassade des Politikers einzureißen: „Mit Deiner Eloquenz und körperlichen Präsenz ist so eine glatte, überlegene Haltung ja auch keine Kunst.“

„Und die Frage an euch: Dieser Perspektivwechsel in der Mitte: Passt der so?“

„Jedenfalls ein sehr spannender Dialog! Ein Pokern, vorgetäuschte Provokationen und Arroganz… aber neben den beruflichen Interessen auch das private Flirten…“ – „Ja, klar, natürlich war das auch eine plumpe Anmache. Für Leser wie Dich sollte diese Erkenntnis auch durchscheinen.“ – „Ja, scheinbar scheinwahr.“ – „Der Dialog wirkt konstruiert, aber im positiven Sinne, als Stilmittel.“ – „Aber sagte Bettina nicht, dass es eine verdichtete bzw. gekürzte Mitschrift echter Gespräche ist?“

„Deine Protagonistin sagt irgendwann 'habest'". - "ICH als Autorin rede so, das passt.“ – „Naja, aber Deine Antonia nicht! Ich habe ihr das 'habest' nicht geglaubt. Nicht so radikal. Und wie alt ist die Ich-Erzählerin eigentlich? Von der Sprache her ziemlich jung.“ – „Nein, ich glaube, da haben wir den Kasus einer altersfälschenden allwissenden aber das Wissen nicht an die Leserschaft weitergebenden Erzählerin.“ – „Ja, aber die Bezeichnung 'Alt-Feministin' fiel doch?" – „Das könnte auch angelesen sein, aus Büchern des Vorjahrhunderts.“ – „Voll das Mansplaining hier.“

„Die Konstruiertheit der Dialoge erinnert an Erasmus Schöfer … kann ich jetzt gar nicht so wiedergeben, aber so der eine Stahlwerker zum anderen: ‚Willi! Was hältst du von den Beschlüssen des Ministeriums?‘ – ‚Ja, keine Ahnung haben die, oder?‘“ – „Stahlwortwerk. Gestähltes Wortwerk. Das Stahlwerk stahl Stahl oder eher das ‚Werk‘ von ‚Wortwerk‘.“ – „Die waren aber zuerst da. Und Stefan ist übrigens in der Band 'fun + stahlbad'“ – „Das erinnert mich an die Band Emma6, wo die in der Badewanne sitzen und singen...“ – „Zurück zum Text, bitte: Die Protagonistin fährt beim Provozieren ja eine Dreifachstrategie... der Flirtversuch verläuft ja auch sehr glatt...“ – „Nein, gar nicht!“ – „Doch!“ – „Oh!“

„Und wieso kam da jetzt ein 'Haha' bei der Erklärung zu ‚Heldinnenreise‘?" - "Weil ich als Erzählerin das zu profan und hier auch nicht richtig zutreffend finde.“

„Ich hätte gerne mehr Bilder und Beschreibungen in der Szene.“ – „Genau, wie bei Degenhardt: Im Eck steht immer ein kaputtes Auto.“ – "Später kommt eine Hafenlocation mit Containerschiffen, auf die beide Protagonist:innen mit Fernweh starren. Reicht das?“ – „Das ist dann Schweigen beim Fern-Sehen. Klassisches Bärchen- äh Pärchenverhalten." – "Aber ich möchte anmerken, dass es auch im Garten viele Bilder, Vergleiche, Metaphern gäbe..." - "Nein!" - "Doch!" - "Nein!“ – „Oh...der sie beobachten eine schwarze Witwe, die ihrem frischen Ex gerade den Kopf abbeißt..." – „Zum Glück ist das keine Demokratie. Sondern eine Autorin und ihr Text. Keine Bilder in der Gartenszene.“ – „Sie macht ihren eigenen Bildersturm.“

„Und wie bei der Jazzmusik hier im Hintergrund, die überhaupt nicht die Konzentration stört: Versuch noch zu variieren…“ – „Frage / Antwort, oder wie?“ – „Vielleicht eine Variante mit strikter Introspektive-Verweigerung, also komplett dialogisch?“ – „Das ist dann sozusagen eine gestellte Innenperspektive, was immer das auch heißt.“ - "Und sagtest Du vorhin 'Kater Murr' oder 'Katamor' und falls letzteres: was heißt das?"

