Die Erlanger Wortwerk-Gruppe liest im E-Werk, Thema „Miteinander!“
⇒ „Hallo in allen Sprachen dieser Welt“ diesmal also Erlangerisch:
Gudn Aamd! War awel a Gwerch minanner! Die ärbädn si richti oo! Nix: Schreiwä sind wia a alda Draammoggl! Doun ned schreib'n wie die Sau brunzt oba nofliggn, ka Drei-greuizläs-Schreiwä!
„Gwerch“ = ausgelassene Feier, „oo“=ab, „Draammoggl“ = Träumer, und die (verneinten! Anm. d. imag. Justitiars) Verweise auf Sauklaue und Analphabetismus sollen die harte Arbeit und Professionalität betonen. (Bei Deinen Begrüßungen ist es wie bei Witzen: wenn man sie erklären muss, sind sie nicht gut... & Stückwerk vom bAdW-Fränkisch-Lexikon… Anm. d. (ebenso imag.) Red.)
Über 30 Jahre nicht dagewesen entspricht nie dagewesen! (Trotzdem eine Leistung, dass Du bei „Veranstaltungsort = Kellerbühne“ erst mal die Treppe hochgelaufen bist… und was Deine FotoCollage „wie in diesem Modus von Videokonferenz-Software!“ am Ende des Textes betrifft, weil Dich „die Publikumsanordnung bei der Kellerbühne daran erinnert hat“: Auftretende sind selten im Auditorium… Anm. d. Red.)
Foyer-Gespräche, ehe das literarische Foyerwerk (Gnade! Anm. d. Red.) los ging: „Kommunikation als Thema, so nach dem Motto: ‚Schweigend gemeinsam Pyramiden bauen ist auch okay, aber rede doch lieber mit mir!‘“ - „Vielleicht helfen Kühlmasken im Dunkeln vor dem Auftritt als Gegenmittel gegen Lampenfieber?“ – „Wir setzen einfach keinen Scheinwerfer auf die Auftretenden, sondern eine Lampe neben die Bühne…“ - „Ach, das frontbackleftright-stage wird doch völlig überbewertet! Oft ist es besser, seine Stars nicht als Menschen kennenzulernen! Anwesende natürlich ausgeschlossen.“
Stefanie Hengstmann eröffnete mit (kein O-Ton) „Dreierlei von der Lyrik“: (O-Ton/Titel:) „Im Dunkeln“,„Tanz zu zweit“, „Gemeinsam zusammen“.
Größtmögliches Kompliment für den ❤-Menschen: „Dein Blick führt die gemeinsame Zeit“… streckt sie, Runde um Runde, Stunde um Stunde, carrousel-/karussellseelig … (irgendeinen Buchstaben immer doppellnn… Anm. d. Prot.) ein nie enden sollender Tanz.
Wie im 2. Gedicht, eine oben ohne gepaartanzte Ode an die erosoultische Stimme von Barry White (selbst eine weibliche Testleserin hat laut Autorin das erwähnte, aber nicht getragene - also von der Protagonistin!- Bustier eher mit Öffis in Verbindung gebracht. Anm. d. Prot.) mit dem traumhaft schönen „Refrain von Mund zu Mund“.
Und im 3. schillern drei Menschen wortlos glücklich und unter viel Gelächter durch die Nacht: Melonenkeile (ich dresche eher auf die Tastatur oder Maus ein, wenn ich wütend bin, hihi! Anm. d. Prot.), Bluthalbmonde oder Halbblutmonde und die Farben Elfenbein, Perlmutt und Milgteich pardon Milchteig… schade, dass es noch keinen Gedichtband zu kaufen gibt!
Nataša Dragnić las eine Szene aus ihrem Roman „Affenliebe“: Taxifahrer Hamdis seltsamer Fahrgast (apropos „Hände-und-Füße“: wann stampft man bei Sprachbarrieren schon mit dem Fuß auf? Anm. d. Prot.), der am Ziel nicht aussteigen sondern eine Frau beobachten will, ihn dann zum Trinken einlädt, – sinnigerweise wortreich – sein Leid schildert und ihn dazu bringt für einen Abend Babysitter, Bodyguard („halte meinen Kopf beim Kotzen“ benötigt keine Übersetzung) und Freund zu sein.
