Psst! Willst Du mit in die Hydranten-Untergruppe? Weißt Du nicht mehr, Tobis Hydranten-Wespen-Lyrik beim letzten Treffen? Wir schicken uns gegenseitig Fotos oberirdischer Exemplare … scheinbar sind die in der freien urbanen Wildbahn doch nicht so selten wie gedacht … die Gerüchte über zwei Unter-Unter-Gruppen – die, die sie abbauen und mitnehmen und die, die sie mit grellen, gelb-schwarz ausgedruckten Gedichten bekleben - sind aber Quatsch, soweit ich weiß. – Aber für die echte Untergruppe wäre eine App cool, oder? Natürlich mit seehr lyrischen Menüpunkten / Benutzerführung!
Wann treffen wir wieder zusamm? – Oh nein, nicht wieder die Diskussion „Montagabend ist so spät“ … - stimmt aber doch! Stimmt doch aber? Aber stimmt doch? Matthias aus Ansbach sagte letztes Jahr, dass es ihm zu spät sei – meinst Du diesen Matthias, der da gerade reinkommt? – Ich fühle mich wie in einer Gerichtsverhandlung oder bei Game of Thrones, wo mein Zeuge ein doppeltes Spiel spielt. – Ist egal, die längste Anreise hat eh Tamas („ich werde ‚Thomasch‘ ausgesprochen“) aus Vorra! – Oder, da aus der Erlanger Wortwerkgruppe zu Besuch: Stefanie!
He, heute mal mehr Lyriker:innen! Neben ihr, Tamas und Matthias ja Jörg, Tobi und Chrys!
Aus dem halbherzigen, in Halbsätzen erfolgten Vorstellen der Anwesenden in Richtung Stefanie wurde dann doch eine vollherzige und herzliche Vorstellungsrunde („Verstellungsrunde“ fände ich auch lustig … vielleicht teilweise der Fall, oder „VersStellungs-Runde“, wegen Lyrik… Anm. d. Prot.)(Zwei Absätze, ohne dass Du emergiert bist. Ich bin beeindruckt. Auch wenn der Preis dafür wieder maximale nacherzählerische Freiheit war/ist. Aber dazu sagt der imaginäre Justitiar später ja noch was. Erwähnenswerter wäre der Kommentar „Ja, ich kann mir vorstellen, dass das eine spannende und lustige Vorstellungsrunde war!“ der später dazugestoßenen gewesen. Anm. d. Red.):
Ich gebe zu, bei meinem aktuellen Cannabis-(Schreib-)Projekt bin ich nur mit halbem Herz dabei. Die sagen immer, ich solle da „mehr reinpacken“ … – wie… LSD, Ecstasy und so? – Nein, aber die Haltung von Ratten habe ich platziert. – Das wird jetzt hier so die Sonderkategorie eines Wettbewerbs bei unseren Treffen: „was ich alles in einen Auftragstext reinschmuggeln konnte.“ Mit Abstimmung und Verleihung eines jährlichen Preises! – Die Aufforderungen „machen Sie daraus bitte ein lesbisches Pärchen“ und „trotz ‚einfacher Sprache‘ bitte gendern“ waren schon anstrengend. – Also, ein lesbisches Rattenpärchen fände ich schon süß…
Als Drehbuchautor in Hollywood hat man Erfolg ohne Ruhm, kann also noch von Fans unbelästigt einkaufen. – Geht es Dir so? – Nein, aber das ist der Plan. Der Vorteil in Deutschland hingegen: der Staatsvertrag zwingt das ZDF, alles Eingesendete zu prüfen. – Bist Du da sicher? Geht es da nicht darum, bei angenommenen Texten auf die Achtung der Menschenwürde und Darstellung kultureller Vielfalt zu achten? – Weiß nicht. Egal, wichtiger ist der Spoiler: die haben da eh eine Mitarbeiterin, die macht automatisierte Ablehnungsschreiben. – Na, immerhin noch ein Mensch, auch wenn sie Vorlagen verwendet… aber ich kann mich einfühlen: das wäre für Dich natürlich eine späte Genugtuung, wenn das ZDF durch Amazon, Netflix und Co. kaputt geht, weil es damals, also heute, Deine Skripte nicht angenommen hat. - Und wer schreibt authentischere Drehbücher, der zuhörende Psychologe oder der Erzählende mit psychischen Problemen?