(Du versuchst schon wieder unzuordnebare Notizfragmente in die angeblich stattgefundenen Dialoge zu mogeln! Anm. d. Red.) (Ich habe hier noch ein „Ich muss ihn in Schutz nehmen, wir hatten eine Zugverspätung wegen meiner Zum-Zug-Verspätung“ / „nein, er hat sich nicht schützend vor den Zug geworfen.“, das ich zeitlich und personell klar zuordnen kann, aber da passte es im Protocollage-Fluss grad nicht… Anm. d. Prot.)(Moment. Du versuchst hier ja immer eine Art Echtzeitablauf-Mitschrift ohne fancy Zeitebenen-Sprünge und so, und schaffst es dann nicht, das Mitgeschriebene an der richtigen Stelle einzuordnen? Wie schafft man das denn? Du schaffst mich … Anm. d. Red.)

"Jedenfalls drücke ich die Daumen für die Veröffentlichung dieses tollen Textes!" - "Habt ihr gehört? Lob von Stefan! Das ist was fürs Tagebuch." - "Na, na, diese Darstellung, also dass ich im Allgemeinen und im Speziellen Dich selten lobe, muss ich aufs schärfste kritisieren...“ – „Daher kommt der Spruch: Lob und Kritik liegen oft dicht nebeneinander.“ – „Oder Gelobte:r und Kritiker:in…“


--- Vier: Viererkette zensiert.

Nein, das wird erst fünf, denn wieder eine aufbruchszeitbedingte Rochade, Tamás: "Ich muss zum Zug, also lese ich. Teil Drei meiner Reiselyrik." – „Die solltest Du dann im Zug den Mitreisenden auch noch mal vorlesen, ist dann authentisches Setting und so …“

„Wie heißt das bei Steinen, wenn innen das funkelnde Dings? Druiden? Drüsen? Düsen? Drusen? Damnit. Jedenfalls fantastische Stellen wie das ‚ich wurde angespült‘, obwohl ja angereist … aber darum herum noch ein paar wegzuschleifende Rohstellen ... also zu ottonormalformulierte… etwa die Lebensfreudereanimationshoffnung.... und die ‚zarte Brise‘... das ‚und dann‘ wie bei einem Prosatext... und dann wieder fantastische Stellen ...“ – „Druiden...“ – „Klappe. Stellen wie ‚der Rhythmus, der nicht gehört, sondern bewohnt‘ wird ... und beim 'unendlich deutsch' mussten ja alle lachen ...“ – „Genau, da sind wir wieder beim ‚es gibt deutsch deutsch und richtig deutsch‘, wie Stefan vorhin sagte ...“ – „… nur beim 'Ort wie ein offenes Herz' ist mir als Medizinerinnen-Söhnchen nicht ganz klar ob positiv weltoffen oder klaffende Wunde gemeint...“

„Manches weiß ich auch nicht mehr, Erlebtes verblasst nach einem Jahrzehnt...“ –„Deshalb immer Notizbuch oder Handy dabei und live dichten, wie bei Tiefkühlgemüse bleiben dann die Erinnerungen frisch.“ – „Gemüse hat Erinnerungen?“ – „Nein, ich meine ... Blödmann.“ – „Dann schon bitte Gemüsebezug: ‚Du Erbsenerzähler bist dumm wie Bohnenstroh!“ – „Wichtig ist jedenfalls: die Balance zwischen schön und kitschig ist ein messerscharfer Grat... wenn wir nur Postkartenmotive mitkriegen, knirschen wir mit den Zähnen...“ – „Genau, Erika: Fass!“ – „Die ist doch schon weg. Außerdem überwiegen im Text ganz klar die Dru-Dinger.“ – „Also mehr das Empfinden wiedergeben.“ – „Ja, aber das ist sauschwer... eventuell umdrehen: erst ein Bild suchen, und dann die Bedeutung dazu.“ – „Ja, wie beim Anspülen ... das auch einen Bezug zu Bootsflüchtlingen hat ... da bleibt das Gefühl der Verlorenheit bei den Hörer:innen erhalten, auch nachdem es sich aufgeklärt hat, dass der Erzähler nur normal angereist ist und ein 'hat es mich hierher verschlagen' gemeint hat.“ – „Der verschlagene Erzähler…“ – „Sei still, Du Lauch.“ (Anm. des imag. Justitiars: „Teile der stattgefundenen Dialoge könnten die Leser:innen verunsichern“… pardon, falsche Textkonserve… „Die Dialoge fanden sehr zivilisiert statt und wurden vom Protocollagisten aus stilistischen Gründen nachträglich zugespitzt. Und vielleicht hieß das statt ‚Du Lauch‘ auch ‚Durchlaucht‘. Daraus ergäbe sich dann eine komplett andere…“)(Du bist noch langatmiger als mein Protocollagist. Anm. d. Red.)