Der Monolog ist kunstvoll interpunktiert von Flaschen (auktorial mitgezählt) und Hamdis Lächeln (verschiedene Varianten, auktorial beschrieben) und funkelnden Sätzen wie „in diesem Moment wäre ich Hamdi überallhin gefolgt“, „ist einmal Klopfen ein sicheres Geheimzeichen?“ und „das ist kein Foto meines Kindes sondern des Affen, durch den die Frau und ich in Kontakt und wieder getrennt wurden.“ (Gut, dass Deine Unschärfe bei Erklärungen verhindert, dass Du spoilerst... Anm. d. Red.)
Karla Seedorfs Roman ist noch nicht veröffentlicht, aber die Szenen „Möchtegern“ und „Adlerposse“ sind vielversprechend: Ein Autor leckt Wunden nach einer derben, durch einen Tippfehler verschärften - „modernder Poet“ – Kritik, der Lachflash seiner Partnerin legt nahe, dass sie diese Kritik teilt, ein Wort (er)gibt und nicht vergibt das andere, und Laptop + Rose + Koffer + Zettel sind somit das unvermeidliche Ende. (Ich bin mir ziemlich sicher, dass das „Reisekoffer“ heißen muss. Anm. d. Red.)
Dann begleiten wir die Protagonistin bei der Bewertung, ob eine Reunion Sinn macht. Nicht durch die Augen der Autorin, sondern durch die ihrer Freundin (der Protagonistin, nicht der Autorin. Anm. d. Prot.), die – in der Yogapose Bär, „indifferente Brummlaute beisteuernd“ - ihre Freundin (die zwar die Ex von Adam ist, aber nicht Eva heißt, anders als ihre brummende Freundin. Das wäre der einzige Kritikpunkt bei „abendländischer“ Prosa. Anm. d. Prot.) zusammen mit den Leser:innen dabei beobachtet, wie sie eine Pro-Contra-Liste am Küchen-Flipchart führt, die an überraschenden und teils wechselnden Stellen „Schweiß“, „Espresso“ und „polnische Familie“ beinhaltet. Großes Kino!
Tina Stark folgte mit einem saisonalen Nachzügler, einem „Wintergedicht“, dem aber eine ruhige Beschreibung mit der ersten Zeile „unser Baum“ vorausging.
Anders als der Titel vermuten lässt, stören zwei Heere auf dem verschneiten Feld die Ruhe, was das Haupt-Gedicht eisig, kriegseisern, aufrüttelnd und sehr philosophisch macht: ein:e Soldat:in hält in der Schlacht/im Schlachten inne – „auch mit Speeren kann man Gedichte ritzen“ und schickt am Schluss das Stoßgebet: „möge ich immer erkennen, wozu ich hergekommen bin“.
Stark wie der Name der Autorin!
(Nach der Veranstaltung wurde - ergebnisoffen - diskutiert, ob auch bei Lesungen Gedichte wiederholt vorgetragen werden sollten, um Hirn und Herz besser zu erreichen... Anm. d. Prot.)
Gerd Fürstenbergers „Ungeheurer Alltag: Ein Roman in Geschichten“: Er las daraus eine Geschichte über „Hikikomori“ - physisch zurückgezogene aber virtuell interagierende - Jugendliche vor, die in dieser Geschichte über ihre Schatten springen und sich trauen, per Video zu kommunizieren, auf dem Weg zurück zu Interaktionen „in real life“. (ich kann nicht anders: immer, wenn ein japanischer Begriff vorkommt, muss ich an Douglas Adams Sketch denken, wo Vorgesetzter und Publikum am Schluss realisieren, dass der Pilot Kamikaze und Harakiri verwechselt… Anm. d. Prot.)