Mit Hip-Hop bin ich durch und jetzt bei experimenteller Lyrik gelandet. Meine Brötchen verdiene ich als Gärtner. – He, Du bist jetzt schon der zweite dichtende Gärtner oder gärtnernde Poet, den ich kenne! Der andere war einer von Müllers fünf Privatparkgärtnern, die Dichter unter ihnen können thematisch sicher voll aus dem Vollen schöpfen – ne, wir haben hier in Nürnberg „nur“ für Woitinek gearbeitet. Aber die waren sehr nett: wir haben Lebkuchen bekommen. – Nett. Nicht originell, aber nett.
Das führte nahtlos (gibt’s da bei Gärtnern auch einen Begriff? Saatlos? Anm. d. Prot.) zu einer Diskussion, in welchen Werken der Weltliteratur landwirtschaftliches und gartenbautechnisches Fachwissen ausgebreitet wird… Vergil? Dostojewski? … und zum Beginn des Running Gags „ich komme mir dumm/ungebildet vor“ und einer weiteren Diskussion, wie viele Versionen von Texten man schreibt, und ab wie viel Zeichen Änderung eine Version eine Version ist.
„Na, das ist ja eine Super-Überleitung für mich! Ich habe heute – wenn auch laienhaft – einen Baum umgegraben, bin Psychologe und das hier ist zwar nicht die 80. Version wie bei Deinem Sonnengedicht, Tobi, aber dafür ein seeehr langsames Projekt. Die liebe ich sowieso. Die Blätter liegen seit 25 Jahren herum. Loseblatt-Gedicht sind außerdem eh die beste Publizierungsform für Lyrik, da kann nach dem Runterfallen der Zufall eine Reihenfolge bei der Sortierung spielen. Aber ich habe es überarbeitet. Es heißt ‚Briketts‘.“ - „Cool, Matthias! Voll antizyklisch zur Umweltdebatte.“ – „Du wirst lachen: damals habe ich noch mit dem Gedanken gespielt, ein Kohle-, also Bergbau- oder Energieunternehmen, als Sponsor zu gewinnen.“ – „Briketts als komprimierte Kohle… oder weitergedacht sind Deine Gedichte Diamanten.“ – „Setz ihn nicht unter Druck, höhö. Pressen! Fester!“ - Und als Design schwarzes Papier und brikettförmige Kisten.“ – „Genau, Paul kann ihm Zigarrenkisten geben, wenn das mit Hollywood klappt.“ – „Wollen wir vielleicht erst mal über den Inhalt diskutieren? Und ihr dürft voten, welches Kapitel ich vorlesen soll: ‚aktuelle Relikte‘ oder ‚Pathologie statt Umwandlung‘?“
Der Einstieg betraf dann das Dichten mit Hanf, Wasser/geist, nie gehörtes Vergessen und die Wirklichkeit, über deren Schönheit nichts mehr ist. (Seufz. Ich hätte gerne den Originaltext. Anm. d. Red.) (Ja, es kam auch die Unbeschreibbarkeit oder Unbeschreiblichkeit oder Unbegreiflichkeit von Begriffen … - (All das trifft auch auf Deine Mitschrift zu. Anm. d. Red.) – … zur Sprache. Und das Wiedererkennen politischer Gesichtszüge in der Fauna… - (das ist nicht strafbar. Anm. d. Just.) - …, wann man zur Gruppe oder die Gruppe zu einem gehört, und iwas mit gebannten Friedensgefahren durch Avanti-Buddhas oder so. Anm. d. Prot.)