---Fünf: Angespülte Drusen klaffen

(die ganzen Ankündigungen mit anschließend geänderter Wagen- und Vorlesereihung haben den Protocollagisten offenkundig durcheinander gebracht. Wir bitten um Entschuldigung. Anm. d. Red.)

"Jetzt aber zu dem aufblasbaren Elefanten im Raum, der angeblich im Vorfeld stattgefunden habenden Zensur von Pauls im Vorfeld per Mail verteilten Drehbuchentwurf. Beziehungsweise dem Vorwurf, dass er ihn hier nicht vorlesen darf."

"Ich habe den Text nicht gelesen, aber das Video angesehen.“ – „Ein Video zum Text?“ – „Nein, da war noch ein Link zu einem Musikvideo, also einem zweiten Thema. Und das ist wenigstens Kunst, während das Drehbuch ja vom Autor selbst bereits in der Begleitmail abgewertet wurde!"

"Wie jetzt: Fand oder findet da wirklich Zensur statt? In dieser Runde? Ich bin entsetzt." - "Mooooment. Ich habe ihm - in einer PM, wie man da heute sagt ...“ – „… früher war das ein Populär-Wissenschaftsmagazin ...“ – „... ich habe ihm in einer direkten Nachricht Feedback gegeben. Aber das heißt doch nicht, dass er nicht vorlesen darf!“

„Also, dann lies vor!“ – „Nein!“ – „Doch! Denn sonst war doch der ganze Kampf für die Meinungsfreiheit zum Teufel!“ – „Nein, es ist ja auch kein Text, sondern ein Pitch, und schnell erzählt, eine 90-Minuten-RomCom vom Fließband, zwei Paare, erst sind die falschen zusammen, später die vom Publikum schon von Anfang an gefühlt richtigen.“

„Ich bin mir sicher, in irgendeinem How-To zu Pitches steht, dass man begeistern soll, nicht schlechtreden.“ – „Klingt aber wirklich wie 0/8/15. Können die Männer nicht schwul wirken oder sein? Das macht die Viererkombo interessanter.“ – „Und es gibt so viele interessante Subgenres! DystRom, DarkRom nicht zu verwechseln mit Dark Room, RomDrama bzw. Dramedie, Romantasy, Chick Lit, New Adult, Fake Dating, Screwball, Romantic Heist..."

„Ich habe es schon gelesen, aber die Charaktere sind mir zu sehr durcheinandergepurzelt und die Namen zu ähnlich ... da hatte ich keinen Anker...“

"Die Zielgruppe sind so etwa 35jährige Frauen..." - "Also, meine Töchter sind in dem Alter, die gucken hochintelligente Serien, nicht so plakatives ..."

"Ich glaube, wenn man das auf einen Kurzfilm in der Länge eines Werbespots eindampft, wird es ein richtig gutes Kunstwerk."

"Was meinst Du mit 'Drehbuch-Krankheit'?" - "Na, wenn der Drehbuchautor schon auf Seite 2 weiß, wo er auf Seite 90 hin will." - "Das ist doch kein Beinbruch!" - "Genau! Ich muss auch gestehen, auch ich als Lyriker mit Anspruch habe Spaß an solchen Filmen... die Chemie der Charaktere und des Settings zu erspüren …" - "Jaja, 'Plot Armor', die Logik von Drehbüchern bzw. der Schutz von fiktionalen Charakteren durch den Autor... sie überleben selbst tödliche Situationen." - "Bei ihm aber Plot Amour."

„Jedenfalls habe ich Spaß an Serien wie ‚Person of Interest‘, wo die KI Überwachungskameras monitort und anfangs nur Sozialversicherungsnummern von Opfern und Tätern ausspuckt. Und die Maschine dauernd nachdenkt, aber immer fehlerhafter, immer abstrahierter... so nach dem Motto ‚now i make a sadistic remark‘“

„Gibt es schon einzelne ausgearbeitete Szenen von Deinem Drehbuch?“ – „Ja, fast zweihundert Seiten sind fertig.“ – „Dann bring das nächste Mal bitte eine konkrete Szene mit, zu der Du Feedback möchtest.“ – „Ja, und zwar eine, die Dich selbst begeistert!“


---Sechs: „Flussfrau“ - Die, deren preisgetragener Name nicht genannt werden darf

Und last but not least: Stefan! Lyriker goes Romancier!