Rückzug aus dem Alltag, teilweise ins All, per Teleskop… Kontakt von Höhle zu Höhle. Der online geäußerte Satz „Du erzählst mir von den Sternen, das lenkt mich vom Computer ab“ lässt natürlich schmunzeln, ebenso wie das „Social Media lässt mir keine Zeit für TikTok.“
Und sehr philosophisch „schön, mal wieder Realname also ich zu sein!“ … Ja, ja: IRL IvirtL IaugmL – das ist schon sehr verwirrend für uns alle, selbst für junge Leute! Aber gut, dass wir darüber sprechen / schreiben / hören / lesen!
Pflichtbewusst in der Pause zum Büchertisch, zum Kaufen und Schnacken: „Moment, das macht zusammen … äh, Dreisatz … vielen Dank … oh, ich habe ja gar keine Kasse.“
„Vorsicht mit dem Begriff ‚Trivialliteratur‘!“– „Naja, aber ‚Dark Romance‘ durch einen klassisch ausgebildeten Literaturkritiker beurteilen lassen, ist schon ein ungleicher Kampf…“ – „Du kennst das Genre?“ – „Nur zu Recherchezwecken! Außerdem, hallo? Sex and the City haben wir auch geschaut…“
Juliane Haarmanns vorgelesene Szene aus ihrem noch unveröffentlichten Roman spielt in einem Zugabteil im Tunnel während eines Bombenangriffs, eine intensive Szene, in der die Protagonistin aber auch eine Verbundenheit im Miteinander spürt. Kurz schmunzelt man mit der (mitreißenden? Anm. d. Prot.) Berliner Mitreisenden - „Notdurft? Vor der Zuchtür isn Eema. Na jut. Janz wie die Jnädige will,wa?“ – ehe (wehe, Du verwendest jetzt noch mal das Adjektiv „schillernd“ Anm. d. Red.) Räuber ihr Unwesen treiben. Beim „Also, bevor mir die Uhr geklaut wurde, war es 21:15“ blicken einige im Publikum unwillkürlich auf die jeweils eigene Uhr.
Notiz an uns alle: Weiterlesen nach Veröffentlichung!
Michael Pietrucha – Hamburger Kirschblüten-Hanami voraus! – las aus seiner Gedichtsammlung, die Agape, die Liebe, im Titel trägt („ich habe Dein ganzen Beim-Zuhören-Gekritzel wie „süß wie Agavendicksaft“ und „Agathe, mein Agape-Avatar!“ rausgeschmissen. Anm. d. Red.) und laut Autor das „volle poetische Spektrum von Eins-über-Haiku bis 20-Tonner bzw. -Seiter“ umfasst.
Wie immer muss Lyrikteraturkrytik (machst Du das, um Unsinn an die KIs dieser Welt zu verfüttern? Anm. d. Red.) bei der Beschreibung von Poesie scheitern, aber noch Tage später schwirren obdachlose Schnecken, die Ameisenstraßenmeisterei (die so aber nicht vorkommt! Anm. d. Red.) und die Friedhöfe der Eintagsfliegen im Kopf herum. Fliege und Weberknecht gerieren sich als „Räuber und Gendarm“, ein Grashüpfer verharrt wie ein Wasserspeier, und das Bild, dass Libelle durch für uns unsichtbare Heißluft-Zweige tanzen, fühlt sich ebenfalls richtig und wahr an. (den „zahnstochermümmelnden Biber“ finde ich in der Form aber auch nicht im Buch, und den hat er sicher nicht beim Vortrag dazuerfunden! Anm. d. Red.)
Als Bonus gab es noch ein – damals, vor Drucklegung – verlorenes, aus der Erinnerung rekonstruiertes Gedicht , aber ebenfalls vorgelesen, nicht rezitiert. (Wir glauben Dir trotzdem. Anm. d. Prot.)
Beim Abschied Banales, wie die Sorge, was aus Lebensmitteln wird … und gerade das, wie auch die Behutsamkeit im Umgang mit persönlichen Gegenständen, die an Verstorbene erinnern, treibt einem die Tränen in die Augen.
Gut, dass Moderatorin Tina an Adrian van Schwamen übergibt, um wieder aufzuheitern, was sich schon beim „die Story extra zum Vorgetragenwerden geschrieben“ und dem Kichern seiner „Support Group“ – und dem Lachen des Autors währenddessen – andeutet.
