Mittwoch, 6. August 2025

Das 25+1. nichtverflixte Jahr, Ausgabe "kluger August"

 ¡ Hola !  ¿ Qué tal ? 

Wildwest-Saloon. Auch auf dem Zettel. Endlich! Home, sweet home. "Aber ihr seid zu früh, auf dem Zettel steht 21 Uhr." Nobody's perfect.

Aber ansonsten war es gut, im großen, nicht davor leergeatmeten Raum zu sein, zumal wir wieder weit über ein dreckiges Dutzend waren. Sauber! : -)

Erkennen und erkannt werden waren die ersten Diskussionen; Bettina erzählte nach dem Abschluss des frisch erschienenen Grenzen töten-Projekts davon, dass auch ihr aktuelles Projekt gemeinsam mit Günter Eichberger ("Niemandsmeer"), aus dem sie bei den Texttagen vorgelesen hat, reibungslos läuft und - anders als das eine oder andere Einzelprojekt - auch viel Spaß beim Schreiben macht. Zum Termin der Lesung in Erlangen meldet sie sich noch mal.

Und eine weitere Reprise vom Textualienmarkt, neben dem Neuzugang Vassim, der dort auf uns aufmerksam wurde: Coralie is back!

Der Protokollant las ihr freudig die Protocollage-Passage von besagtem Treffen vor, in dem sie vorkommt. Aber die künftige Star-Autorin ist auch eine korrekte Kritikerin und hat auf Mängel in der Zusammenfassung ihrer Geschichte hingewiesen (die sich der Protokollant leider nicht notiert hat. Anm. d. imag. Red.).

Das Korrigieren von Sekundärliteratur ist ... Tertiärliteratur?

Gerne wurde ihr überlassen, den ersten Text vorzustellen: "Liturgie in Seide." (Drachen und Seziertische?) (Nein, Raum/Zeit/Gedicht/Autor/anderes Treffen. Anm. d. Red.)

Wieder eine spannende Geschichte, wieder Textperlen wie "ihre Absätze klackerten nicht, sie markierten" oder "das verdiente Abperlen des Wassers"

Eine "stereotypische" Trullaussi geht im - Vorsicht, wieder falsch notiert - Feinkosttempel voll ab und wäscht sich dort die Haare mit Mineralwasser und zertrümmert Champagnerflaschen. Dann der Abgang mit Hundertern aus goldenem Colt.

Aber, wie die Autorin verrät: Sie (die Protagonistin. Und wieso steht hier "Amelie" und "Miriam" abwechselnd? So kann ich nicht arbeiten! Anm. d. Red.) tut es aus Protest gegen ihre goldenen Löffel. Weltverbessernd. "Traut euch mehr!"-fordernd. Martin L. Kings These vom Kirchturm herab - so ungefähr. Also tiefsinniger. Sie entwertet Luxus durch die Aktion.

Nebst semiauktorialen geheimnisvollem! Erzähler.

"Nein, mach keine Kurzgeschichten. Denk an die Vermarktung!" - "Viel Schreiben, um dich zu verbessern!" - "Nein, viel Lesen!" - "Nonlineare Plots sind ok. Schnelle Kontraste." - "Und natürlich ... Pauls Drehbuchbrille aufsetzen!" - "Lass die Figur in einer Szene wie mich angezogen sein." Wie immer kann kein Protokoll den Feedback-Qualitäten gerecht werden. (Achtung, Triggerwarnung "Product Placement" - wie übrigens auch in der Geschichte, hihi: Aber hier: Wortwerkwerbung! Anm. d. Red.) Daher übersteigerte Protocollagen als Ausgleich.

Dann die unerwartete Wendung, nicht in der Geschichte, aber in der Feedbackrunde: Mama Antonia: "ich hätte mir von euch mehr pädagogische Unterstützung erwartet." - "Äh ... what?"