„Was ich gleich vorlese, ist keine Stelle aus dem Roman, also der eigentlichen Romanhandlung, sondern aus einer Zwischenszene... in solchen Zwischenszenen spielen Kinder, die nicht direkt Protagonist:innen sind, immer irgendwelche Spiele… Spiele, die die Handlung auch nicht erklären oder kommentieren. Also ein eher planloser griechischer Chor. Sie spielen auch keine bekannten, realistischen Spiele, sondern z.B. ‚Lager und Insasse‘ oder –wie hier in der Szene – ‚Podiumsdiskussion‘. Also, das, was sie davon verstehen. Aber trotzdem ist die Sprache komplex, Laudationester in D/E/F (also nachgeä-fft? Anm. d. Prot.) also gar nicht die reelle Kommunikation der Kinder, das kann nicht sein, dafür zu komplex, und dann tritt die Stimme des Autors auf.“

(Und all das vom Autor erläutert, wohlgemerkt... während man dann irgendwann merkte, dass er schon vorliest... im ersten Moment denkt man dann als Zuhörer noch, dass er begleitende Erläuterungen also quasi die Packungsbeilage vorliest, aber dann wird einem klar, dass es sich schon um den eigentlichen Text handelt und dann fragt man sich als Protocollagist: wie soll man das einfangen / dem geneigten eigenen Pisa-Publikum geeignet rüberbringen? Anm. d. Prot.)(Selbstreflektion / Selbstkritik des Protocollagisten … das muss ich mir im imaginären Tagebuch / Kalender markieren... aber es stimmt wohl: Ich habe auch andere protokollierte Aussagen imaginärer Zeugen, dass Stefans Performance un(er)fassbar unwiedergebbar war. Anm. d. Red.)

Aber quasi Dark Romance (schnell den Kopf einziehen! Anm. d. Prot.), da ein Werwolf und ein Moloch (ich glaube das ist auch eine Fantasy-Figur? Anm. d. Prot.) vorkommt, kiffende Staplerfahrer, die von leeren Feldern nach Italien brettern, und ein – in echt oder zumindest nicht in der untersten Handlungsebene – sterbender Vater. Als wisch i wasch i wusch ig Haus-Hof-HNO-Protocollagist muss man – zumindest psychologietechnisch – noch weniger recherchieren als als Lyriker. Hals. Alls.

Und die schneidende, hirnverätzende Sozialkritik – eventuell lässt da Stefans Theaterstück „Schiffbruch mit Zuschauer“ grüßen – dass die Fische ertrunkene Flüchtlinge gefressen haben und wir essen jetzt den Fisch... auch Kannibalismus überspringt Generationen. Und wir sind immer noch bei „das ist ein Kinderspiel, das Menschsein!“

„Das war ein Parforce-Ritt! Wow! Ultrametareflektiert. Was für eine Kraft, was für eine Energie im Text und im Vortrag!“ – „Der mit dem Werwolf tanzt, was, Antonia?“ – „Und dass sich alles abstrakte in den Büschen versteckt… aus den Augen, aus dem Sinn… genial.“

„Die ‚Ränder der Welt‘. Und des Verständnisses. Und des Textes. Und des Geistes. Und der Soziokulturinteraktion! Der ganze Text und Vortrag war wie eine breakdancende Matrjoschkapuppe geschachtelt und ist vor unseren Augen und Ohren explodiert. Ich bin noch ganz geflasht.“ - „Also, mir geht es nach dem Text jetzt schlechter. Mit dem Wissen um die Weltsorgen kann man nicht mehr fröhlich unbefangen auf Kinder schauen.“ – „Oder Fische.“ – „Oder Boote.“ – „Oder … Apfelkrapfen.“ – „Ein Text mit Sollbrechstelle. Aber nicht den Boten köpfen du sollst. Außerdem wusstest Du das doch vorher schon, wie schlecht wir die Welt unseren Kindern hinterlassen?“