Ich fand das „Lächeln im Flussbett“ morbide, aber stark. Und neben dem „Held seines Scheiterns“ natürlich die Hirnholzspaltung. Ein – erregendes, sozusagen Thomas Bernhardiner – Holzfällen! – Oder „der Winter, das Nichts“ und die Flöte mit Lehm oder Ton zu verschließen.- Ach ne, das ist klassisch. Provokanteres, bitte! – Wie, „klassisch“: hast Du das im Musikunterricht gemacht oder was? – oder bei einem avantgardistischen Blockflötenkonzert der Privatschule, statt E-Gitarren zu zerschmettern?
Also, das „Nichts“ sehe ich jetzt übrigens nicht als abstrakten Begriff. – Das macht nichts. Das ist die Macht des Nichts.
Wurde die Überschrift erfüllt? Kam da überhaupt Kohle in den Texten vor? – Doch, da war irgend etwas mit „getrunkenen Kohlestaub“ gewesen… (oder ist das hier ein „b“ statt dem „g“? So eine Sauklaue …Anm. d. Prot.) Aber der Höhepunkt war natürlich, dass im Büro des Schriftstellers Äxte umherliegen. (Seine eigenen oder die seiner Kritiker? Anm. d. Prot.)(Halte Dich mal mit den Kommentaren zurück. Das stört den Lese-Flow. Anm. d. Red.) - Kann man Deine Lyrik schnell lesen? Dann brauchst Du eine niedrige Auflage. (Äh… was? Kann ich dann an dieser Stelle bitte noch einmal Werbung dafür machen, die vorgelesenen Texte vorab undoder währenddessen undoder im Nachgang temporär auf eine auf uns beschränkte Plattform hochzuladen? Anm. d. Red.) (A propos „beschränkt“: falls Deine Bemerkung als Kritik an meiner handschriftlichen Mitschrift gedacht war: die unklare Passage war doch etwas Gesagtes, nicht etwas Vorgelesenes? Anm. d. Prot.)(hm. Stimmt sogar. Anm. d. Red.)(Ja, ich bin jetzt auch verblüfft, Recht zu haben. Das ist eine Verdrehung unserer Rollen. Anm. d. Prot.)
Ich kann mir Deine Texte gut als Partnerschaftsbörsenslogans vorstellen. Da steckt viel Perlenhintersinnhumor drin. (Also, der Duden und die Rechtschreibprüfung kennen das Wort schon mal nicht. Anm. d. Prot.)
Die Begriffe des Gedichts sind teilweise wie in Vitrinen (passend, da auch das Wort „Panzerglas“ vorkommt. Anm. d. Prot.) ausgestellt. - Intravitrinös. – Lass das. Und dieses „Präsentieren“ wird wiederholt. Mich stört da einfach, dass das a priori kostbare Wendungen oder Formulierungen sein sollen. Oder ist das Herausstellen ironisch gemeint? – Denk Dir nichts, Matthias, ich würde seine Kritik als Lob sehen! Und davon unabhängig: großes Lob für die Gedichte! – Aber um zu meiner Kritik zurückzukommen: „informeller Schneefall“ geht ja noch, aber nicht noch mehr! – Jetzt wo ich das Layout sehe: Der Text ist ja gar nicht vorlesbar! – Aber wir haben ihn doch gerade vorgelesen bekommen? – Ja, aber dann sicher falsch! – Du meinst, die Person des Autors ist unzufrieden mit der Person des Vorlesenden, obwohl das ein und dieselbe Person ist? Gut, dass er dann gleich Psychologe ist.
„Präpathetisch“ Ist so ein hartes Wort. – Besser als „pathologisch pathetisch“.
Ich wäre gerne Kurator des Lyrik-Museums, das solche Texte ausstellt. – So was musst Du aber erst erfinden. – Also, auf Wikipedia gibt es einen Artikel „Liste der Literaturmuseen“!