Nach und nach kristallisiert sich heraus: Coralie soll weniger ChatGPT verwenden. Mehr auf ihre eigene Stimme hören. Also Coralies Stimme. Ein bisschen auch auf die mütterliche Stimme, nicht nur bei der Shampoo-Recherche. Diagnose: Eigenstimmfindungerschwernis bei den jüngeren Generationen aufgrund leichter Technik-Zugänglichkeit.

Neben der letzthin von Dirk angeregten Kooperation mit dem Komm-Cinema bezüglich Splatter-Lyrik (Vorsicht, Jugendschutz) / B-Movies / B-Lyrik eventuell Zusammenarbeit mit dem Borgo-Ensemble ... die Kurzgeschichten mit Lithografie koppeln wollen.

Vassim berichtet von "engineering education", und Coralie konstatiert, dass sie bei Latein nur bei ChatGPT nicht ausrastet. Arme Lehrer - aber siehe weiter unten.

Henning stellt zwei Kapitel/Szenen aus seinem Roman vor. Anton und Klara a.k.a. Elvis. (der kommt auch bei Franks aktuellem Romanprojekt vor, aber anders. Aber das war am Montag nicht Thema. Anm. d. Red.)

"Also, die Getränkebestellung zog sich doch deutlich" ... und als die Protagonistin fast ein wenig erotisch wirkte, war sogar der allwissende Erzähler angefixt. Der Protagonist hingegen - alkoholinduzierte Narkolepsie oder Unsicherheit? - verzog sich. "Er war überfordert, ein klarer Schutzmechanismus." - "Definitiv kein plumpes 'das Mädel wird schöner mit jedem Glas Bier'" - "Und was fällt der Protagonistin ein, schon im 3. Satz zu flirten?"

"Ich kann nur Dialoge, wurde mir gesagt." - "Den Unterschied zwischen Pils und Bier lernst du leider früh genug." - "Nimmt man einen Zug vom Bierkrug?" - "Nein, man verpasst ihn gewöhnlich, höhö" - "Eine ZDF-Komödie ist was anderes als ein tiefsinnig charakterzeichnender Roman." - "Buchzeit ist nicht Lebenszeit ... man muss es unter dem Schnapsbrennglas betrachten." - "Wenn die Handlung / die Szene / die Stimmung zwischen den Protagonist:innen gerade sehr langweilig ist - darf man die Leser:innen auch langweilen?" - "Das ist zu realistisch... dann kaufe ich das Buch, in dem ich geblättert habe, NICHT, dann gehe ich selber in die Kneipe und langweile mich." - "Ja, beschreibe, was an Spannendem gerade NICHT passiert." - "Was ist das für ein Text? Ist Anton ein Langweiler? Habe mich cringe gefühlt... ich hoffe, das war gewollt." - "Bei 'fast ein wenig erotisch' werde ich auch müde. Oder soll es zu Orgasmus führen?" - "Nicht in dieser Szene." - "Und die alte Hollywood-Regel nicht vergessen: Mit Erdbeeren anfangen und sich steigern." (Der Gag erinnert an an Jackie Chans Verwechslung von "cheese!" und"freeze!" Anm. d. Red.) - "Und die alte Wortwerk-Regel: Schreibe Varianten!" - "'Zeige das Nichtgeschehene' ist zumindest eine interessante Variante von 'Show, don't tell'."

Wir sind jetzt drei Wochen zusammen, aber ich komme nicht darüber hinweg, dass du dich nicht voll als Frau siehst, Elvis. Das ist Mobbing. Ich will keinen Elvis als Freundin." Streitbild der Vögel am Baum. Kleine Unterschiede im Gesicht und anderswo. "Die Streit-Szene ist jetzt schon Arte-Niveau." Das Permanent-Fast'n des Protagonisten färbt irgendwie (argh! Anm. d. Red.) ab auf die Kritiker und den Protokollanten.