„Die ganzen Verfremdungen und Ebenen … mit dem Papiersack und so…“ – „Da stand auch die Entfremdungsszene von Twin Peaks Pate.“ – „Oder die vom Paten?“ (oder vom unsympathen Antipoden? Mein Silbeninterpretationszentrum in der OI geht hui!nüber… Anm. d. Prot.)(Das Arbeitszeitgesetz gilt auch für die Kunst. Pause! Anm. d. Red.)(Denn die Frage ist: Wem hat Wessen oder Hesses Werwolf denn jetzt geschadet oder wen gebissen? Wen wenn wennn. Die Römer und ihr scheiß Lokusativ, wie ich im Lateinunterricht immer provokativ gesagt habe… Anm. d. Prot.)(Du hattest nur Asterix. Kann mal jemand in der Suchmaschine oder KI ‚Symptome und Behandlung Hitzschlag oder Schmitzerschöpfung‘ eingeben? Danke. Anm. d. Red.)(Mama, kannst Du mich anrufen? Oder können wir irgendwas spielen? Cluedo oder Imposter oder Pantomimikri oder Psychotherapie? Anm. d. Prot.)

„Definitiv ein Bachmanntext! Genau diese Szene! Genau in dieser Performance!“ – „Du bist wie der fatalistisch-humanistische Günter Eichberger...“ – „Ja, das ist eine Nudel, ein Teig“ (für Nicht-Österreicher: "Jacke wie Hose" Anm. d. Red. Und das heißt übrigens „Redaktion“ und nicht „Red Bull“. Ach, das kommt ja erst weiter unten. Verdammt, jetzt hat Schmitzers Werwolf auch mein Hirn erwischt, dabei waren das doch Zombies, die das essen… Wenn also die Fische die Hirne der Fliehenden und wir die Fische sind wir die Zombies…)

(Ah, wenn die Red / Frau Perchta / Holle / Controlletti ach das kommt ja auch erst weiter unten egal gerade außer Gefecht ist, kann ich hier ja schnell noch weitere Fragmente platzieren: „Die Bachmann-Preisträgerin Natascha Gangl und ihre Klangcomics...“ – „ja, für Deine Grazer Ohren klingt es anders“ – oder ticken da die Uhren anders? Anm. d. Prot.)

"Ich muss sagen, ich hatte beim Zuhören die schreckliche Freude, die Du beim Vorlesen hattest." - "Das kannst Du nicht wissen, aber danke!“ – „Da der Vortrag sehr dynamitisch und extra versiert extrovertiert serviert war, wird er für diese Erkenntnis nur ein Mindestmaß an Empathie – das er stets übererfüllt! – benötigt haben.“

„Bitte nichts erklären! Aber unser üblicher Variationsvorschlag: statt dessen mit Kinderstimmen – echt oder von Dir nachgemacht – vortragen, wie eine Art Hörspiel?“ – „Verstehe. Hm. Das wäre dann deutlich schwerer umzusetzen, aber das würde die fünf Ebenen aufdröseln, inklusive Spiel, Autorenstimme, was die Kinder tatsächlich machen und wo ich mich verzettele. Wie eine Collage.“ – „Dein Text erinnert mich an Arno Schmitt, aber plus Selbstironie, als Stimme/Ebene selbst mit drin. Humorvoller Ekel ist auch eine Ebene.“ – „Das wird ein großes Buch in einem großen Verlag! Und die Passage ist Bachmann-Preis-würdig!“ – „Könnt ihr bitte mal mit Bachmann aufhören?“ – „Okay, okay...“ (zwei Sätze später) „Dass der Rest noch nicht fertig ist, macht nichts. Wichtiger ist erst die Show beim Bachmannpreis, um den Verbrauch anzukurbeln.“ – „Du meinst Umsatz. Aber ‚Kunstverbrauch‘ ist auch nicht schlecht.“

„In dem im Roman beschriebenen Ort kommt auch ein Tor zur Unterwelt vor. Und die Perchta - für mitteldeutsche Ohren: Frau Holle, also die Arbeitsqualitäts-Überwacherin –schimpft den Bürgermeister.“ – „Ein perfekter Antiheimatroman!“ – „Es kommen zwei Josefs vor, und eine Quote von zwei gescheiterten Patriarchen auf einen erfolgreichen...“ – „… was immer das auch heißt…“ – „… sowie ein Red Bull Sportler. Der kentert und lernt einen Flüchtling kennen.“ – „Ist der beschriebene Ort Frohnleiten?“ – „Nein, das wäre zu idyllisch mit seinem beheizten Marktplatz, aber die Dunstkreis-Entfernung zu Graz passt in etwa…“ – „… die haben den beheizbaren Marktplatz ja durch die Mülldeponie.“ – „Wie, Fernwärme durch Müllverbrennung?“ – „Nein, dadurch finanziert. Die Fernwärme entsteht meines Wissens durch Kadaververbrennung.“ – „Na, lecker. Das erinnert mich an den süßlichen Geruch der Tierkadaververwertungsanstalt bei Gunzenhausen …“ – „Ja, einfach Brötchengeruch drüber …“ – „So ein Kaiserschmarrn.“