Ich Idiot verstehe Deinen Text nicht. – Das wollte ich als Autor nicht. Also die Selbsteinstufung als Idiot. Das Nicht-Verstehen schon. – Was habt ihr denn? Der Text entwurzelt mich zwar, aber das Nicht-Verstehen befreit doch! – Ach so, verstehe! (War diese Erkenntnis jetzt befreiend? Ich frage für einen imaginären Freund… Anm. d. imag. Freundes des Prot.) – Ja, ja, Entwurzelung ist auch eine Form von „Dein Text ist bewegend“. – Immerhin war es kein völliger Verriss meiner Texte, was will man mehr?
„Dann mache ich mal mit Schlachten und flimmernden Kriegsnebeln weiter, wenn es genehm ist?“ – „Sollen wir da – wenn auch stümperhaft – einen gebrummten und gezischten Beat drunterlegen, Tamas?“ – „Bitte lass die Anspielungen auf meine Hip-Hop-Vergangenheit. Das waren wie gesagt Jugendsünden.“ – „Aber ich traue mich wetten, das Gedicht wird ein tipptopp Hip-Hop-Haiku.“ – „Und bitte nicht im Vorfeld des Vortrags Äußerungen der Unsicherheit oder ‚das ist nur‘ oder ‚ich habe noch diese oder jene Unzufriedenheit mit dem Vortrag‘. Das ist der Weiße-Mäuse-Effekt, den muss man vermeiden, weil dann stößt man Zuhörer:innen genau auf die Schwächen.“ (Ausnahmsweise gut mitgeschnitten, aber gut, dieser kleine Vortag kam ja auch von Dir. Allerdings muss ich Radio Eriwan-mäßig ergänzen, dass „weiße Mäuse“ früher ein Spitzname für weißgekleidete Verkehrspolizisten war – oder alkoholbedingte Wahnvorstellungen. Deinen zitierten „Weiße Mäuse-Effekt“ finde ich jedenfalls nicht im Internet. Vielleicht bildest Du Dir das nur ein? Hast Du Dir Alkohol zur Entspannung genehmigt? Allerdings gibt es im Zusammenhang mit „Negative Priming“, dass etwas Negatives länger im Gedächtnis bleibt, im Web den Hinweis, dass die Zuhörer:innen die Selbstkritik des Redners dann bestätigt sehen. Aber vielleicht solltest Du solche Themen Rhetorik-Profis wie Antonia überlassen. Anm. d. Red.)
Darauf setzte ein Farb-Staccato ein: Pflanzenbeschreibungen, aber auch ein mystischer Wächter. Ein Baum aus Fäden, korrumpierte Abboreszenz, und Geier Sturzflug sucht im Schlachtennebel nach Ordnung, entpuppt sich aber als Göttin. Stichwort: „Ich Idiot!“
Also, das war jetzt sehr seh-lastig. – Nein, einmal kam eine akustische Beschreibung vor! – Ja, aber Null Haptik oder … äh, Olfaktorik und Gustatorik! – Wir haben genau gesehen, dass Du das schnell am Handy nachgeschlagen hast. – Das macht meine Kritik salvatorik nicht ungültik!
Das waren verwuchernde, paintballartige Wortgeschosse wie ein Hiphopper, der Du reifeentwicklungsmäßig freivonjugendsündenseiend (der werfe wie Joschka den ersten Stein und entschuldige sich anschließend? Anm. d. Prot.) nicht mehr sein willst, aber die Farbe aus einem Topf mit antikem Material gezogen… insgesamt sehr reizvoll! – Danke. Zurückhaltende japanische Lyriker wie Matsuo Basho sind mein Vorbild. – Mag ja sein, aber … nein. „große Schlachten“ und so sollen zurückhaltend sein? – Genau, diese Wortteilverschmelzungen… das war Highspeed a la MF Doom oder Eminem, ganz neue Klänge. – Ja, als lyrischer Elektromusikkünstler sage ich: Verstehen interessiert nicht, sondern das Erleben von Sprache. Und das Comeback der Anrufung des Antiken … mit dem Gestus eines 16jährigen vortragen… Tschakka!