"Andere Namen verwenden? Anton ist für mich vorbelegt: Ein verpeilter Bekannter in einer Holzwerkstatt, das ist mein Anton." Wie heißt Meister Eder mit Vornamen? Und hat Antonia gerade gegrinst? - "Egal. Fang damit an und dann Suchen/Ersetzen am Schluss." - "Ja, Namen aus anderen Kulturkreisen geben dann einen interessanten Drall." - "Mach Steckbriefe für die Figuren. Kreiere einen strengen ChatGPT-Gegenspieler, der dir hilft, viel über deine Charaktere zu erfahren."

Und das Gedruxte bitte nur in den Dialogen, nicht in den Beschreibungen. - "Konntest du mit den Rückmeldungen etwas anfangen?" - "Und schreib Drehbuchvarianten und denk an die Vermarktung!" - "Ja, Paul."

Katholische Heli-Eltern als Konfliktpotential. War Elvis evangelisch? Eine Aufsteiger- oder Aussteigergeschichte oder -gestalt namens Anton (willst du es nicht doch mal mit Tippen während des Treffens versuchen? Anm. d. Red.)

Komisch, alle Firmen bei denen ich je gearbeitet habe, sind mittlerweile pleite. - Das ist doch mal ein Plot! - Kann man dich zu Tesla und Co. schicken?

Erneutes großes Hallo, als sich Thomas - nach dem Deutschlehrer:innen-Bashing ("hört nicht auf sie als Autor:innen!") als Ebensolcher geoutet - schmetterlingshaft als Coralies Deutschlehrer der 4. Klasse entpuppte.

Thomas übernahm mit einem weiteren Kapitel aus seinem Roman aus der bajuwarischen 90'er-Jugend im Chemiedreieck.

Die schöne Definition des Erwachsenwerdens: Man merkt die Veränderungen.

Der Chemielehrer - "die Deutschlehrer in der Geschichte sind natürlich alle nett!" - den prototypisch jeder kennt: ein Papagei mit Macht auf Kosten der Schüler:innen, auch mit einem schönen Bild: Schatten übergroß vom Overheadprojektor - kennt man heute nicht mehr, der sich aber bei den privilegierten Kids anbiedert.

Die Ambitionen des Protagonisten, aber vor allem der Auftritt der Protagonistin. "Mit ihr würde ich weggehen. Aber jetzt erstmal würde ich an ihrer Stelle versuchen zu lächeln." In Bayern klopft man. Aber trotzdem Gleichgewichtsverschiebung.

Coralie: "Sie sind ja selbst Lehrer." - "Aber nicht so einer!"

"Was für Fragen hast du an uns?"  - "Vorsicht vor dem Erzähler! Bleib bei den Gedanken!"

"Da geht es drunter und drüber. " - "Ich kenne das." - "Als Lehrer oder als Erzähler?"

Weißer Neid, schwarzer Neid.

Der nicht-rassistische Erzähler. Rassismus in den 90ern ist auch Thema des Romans. - "Aber man versteht die rassistische Bemerkung der einen Person nicht, wenn du nicht auf Ethnien der Eltern eingehst." - "Ja, aber nicht auf Aussehen reduzieren" - "ja, aber der erste Eindruck ist nun mal optisch, und sei es das Auftreten?" - "Kann sich auch nach und nach andeuten, man muss den Leser:innen nicht sofort alles erklären." (Verstehen das nicht angewesene Leser:innen jetzt? Anm. d. Red.)(Im Roman angewesen?)(Ich geb's auf.) -"Drecksack Drexler hätte beim 'aus Berlin ' nachgehakt." - "Adenauers 'am Ostufer der Elbe beginnt die asiatische Steppe'-Bemerkung einbauen!"

Vassim: "Ich beantworte die Herkunftsfrage immer mit 'ich komme aus der Zukunft meiner Eltern '" - "in Kanada wird man nicht gefragt" - "künftig kommt man von einem Konzern, weil die mächtiges als Nationen sind" - "Genau, wie bei 'wir sind Siemensianer'"

Wir sind Wortwerk!

Danke und liebe Grüße, Jogi

PS: kennt jemand eine Petition für kommunale Energiespeicher?

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