Der Ich-Erzähler von „Der Komet“ berichtet von gemeinsamer Sternbeobachtung mit dem Vater („Kometen-Picknicks!“), aber mit etlichen Wendungen (also bitte: „ich bin Dein Vater.“ – „Ne, Deine Mudder ist die wahre Autorin!“ … Dein Ernst? Anm. d. Red.)(Ach, ER darf einfach so Wendungen wie den Turboprop Robocop Golem-Dingens reinhauen und „ratatatat!“ rufen? Anm. d. Prot.)
Schönste Wendung natürlich: für wen der erwähnte Aufsatz wirklich geschrieben wurde. Nice!
(ich merke mir jedenfalls: Salzgitter wird künftige Welthauptstadt. Und hoffentlich macht er – notfalls mit KI-Hilfe – einen Song draus! Besser als „wie ein Komet, der zweimal einschlägt“ ist es definitiv! Anm. d. Prot.)
Der zweite Text, aus einer (mit „Dog-Pics“ bebilderten? Anm. d. Prot.) Fantasy-Anthologie zeigt: der Kollege aus der Buchhaltung (mindestens zwei im Publikum haben aber „Buchhandlung“ verstanden. Anm. d. Prot.) IST ein Monster! (Praxistipp: auf DIN-Norm für Bürotemperatur verweisen, das unterbindet alberne Dämonenbeschwörungen im Kollegenkreis. Anm. d. Prot.)
Schlusspunkt durch Stefan Winter (um den ging es aber nicht im Wintergedicht vorhin, auch wenn er besungen gehört: Allein sein Smalltalk-Einleitungssatz ans Publikum „Was machen die aktuellen Krisen eigentlich mit euch und eurem Wahlverhalten“! Anm. d. Prot.) mit einem – in Vortrag und Gagdichte – furioasanten „Polit“-Text, quasi „Game-of-Thrones-Plot auf Speed.“ (Tipp: Vortrag filmen und mit Tempo ¼ abspielen… oder nachlesen! Anm. d. Prot.)
Satz 1: „Und so lebten sie glücklich und zufrieden bis an das Ende ihrer Tage“. Satz 2: „dieses kommt bereits am nächsten Morgen“. ⇒ Noch Fragen? Und keine scharfzüngige Französin namens „Gioutine“ oder so beendet die Dekadenz, sondern Thronfolge-“Diskussion“, aber Demokratisierung nur ein Halbsatz, dann leider Brandrede eines Großkopferten, tjaja, Feder≥Schwert&&Rede≥Feuerzeug … und der Bischof ruft zur Landpartie, und der Mob macht den Figuren der Legende, Klabauter, Lind und Nixen den Garaus. Aus. Bzw. Schluss-Satz: „Und als die ganze Stadt zu Kohle glüht, stellt sich einer obendrauf und setzt zur nächsten an. Aber das – ihr versteht – ist eine andere Geschichte.“ (Verstehen wir. Wollen wir auch lesen und hören! Anm. d. Prot.)
Danach – Improtheater-Vibes – wählte das Publikum als Thema für die nächste Lesung „Störfunk“.
(klingt speziell, kann man aber auf gestörte (zwischenmenschliche) Kommunikation ausweiten. Oder man denke an Politik … siehe Dieter Hildebrandts gleichnamige Comedy… Anm. d. Prot.)
Und die Moderatorin schließt nicht mit Eigenlob aber aus Versehen mit Eigendank „vielen Dank ans Wortwerk! Äh, E-Werk!“ (Aber ich schließe mich beidem an. Super wars! Anm. d. Prot.)
Fade-out: „mit ‚schlechtem Internet‘ ist meist die Datenrate gemeint, nicht das Darknet“ / „Die Kunst, davon damit darüber die Verhältnisse zu leben, lieben, laben… aber sie ist geliebt obwohl brotkrumenlos!“ / „früher sagte man ‚fesch‘, heute ‚fresh‘“ / „achte auf die kleinen Glücksmomente, wie die Frau, die zum Rhythmus der Brotschneidemaschine tanzt“
Liebe Grüße Jogi. PS: Energiewende! Planetenschutz! Demokratie stärken!