Also die fliegende Gestalt war die Göttin der Gerechtigkeit… nein, das wäre Dike, es geht um Themis, ihre Mutter, die Göttin des Rechts. And again: „Boa bin ich dumm“ („ist okay“, antwortete die Schlange, „Erkenntnis ist der erste Schritt, iss noch einen Apfel, das hilft gegen Doktoren wie Knoblauch gegen Vampire. Ischschwör!“ Anm. d. Prot.) genauso wie beim „arborescens“, dem Baumartigen. („dududu! So ein abartig unartiger Baumartiger! Oder ‚Baumar-Tiger‘?“ Anm. d. Prot.) Die Adoleszenz des Arborescens-vortragenden Arboristen. Labora et arbora aus dem genlabora. (Ich wiederhole mich bei jedem Text: Ruhezeiten einhalten! Anm. d. Red.)
A propos „präpathetisch“: Der Untertitel „Untergang der Menschlichkeit“ und Sätze wie „Schönheit beginnt im Kleinen“ sind zu viel? Oder zu wenig? Und von der Struktur her viele Richtungsangaben und ein Aufbau wie eine Checkliste… noch mehr Statik drumrumbauen. Da fast keine Verben vorkommen, ist es sehr passiv, trotz des Tempos.
„Iiih… der Autor zwingt mir Interpretation auf!“ – „Das sind Sätze, die der danebensitzende vorhervortragende aber nicht nachtragende Lyriker zertrümmert.“ – „Aber da brodelt viel Energie … vertraue Deiner Sprachkraft!“
(Anmerkung, unabhängig vom momentan zitierten Gedicht: Und immer wieder fallen in der Runde aus den nun mal mit Autor:innen-Hirnen gekoppelten Mündern Sätze wie aus Romanen, wie „Erst heute Morgen ging es mir so, weil es geregnet hat.“ Anm. d. Prot.)
Reicht bei „Laub“ nicht „Laub“, wozu „Laub der Vergangenheit“? – Na, es gibt doch auch noch nicht gefallene Laub am Baum, das im Frühjahr für Zukunft steht!
Die Märzenbecher malen, machen oder malochen je nach Lesart der Notizen die Jahreszeit auf. (stoßen auf den Frühling an? Anm. d. Prot.)(Ich bin ruhig. Ich bin ein Fels. Anm. d. Red.) (Und zu seiner erwähnten „Maranta (leuconeura, auch „Gebetspflanze“)“, die mit gefalteten Händen Fürbitte für gesunden Schlaf leistet, fällt mir spontan gerappt natürlich „Das Mantra der im Manta beifahrenden Mantara war: ‚er hat gut geschlafen. Er fährt ausgeruht und sicher. Wunderbar.‘“ Anm. d. Prot.)(Stattdessen erwähnenswert - da tatsächlich stattgefunden – wäre gewesen, dass einige statt „wünscht Du mir friedlichen Schlaf“ verstanden haben „nimmst Du mir friedlichen Schlaf“. Anm. d. Prot.)
„Hat jemand einen frisch zu feedbackenden Text oder muss ich auf meinen abgehangenen Vorrat zurückgreifen?“ – „Ich hab was. Und vorweg zum gleich vorgelesenen Text: Ich wollte mal was ganz anderes machen.“ – „Lass mich raten, Antonia: eine literarische Bedienungsanleitung?“ – „Nein, ein Essay.“ – „Ah, da bin ich gespannt.“ – „Nein, das lese ich jetzt aber nicht vor. Das hier sind die ersten Seiten von einem möglichen Romanprojekt.“ – „Also, der Einstieg war jetzt schon mal sehr aufmerksamkeitsheischend, aber es hat funktioniert. Ich bin immer noch sehr gespannt.“ – „Es beginnt mit: ‚Den Tod hatte ich mir anders vorgestellt.‘“ – „Ein Killer-Einstiegssatz.“