--- Sieben: Wir Faden fädeln to grey/gray/gräy/gäy 

„Echt, oder? Diese Alpen-McGuyvers… kein Weitblick, aber superkreative Problemlösungen!“ – „Als ob wir hier Weitblick hätten … politisch und sozial …“ – „Spieglein an der Wand: Sind da überall Bilder dahinter versteckt wie hier ersichtlich, wo der Spiegel fehlt? Wir sollten nachschauen!“ – „Im Vertrag steht aber: ‚hinterlasse wie vorgefunden‘ …“ – „Den kriegt jeder von uns fürs Globalgalaktische schon im Krankenhaus ausgehängt, aber wer liest als legasthenisches analphabetierisches Baby das Kleingedruckte…“

„Nein, ich war bei gestrigen Treffen des pegnesischen Blumenordens nicht dabei, ich bin da nicht Mitglied, auch wenn ich vielleicht wie ein prototypisches Blumenkind aussehe…“

„Und sonst so, wie ist Dein Leben außerhalb dieser nonanonymen Selbsthilfegruppe, außerhalb der Literatur? Gebrauchstexte verfassen? Okay, das ist mit am dichtesten dran.“

„Die Varianten der Kreuzschifffahrt: Gay Cruise: sexuelle Orientierung. Grey Cruise: Rentner-Kahn. Metal Cruise: Metal Fans. Lustig, wenn es bei denen ein Holzboot wäre. Und zwischen allen Schnittmengen.“ – „Genau, und Tom Cruise.“ – „Hauptsache, nicht Kreuzfahrer.“ – „Apropos Kirche: Ihr habt hier in Nürnberg die schönste protestantische Kirche, inklusive Reliquie … obwohl die Führerin das bestritten hat.“ – „Tja, wir waren die ersten, die progressiven Protestanten, ganz vorne mit dabei, da macht man beim Bildersturm schon mal Fehler, sozusagen Bildfehler.“ - „Und wie die Humanistin und Äbtin Caritas Pirckheimer damals: ‚Nix da, das Kloster wird nicht aufgelöst. Meine Nonnen bleiben!'“

"Wie heißt noch mal der Autor, der schon seit Ewigkeiten an der Weltrevolution schreibt? Und immer sooo dicke Ziegel…." – „Der Ort hier, wo wir heute waren, das ‚Komm‘, ist ein altehrwürdiger linker Ort… 1981 und 1987 Akte von Polizeigewalt, ein klares Qualitätsmerkmal, aber mittlerweile ist es auch nur noch das PS der Weltrevolution.“

„Und er ist Redakteur bei ‚Perspektive‘. Ich kann dir ein paar leihen.“ – „Nein, er soll abonnieren!“ – „Keine Sorge, wir leihen es doch nur, um ihn anzufixen.“

„Gestern beim Blumenorden war ausführlichst das Thema, mit wem man ins Bett gehen muss, um im Literaturbetrieb erfolgreich zu werden. Das haben unsere jugendlichen Schriftstellerinnen begierig aufgesogen.“ – „Die ganze feministische Erziehung in wenigen Sätzen beim Teufel.“ – „Ich habe jetzt übrigens eine Agentin, aber ich habe es noch niemandem erzählt.“ – „Cool, sozusagen eine Geheim-Agentin! Glückwunsch.“

Der Protocollagist hat seine ToDos abgearbeitet (Perspektive-Abo bei perspektive at abgeschlossen und „Ausfahrt Niemandsmeer“ von Bettina (das ist noch nicht das im heutigen Treffen besprochene Werk, aber das aktuelle, frisch erschienene) bei kulturmaschinen com bestellt.) Werbeblock: bitte nachmachen! : -)

Liebe Grüße Jogi



PS: Ich kann zwar nur für die BRD sprechen, aber im Übrigen bin ich weiterhin der Meinung, dass Frau Reiche, Herr Spahn und Herr Merz, aber vor allem erstere, täglich zum Rücktritt aufgefordert werden sollten.