Eindeutig nicht der Himmel, wenn man bei der Freundin aufwacht und Youtube im Hintergrund das Schminken von Schlupflidern erklärt! Und nach Seite Eins kam der Cliffhanger: „verdammt, ich finde die zweiten Seiten nicht.“ – „Wie viele zweite Seiten gibt es?“ – „Alles im Leben ist multikausal und vielfacettig, das passt.“ – „Ruhe, es geht weiter, mit dem Sprung auf die Polizeistation und dem ‚All Cops Are Beautiful‘-Plakat. – Also, der eingebaute Mini-Kunstunterricht mit Magritte und Granny Smith war toll! Oh nein, sie liest schon wieder nicht weiter! Gibt es Seite Drei nur als Abo oder nach Einwurf von Münzen? - Sehr spannend, diese teleportationsartigen Schauplatzwechsel bei jedem Erwachen des Geistes! Das führt bei mir zum spontanen Vorschlag, auch bei Deinen Lesungen Texte „materialisieren“ zu lassen. Oder ein eine Art Escape Room- Spiel. – Tja, liebe Antonia, willst Du Deinen Text verkomplizieren, wende Dich vertrauensvoll an Chrys! – Das war jetzt zäh, mit dem langen Suchen nach jeder Seite, aber insgesamt sehr spannend! Wie geht die Handlung dann weiter? – Es wird zwei Ermittler geben, also lebende, aber beide liegen falsch. (mit dem Leben? Anm. d. Prot.) Die Tote ermittelt selbst, findet den Täter, aber keiner hört auf sie, denn keiner als kein Lebender kann sie hören – Also, die gesellschaftliche Satirisierung musst Du auch im weiteren Werk unbedingt durchhalten, und zwar auf jeder Seite! – Wieso, es gibt Filme wie „Mondscheintarif“, die nur von einem guten Satz leben, in dem Fall, dass Männer die eigentliche Problemzone der Frau sind. Und Antonia hat schon auf den wenigen vorgelesenen Seiten mehr gute Sätze! – Das mit dem „ACAB“ ist übrigens eine echte Mitarbeiter-Werbe-Kampagne der Polizei, habe ich auf einem Revier gesehen. Und dann habe ich halt überlegt, welche Slogans passen, und das passte dann wie Arsch auf Eimer. Und was die Sozialsatire betrifft: es schwingen ja auch verschiedene Probleme mit, dargestellt in den verschiedenen Ermittlerinnen: Sichtbarkeit, abnehmende Sichtbarkeit der älter werdenden Frau, oder eine, die sich zu sehr / falsch sichtbar fühlt. – Also ein sehr feministisches Buch. – Ja.
„Du solltest das Konzept des Geistseins überdenken.“ (Unabhängig vom konkreten Bezug, der sich auf die Darstellbarkeit in einer eventuellen Verfilmung bezieht, ist das ein philosophischer Killersatz! Und ist das Meta-Ebene, wenn der Geist über den Geist…? Anm. d. Prot.)
0815-Geist und Sams Töpferszene wollte ich vermeiden, also kam natürlich die Frage auf: was ist das Alleinstellungsmerkmal… ich habe mich für einen verstärkten Geruchssinn entschieden. – Okay, als Geist ist man ja ätherisch, als Dunst unterwegs… und interagiert da eventuell mit den ebenfalls ätherischen Geruchsteilchen… also, falls Du da eine pseudo-wissenschaftliche Erklärung brauchst … – Müsste die tote Galeristin nicht eher ein visueller Mensch sein? – Wenn Du schon nicht den Geist weglässt: Den Geruch solltest Du wegen der Verfilmung weglassen! – Nein, wieso? Den sollte sie drinlassen! „Das Parfüm“ war doch auch verfilmbar? - „Ich bin so wild nach Deinem Erdbeerduft, Hashtag Twilight.“ (Ich merke es genau, wenn Du unklare Notizen einfach schnell unerklärt dazwischenschmuggeln willst. Anm. d. Red.) - Oder wie wäre es mit einem Film mit beschreibenden Untertiteln, wie für Hörgeschädigte? Etwa: „jetzt Erdbeergeruch“… – Genau, und wenn in wenigen Jahren das Geruchsfernsehen endlich kommt, bin ich ganz vorne mit dabei! Das gefällt mir! – Ja, die Festlegung auf so eine andere Sinnesart ist für einen als Autor schon schwer … der Protagonist meines Romans ist ein Affe mit hervorragender Nase, da muss ich auch dauernd aufpassen, immer seinen Blickwinkel äh Nasenwinkel zu berücksichtigen. – (insert Diskussion über Feucht- und Trockennasenaffen here. Konnte ich im Detail nicht mitschreiben, da ich in persona die Hälfte des Dialogs ja reden musste. Anm. d. Prot. )
„Hast Du auch noch einen Text, Stefanie?“ – „Ja, wie bei Matthias dürft ihr voten: Parmesan. Oder armer Ritter.“ – „Können wir auch das ganze Menü haben?“ – „Auf jeden Fall nicht nur die Nachspeise.“ – „Kann Parmesan nicht auch bei Süßspeisen verwendet werden?“ – „Ja, aber ‚Armen Ritter‘ gibt es auch salzig, also ist beides Beides.“ – „Auf jeden Fall gibt es beim Parmesan-Text ein Haar im Käse, aber anders als das sprichwörtliche Haar in der Suppe ist es hier ein Qualitätsmerkmal.“ (Parmesamariter. Parmesamedic. Italohaarkäse. Anm. d. Prot.)(Pause? Bitte? Du kriegst auch Zuschlag beim Nachtisch. Anm. d. Red.)
Welche Fähigkeit ist wichtiger: italienisch sprechen oder italienisch kochen? Die Urlaubsnostalgie wird durch ein italienisches Haar in der Packung verstärkt. Die Liebe beim Raspeln springt auf die Liebe beim Kochen über, auch wenn es nur ein einfacher Käseüberzeug über ein einfaches deutsches Gericht ist.
Stopp! Irgendwie bei diesem „eingeschweißt“ entstand da in meinem Kopf ein falsches Bild.– Ach so, pulverisiert, quasi Puderzuckerkäse, nicht gehobelt. – Genau, es geht um diese zylinderförmigen Streuer. – Ach so! Und jetzt bitte alle im Chor: „Ich fühl mich blöd.“ - Aber wie beschreibe ich das am besten? – Tja, diese Deine hier im konkreten Zusammenhang gestellte Frage ist die generelle Kernfrage all dieser Abende in dieser Runde!
Die erotischen Schwingungen, Liebe mit Haut und Ha(a)rtkäse… – Der ungehobelte Mitarbeiter in der Käserei hobelt den Parmesan, höhö. - Und natürlich der Brüller: „Ein Kopfhaar aus der Po-Region.“ - Mehr haarige Wortspiele zum Thema „Haar“ kriegen wir in unserem Feedback nicht mehr unter, Stefanie. – Ja, aber ihr habt zum Glück ein gutes Haar an meiner Geschichte gelassen. - Dein Text hat auf jeden Fall eindeutig den Wettbewerb „maximales Kopf(haar)kino“ des heutigen Treffens gewonnen! – Aber einen kurzen Text habe ich noch! „Armer Ritter“. – Na, jetzt bin ich aber gespannt, ob es um ein Gericht oder historische Sozialkritik geht.
Die Geschmacksperspektive. Der Genuss, warm und salzig. Gepfeffert die Kehle zugeschnürt. Und sofort gepfefferte Kritik, die von der Folge-Kritik wieder aufgehoben wurde: „Die Frage nach dem Wiedersehen am Schluss – die macht auf rein kulinarischer Ebene keinen Sinn. Also, das generelle Gericht vielleicht, aber nicht das konkrete…“ – „Tja, finde die weiteren Ebenen.“ – „Das Wiedersehen des Angebots auf der Speisekarte... wenn da andere Ebenen drin sind, bekomme ich sehr cringe Partnerbörsen-Vibes.“ – „Stellt euch doch alle nicht so an: Der salzige Geschmack, das Bedauern, dass der Genuss so schnell zu Ende geht: Eindeutig explizite Anspielungen in Richtung Oralverkehr, One-Night-Stand und prätoriale oder prämordiale Ejakulation. (legal disclaimer: nicht alles wurde a) von den angegebenen Personen b) in dieser Form gesagt. Künstlerisch freie Nachdichtung. Anm. d. Just.) - „Nein, Paul, da müssen wir Dich auflaufen lassen. Wir anderen lesen oder hören das selbstverständlich NICHT heraus.“ – „Aber die Autorin grinst doch!“
„Da war auch ein ‚überrumpelt durchs Essen‘ herauszuhören.“ – „Ach so: Das Essen ist der Täter! Klingt wie das Motto einer Adipoditas-Selbsthilfegruppe.“ – „Sättigung ist übrigens unabhängig von der zugeführten Menge durch eine zahlenmäßig exakt festgelegte – und zwar hohe - Anzahl von Kaubewegungen erzwingbar.“ – „Das mit der Selbsthilfegruppe ist gar nicht so verkehrt, allerdings geht der Text eher in Richtung Dyphagie-Therapie, also Schluckstörungen.“ – „Wo ist der Zettel mit dem Motto ‚ich komme mir dumm vor‘ zum Hochhalten?“ – „Als Lateiner ist man bei diesen Treffen klar im Vorteil.“ – „Und die Kannibalismus-Vibes... Wie war das mit der Anthologie ‚Menschenfresser der Liebe‘ von Philip Krömer?“ - „Aber ist das Geschmäcker-Thema des Ergusses verfilmbar?“ – „Hallo? Sex and the City? Eine ganze Folge über besagten Geschmack!“ – „Das ist jetzt eindeutig der textuelle Höhepunkt des Abends. Applaus für die Apotheose!“ (Klingt wie eine Krankheit? Anm. d. Prot.)
(„Es fällt mir schwer, Dir hier Absicht zu unterstellen“: Der Satz kann anhand der Notizen nicht mehr korrekt zugeordnet werden und wird daher hier an den Schluss gestellt. Ebenso wie der gegenläufige Satz „Ich unterstelle Absicht“ sowie „Man kann das Gedicht verbessern, aber muss nicht.“ Anm. d. Prot.)
Leerstände! braucht noch jemand Leerstände? - Was ist das überhaupt? - Na, ein Heft mit ebenjenem Schwerpunkt. – Ach so, wie die Büros in (Name Stadtteil Nürnberg) – Aber in ehemaligen Büros kann man doch nicht schön wohnen? – Doch, selbst wenn nur minimal umgebaut… halt was in Richtung Loft-Charakter. - Genau. Wir wohnen am Rangierbahnhof: einfach etwas Stoff in die Ecken und schon heißt es „probiers’s mal … miiit Gemütlichkeit, mit Wärme und Behaglichkeit…“
Claude Chabrol hat beim Fernsehen immer 10 Seiten Drehbuch geschrieben. - Wie, den gesehenen Film mitgeschrieben und zusammengefasst? – Nein, schon was Neues. Nehmt euch ein Beispiel!
Und wir sind schon bei Kalauer Nummer 4, aber Antonia rollt noch nicht mit den Augen: Du solltest Dir einen Ghostwriter für Deine Geistergeschichte holen!
Fränkisch zu sprechen oder zu schreiben bedeutet ja das horizontale Kippen von „b“ und „p“ und das (optisch nicht ausführbare) von „d“ und „t“ … aber wenn dein Kind in der Schule bei Aufsätzen gerne horizontal auch „p“ und „q“ kippt oder vertikal „d“ und „b“, kann man sich da nicht auf den Schutz von mundartlichen Minderheiten berufen…
PS 1: untenstehend ein Hydrantenfoto vom Heimweg am gleichen Abend und eins vom Arbeitsweg am Tag darauf.
PS 2: He, Vorsicht da oben! Wieso bewirfst Du mich mit Deinem Handy? Was habe ich Dir getan? - Dein Ernst? Weißt du wie aufwändig das ist, bei Gerätetausch alles wieder einzurichten? Ich würde Dich nie mit so etwas wertvollem wie meinem Handy bewerfen!
PS 3: Energiespeicher, Demokratieschutz und Verbraucherschutz!

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